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Bocholt

Jobcenter sucht Ausbildungsplätze für junge Flüchtlinge

Mittwoch, 14. Juni 2017 - 16:37 Uhr

von Renate Rüger

Bocholt - Das städtische Jobcenter, das für die Vermittlung von anerkannten Flüchtlingen zuständig ist, sucht Ausbildungsplätze für 39 Flüchtlinge. Sie wurde aus 87 jungen Flüchtlingen im Alter von 18 bis 25 Jahren herausgesucht, weil sie sich für eine Ausbildung eignen und eine gute Perspektive haben, sich in den hiesigen Arbeitsmarkt zu integrieren.

Foto: Betz

Dominik Hanning , Leiter des städtischen Jobcenters, und seine aus dem Libanon stammende Mitarbeiterin Nancy Kamarieh kümmern sich um anerkannte Flüchtlinge. Für 39 junge Menschen suchen sie jetzt eine Azubi-Stelle. Foto: Sven

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Laut Jobcenter-Leiter Dominik Hanning sprechen sie alle Alltagsdeutsch (B1-Niveau). "Manche haben in ihrer Heimat studiert, viele haben das Abitur, das hier aber noch nicht anerkannt ist", sagt er. Andere hätten die Schule oder ihr Studium im Krieg abbrechen müssen. Die meisten kämen aus Syrien, dem Irak, Iran, Afghanistan oder Eritrea. Sie seien "hoch motiviert", doch sie bräuchten oft noch eine berufliche Orientierung, sagt Hanning.

Einigen Flüchtlingen sei nur ein subsidiärer Schutz gewährt worden. "Das schließt den Familiennachzug aus", sagt Hanning. Und das wiederum setze die Flüchtlinge unter einen hohen Druck, denn sie müssten ihre Familien, die in der Türkei oder anderswo Zuflucht gesucht hätten, finanziell unterstützen. Ein Helferjob oder andere Beschäftigungen für gering Qualifizierte sei für sie deshalb oft attraktiver als eine dreijährige Ausbildung. "Und sobald die in einer Helfertätigkeit sind, sind wir kein Ansprechpartner mehr", sagt Hanning.

Eine Perspektive hätten die Flüchtlinge aber nur mit einer nachhaltigen Qualifikation. Durch Erfolgserlebnisse in den Firmen und anderswo verfestige sich auch das Sprachbild. Ein Problem sei jedoch, dass sich viele Flüchtlinge nicht vorstellen könnten, was hinter einer Ausbildung steckt. Bei der beruflichen Orientierung seien sie deshalb recht sprunghaft. "Sie lernen ein Berufsbild kennen, finden das gut, lernen dann ein anderes Berufsbild kennen und switchen dann gleich um", sagt Hanning. Die hiesige Berufsvielfalt sei für viele verwirrend. "Und hier legt man sich ein Leben lang fest mit einer Ausbildung."

In den Heimatländern der Flüchtlinge sei das anders. "Die haben bunte Lebensläufe", sagt Hanning. "Da hat ein Jurist als Frisör gearbeitet, und ein Klassiker ist auch der Lkw-Fahrer ohne Führerschein." Ein Großteil der älteren Flüchtlinge bringe zwar eine hohe Motivation mit, brauche aber Zeit, um Deutsch zu lernen und sich zu qualifizieren. Etwa 30 Prozent könnten unsere Schrift nicht lesen, etliche auch die arabische nicht. "Der Arbeitsmarkt hier ist sehr technologisiert", erklärt Hanning. Die meisten Flüchtlinge seien keine Facharbeiter, die gesucht würden und die man sich erhofft habe. Menschen über 55 seien sowieso schwer zu vermitteln.

268 der 535 beim Jobcenter erfassten Flüchtlinge sind laut Hanning zwischen 25 und 64 Jahre alt. Bei 160 Flüchtlingen handelt es sich um Kinder bis 14 Jahren, und 107 Flüchtlinge sind zwischen 15 und 24 Jahre alt.

Auf sie setzt das Jobcenter. Sechs habe es bereits einen Ausbildungsplatz vermittelt, berichtet Hanning. Für die 39 jetzt ausgewählten suche es entsprechende Azubi-Stellen oder eine Einstiegsqualifizierung (EQ), also ein Langzeitpraktikum von bis zu einem Jahr, in dem sich der Praktikant bewähren und auch eine Berufsschule besuchen kann. "Das Praktikum könnte dann später für die Ausbildung anerkannt werden", sagt Hanning.

Vom Aufwand her sei die Vermittlung der Flüchtlinge für das Jobcenter eine Herausforderung. "Aber es ist eine schöne Herausforderung", sagt Hanning. "Weil es hier um hoch motivierte Menschen geht."

Azubi-Speed-Dating

Für die 39 jungen Flüchtlinge, die sich für eine Ausbildung eignen, sucht das Jobcenter entsprechende Plätze. Es bietet dafür erstmals auch ein Azubi-Speed-Dating für Unternehmen an. Diese können dabei die anerkannten Flüchtlinge im Alter von 18 bis 25 Jahren in kurzen Gesprächen kennenlernen. Das Jobcenter stehe den Firmen auch mit Beratungs- und Unterstützungsleistungen jederzeit zur Verfügung, sagt Jobcenter-Leiter Dominik Hanning. Wer sich für das Azubi-Speed-Dating interessiert, wendet sich an Nancy Kamarieh, 02871/953605, E-Mail: kamarieh@mail.bocholt.de, oder Dirk Stüker, 02871/953745, E-Mail: stueker@mail.bocholt.de.


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