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Bocholt

Radschnellweg: Anwohner leisten Widerstand

Freitag, 17. März 2017 - 16:49 Uhr

von Volker Morgenbrod

Bocholt - Für den geplanten Radschnellweg auf der alten Bahnstrecke nach Rhede will die Stadt gegebenenfalls alle Gärten einziehen, die Anlieger dort angelegt haben. Die Pachtverträge sollen gekündigt werden. Rund 30 Familien formieren sich zum Widerstand.

Foto: Betz

Klaus Lütfrink deutet auf die Stelle, an der die Trasse der Stadt beginnt. Der restliche Garten mit Teich und Sitzgruppe müsste weg, wenn dort der Radschnellweg gebaut würde.

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Ihr Argument: Laut Pachtvertrag müssten sie die Trasse nur räumen, wenn die alte Bahnstrecke reaktiviert werde. Von einem Radschnellweg stehe nichts in den Verträgen. Die Stadtverwaltung widerspricht: Laut Vertrag sei es egal, wofür die Stadt die Grundstücke nutzen wolle.

Die Stadt Bocholt hatte die Schienentrasse als "Infrastrukturband" seinerzeit von der Bahn gekauft. Jetzt soll dort der neue Radschnellweg angelegt werden

Viele Anwohner haben derweil Teile der Trasse gepachtet, um ihre Gärten zu erweitern. So wie Klaus Lütfrink. Er wohnt an der Ecke Bertha-von-Suttner-Weg / Heutingsweg und hat viel in seine Gartenerweiterung investiert. Nie habe er damit gerechnet, dass er die alte Bahntrasse einmal räumen solle, sagt Lütfrink und pocht auf den Paragrafen 9 seines Pachtvertrags. Dort stehe, dass das "Infrastrukturband für eine Reaktivierung des Schienenverkehrs bereitgehalten" werde und er die Fläche deshalb "nicht unbefristet" nutzen könne. Lütfrink: "Ich weiß, dass ich das Grundstück für die Bahn freimachen müsste." Aber das gelte doch wohl nicht auch für einen Radschnellweg.

Doch, erwidert Stadt-Pressesprecher Karsten Tersteegen auf BBV-Frage. Die Stadt habe sogar einen Rechtstitel, der ihr "die direkte Vollziehung der Freigabe" ermögliche.

Lütfrinks Nachbarin Stefanie Jakovljevic will daran nicht denken: "Für uns wäre das sehr, sehr traurig. Wir haben viel Arbeit und Geld investiert." Jakovljevic geht indes nicht davon aus, dass die Anlieger mit ihrem Protest den Radschnellweg verhindern können. Ziel der Anwohner müsse es deshalb sein, dass der Radschnellweg ein paar Meter nach Norden (in Richtung Stadtwald) verlegt wird, damit die Bürger ihre Gärten behalten können.

Anliegerin Ulrike Klump (Dr.-Elisabeth-Selbert-Straße) fühlt sich bei alldem ein wenig verschaukelt. Sie habe in den 90er-Jahren dort gebaut, auch weil gesagt worden sei, sie könnten die alte Trasse von der Bahn kaufen: "Wir hätten auch gekauft, aber dann hat die Stadt von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch gemacht." Ihr eigentliches Grundstück liege nur 3,5 Meter von der Trasse entfernt, sagt Klump. Wenn sie gewusst hätten, dass später ein Radschnellweg kommen soll, "hätten wir dort nicht gebaut".

Pressesprecher Tersteegen hält dagegen: "Ein Anlieger an einer Bahnlinie muss immer damit rechnen, dass andere Verkehrsmittel auf der Trasse zugelassen werden." Natürlich aber nur unter Einhaltung der rechtlichen Bestimmungen und Verfahren.

Die Stadtverwaltung rechnet indes damit, dass im April die ersten Entwürfe zum genauen Verlauf des Radschnellwegs vorliegen und er im nächsten Jahr gebaut werden kann. Die Anlieger wollen sich derweil in der kommenden Woche treffen und sich rechtlich beraten lassen.

Radschnellweg nach Rhede

Als erster Abschnitt des Radschnellwegs Isselburg - Coesfeld soll die 6,6 Kilometer lange Strecke zwischen dem Bocholter Rathaus und dem Rheder Bach in Rhede gebaut werden. Die Trasse führt vorzugsweise über eine alte Bahnstrecke, auf der schon lange kein Zug mehr fährt. Die Schienen wurden demontiert, der Schotter weitgehend abgetragen. Inzwischen sind auf der Trasse Gärten angelegt worden.


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