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Bocholt

Entschluss steht: Firma Herding geht nach Rhede

Dienstag, 1. April 2014 - 16:48 Uhr

von Renate Rüger

Bocholt - Jetzt steht es fest: Die Firma Herding wird Bocholt verlassen und ihren Standort nach Rhede verlagern. Das teilte das Unternehmen am Dienstagnachmittag mit. Klar ist nun auch, wo genau in Rhede die Firma unterkommt.

Foto: Betz

Der bisherige Sitz der Firma Herding an der Bocholter Industriestraße. Foto: Sven

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Die Geschäftsleitung der Klaus Herding GmbH habe am Dienstag die Mitarbeiter der Firma auf einer Betriebsversammlung über die Entscheidung informiert, teilte das Unternehmen mit. Zugleich teilte Herding Bürgermeister Peter Nebelo den Entschluss in einem Schreiben mit.

Die Firma werde nun auf einem 16.000 Quadratmeter großen Grundstück am Klüünkamp in Rhede neu bauen, sagte Rhedes Bürgermeister Lothar Mittag dem BBV. Die Stadt werde Herding mit einer Beihilfe von 400.000 Euro verteilt auf die nächsten zehn Jahre fördern. Das Geld komme aus der erwarteten höheren Gewerbesteuereinnahme.

Herding verlässt Bocholt nach fast 100 Jahren, wie die Geschäftsleitung in einer Pressemitteilung betont. Die rund 80 Mitarbeiter, denen die Entscheidung für die Standortverlagerung am Dienstag mitgeteilt wurde, hätten spontan geklatscht, berichtete Geschäftsführerin Susanne Litzel. "Aus emotionalen Gründen, denn sie haben das Spiel nicht mehr verstanden".

Mit "Spiel" meint Litzel den Streit mit der Stadt, die der Firma wegen des Kubaai-Projekts den Standort an der Industriestraße gekündigt hatte und das leidige Hin und Her um ein neues Grundstück für Herding im Industriepark. Rund eine Million Euro wollte die Stadt der Firma schließlich dafür als "Investitionshilfe" gewähren. Herding jedoch nimmt jetzt das Angebot der Stadt Rhede an, mit der sie gleichzeitig verhandelte.

Den "Ausschlag" dafür hätten "keineswegs materielle oder finanzielle Anreize" gegeben, erklärt die Firma in einer Pressemitteilung. Rhede habe Bocholt in keiner Weise "überboten". Ausschlaggebend hingegen sei der "unerfreuliche Umgang von Bocholter Stadtvertretern" mit der Firma gewesen.

Den "finalen Anstoß" habe die "Falschaussage" von Bürgermeister Peter Nebelo im Rat gegeben, dass Herding in Bocholt bleibe, und dass er die daraufhin erfolgte "Richtigstellung" Herdings als "Unverschämtheit" bezeichnete.

Wirtschaftsförderer Ludger Dieckhues bestätigt derweil noch einmal die Darstellung Nebelos. Herding habe vor der Ratssitzung "vorbehaltlich rechtlicher Machbarkeit" eine Entscheidung für Bocholt getroffen. Und exakt das stand laut BBV-Informationen auch in der Vorlage der Ratsmitglieder. Deshalb folgte auch der Ratsbeschluss über die Millionenhilfe.

"Wir haben alles getan, dass Herding bleibt", sagt Nebelo. Bis zuletzt. Dass Herding sich nun für Rhede entschieden habe, überrasche ihn schon, zumal die Firma die Stadt nach der Ratssitzung "noch weiter arbeiten ließ", um Fragen wie die nach einem Erbbauvertrag zu klären - eine Idee, die sie dann wieder verworfen habe. Nebelo: "Wir haben uns nichts vorwerfen zu lassen." Herdings Entscheidung sei bedauerlich. Er sei enttäuscht. Aber: "Wir müssen damit leben." Immerhin blieben die Arbeitsplätze erhalten - wenn auch in Rhede, ergänzte Nebelo.

"Wir fühlen uns dort besser aufgehoben", sagt Litzel. Schon die Vorstellung, dass Stadtbaurat Ulrich Paßlick die Baugenehmigung der Firma im Bocholter Industriegebiet hätte absegnen müssen, habe ihr nicht behagt. In Bocholt befürchte sie "weitere Verunglimpfungen" und den Vorwurf, dass die Firma "pokere". Immer werde alles ins Negative gezogen, was Herding mache. "Jetzt sind wir wieder die Unverschämten", sagt Litzel ironisch. "Wir erwarten einen Shit-Storm, und dann ist hoffentlich Schluss." Der ganze Streit "war langsam nicht mehr zu ertragen".


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