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Bocholt

Gelernte Bankkauffrau arbeitet als Clownin im Seniorenheim

Sonntag, 19. März 2017 - 11:58 Uhr

von BBV

Bocholt - Seit rund eineinhalb Monaten arbeitet die gelernte Bankkauffrau Sabine Kamps (47) einen Nachmittag in der Woche im Seniorenwohnheim Haus vom Guten Hirten als Clownin. Kamps verbreitet nicht nut in den Aufenthaltsräumen des Seniorenheims gute Laune, sie besucht auch bettlägerige Bewohner auf ihren Zimmern.

Foto: Sven Betz

Die Bocholterin Sabine Kamps (47) bringt als Clownin Luna die Senioren im Haus vom guten Hirten zum Lächeln. Am liebsten kröne sie die älteren Menschen, da sie ihnen dabei ihre volle Aufmerksamkeit schenken kann, sagt sie.

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Wenn Sabine Kamps (47) zu Luna wird, ist sie eine Zeit lang nicht mehr Hausfrau und Mutter. "In dem Moment, wo ich eine rote Nase aufhabe, bin ich ein anderer Mensch", sagt die 47-Jährige. Seit rund eineinhalb Monaten arbeitet sie einen Nachmittag in der Woche im Seniorenwohnheim Haus vom Guten Hirten als Clownin. Dabei ist sie gelernte Bankkauffrau. Wie passt das zusammen?

Kamps kommt als Luna in den Aufenthaltsraum des Seniorenzentrums. Sie trägt einen gepunkteten Anzug, darüber eine gelbe Latzhose sowie eine schwarze Mütze auf dem Kopf, eine rot-weiße Schleife um den Hals und eine clownstypische rote Nase. Sie geht von Tisch zu Tisch, begrüßt jeden der Anwesenden, berührt die Bewohner und unterhält sich mit ihnen. An einem der Tische setzt sich die Clownin hin. "Was haltet ihr davon, wenn wir was singen?" Sie spielt die ersten Töne auf ihrem Keyboard und singt gemeinsam mit zwei Bewohnerinnen und deren Besuch "Freut euch des Lebens" und "Tulpen aus Amsterdam".

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Sabine Kamps ist Clownin im Seniorenheim

Mit dabei hat sie einen Koffer, in dem sie "alles hat, was ein Clown so braucht", sagt sie. Dazu gehören Schokolade, XXL-Sonnenbrillen, Kronen und Musiknoten - für Besucherkinder bunte Luftballons. Was sie davon benutzt, hänge von der Situation ab, sagt Kamps. "Ich gucke, was gerade so passt."

Doch, wie wurde aus der gelernten Bankkauffrau Sabine Kamps die Clownin Luna? 2010 haben Ärzte bei ihr eine Herzerkrankung diagnostiziert. "Ab da hat sich mein Leben sehr verändert", sagt sie. Sie konnte ihrem Job nicht mehr nachgehen und engagierte sich ehrenamtlich in der Hausaufgabenbetreuung und in der Kirche. Außerdem hat sie verschiedene Seminare und Kurse zu Themen wie Achtsamkeit, Körperanalyse und Psychologie belegt. "Das sind Sachen, die ich hier anwenden kann", sagt Kamps.

Bei einem Clownsseminar habe sie schließlich festgestellt, "dass es mir Freude macht", berichtet die 47-Jährige. Danach hat sie sich in dem Seniorenwohnheim beworben und arbeitet nun seit Februar dort. An ihrem ersten Tag hat sie eine Seniorengruppe direkt eine Stunde lang unterhalten müssen. Eine Lehre für die 47-Jährige. "Danach habe ich auf jeden Fall gewusst, dass ich mehr Programm brauche", sagt sie.

Kamps verbreitet nicht nut in den Aufenthaltsräumen des Seniorenheims gute Laune, sie besucht auch bettlägerige Bewohner auf ihren Zimmern. Am liebsten krönt sie die Senioren. Dabei könne sie den Menschen ihre volle Aufmerksamkeit schenken, berichtet sie. "Ich sehe mich auch nicht als Künstler. Ich sehe mich als Mensch in der Begegnung mit anderen Menschen."

Durch diese Begegnungen schaffe es Kamps die Senioren - gerade Demenzkranke - zu erreichen, sagt Heimleiter Johannes Tepaße. "Sie hat einen Sinn für demente Menschen und kann sie aus ihrer Welt herausholen. Wir sind froh, dass wir sie haben."

Autorin: Christina Schreur


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