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Lokaler Sport

Jan Ullrich ist Markenbotschafter für Rose-Bikes

Montag, 13. März 2017 - 18:30 Uhr

von Björn Brinkmann

Bocholt - Seit wenigen Wochen ist der ehemalige Tour-de-France-Sieger Jan Ullrich Markebotschafter von Rose Bikes. Seit Sonntagabend ist er in Bocholt zu Gast, um sich vor Ort ein Bild vom Unternehmen zu machen. Bevor er am Dienstag wieder abreist, nahm sich der 43-Jährige Zeit für ein Interview. BBV-Sportredakteur Björn Brinkmann sprach mit dem ehemaligen Rad-Profi.

Foto: Sven Betz

Jann Ullrich freut sich, dass die Tour de France 2017 in Deutschland startet. Das sei ganz wichtig, "damit die Sponsoren sehen, was da los ist und was das für ein Volksfest wird". Foto:

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Herr Ullrich, wie ist es zur Zusammenarbeit mit Rose Bikes gekommen?

Jan Ullrich Ich bin ja mit dem Rose-Katalog groß geworden. Als Amateur hat man immer nach Material geschaut. Die Marke kenne ich also schon sehr lange. Vor rund zwei Jahren habe ich Thorsten Heckrath-Rose dann zufällig auf einem Event getroffen. Da wurde die erste Idee geschmiedet. Nach dem interessanten Gespräch habe ich mich mit Rose intensiv beschäftigt und gesehen, was da alles dahintersteckt. Aus dem kleinsten Radladen Bocholts hat sich ein Unternehmen mit über 300 Mitarbeiter entwickelt. Ich war dann sehr begeistert. Jetzt bin ich froh, dass es geklappt hat.

Wie sieht Ihre genaue Aufgabe als Markenbotschafter aus?

Ullrich Natürlich wollen wir noch nicht alles verraten, aber die Ideen in der Zusammenarbeit stehen fest. Ich werde auf Rose Produkten meine Events im Inland sowie Ausland bestreiten. Rose unterstützt die Veranstaltungen mit Support und wird mich in Sachen Kommunikation nach außen einsetzen. Es wurde auch ein Imagefilm mit mir auf Mallorca produziert und es gab ein Fotoshooting. Weitere Veranstaltungen sind geplant, auch in Bocholt.

Haben Sie denn schon etwas in der Biketown für sich entdecken können?

Ullrich Ich fahre ja schon seit einigen Wochen ein Rose-Bike auf Mallorca. Und jetzt habe ich mir noch anderes Material aussuchen und konfigurieren können; für ein Mountainbike und ein zweites Rennrad. Als radsportbegeisterter Mensch fühlt man sich hier natürlich unheimlich wohl.

Ihr Tour-de-France-Sieg ist in diesem Jahr 20 Jahre her. Sie sind noch immer populär, obwohl Sie in Deutschland zum Teil wegen Ihres Dopingvergehens kritisch gesehen werden. Unterstreicht eine Verpflichtung wie die von Rose, was Sie damals geleistet haben?

Ullrich Das kann ich nur mit Ja beantworten. Ich habe eine sehr lange Historie mit vielen Siegen. Klar, über das Ende brauchen wir nicht zu reden. Man erinnert sich aber trotzdem noch an Jan Ullrich und den ersten und bislang einzigen Tour-de-France-Sieg eines Deutschen. Das bleibt in den Köpfen hängen. Die Nachfrage ist bei den Leuten da. Ich habe mich danach auch nie bewusst in die Szene hineingedrängt. Die Leute sind auf mich zugekommen. Meine Camps laufen auch sehr gut.

Video

Jan Ullrich im Interview

In den vergangenen Jahren sind viele kleine Radrennen wie die Rheder City-Nacht ausgestorben, weil die Auflagen nach der Love-Parade-Tragödie gestiegen sind.Wie wichtig ist es in diesem Zusammenhang für den deutschen Radsport, dass die Deutschland-Tour 2018 zurückkehrt und der Auftakt der Tour de France in diesem Jahr in Düsseldorf stattfindet?

Ullrich Das ist total wichtig. Die Leute sind nach wie vor begeistert. Ich glaube aber nicht, dass die kleinen Rennen wegen der Sicherheitsvorschriften aussterben, sondern weil das ein Sponsoren-Problem ist. Die Gelder fehlen. Da ist es ganz wichtig, dass die Tour de France mal nach Deutschland geholt wird, damit die Sponsoren sehen, was da los ist und was das für ein Volksfest wird. Und die Deutschland-Tour kommt ja auch aufgrund der Leistung von Marcel Kittel, André Greipel und John Degenkolb zurück. Und jedes Land muss auch eine Rundfahrt haben. Das gehört sich einfach so. Die Sponsoren müssen wieder mehr Vertrauen in die Szene haben und die Medien berichten.

Sind die Deutschen da nachtragender als andere Länder?

Ullrich Mein Gefühl ist das auch, dass die Deutschen nicht so schnell und nicht so leicht vergessen. Sie vergessen dabei, nach vorne zu schauen. Das ist zumindest im Radsport in anderen Ländern anders. Da wird das Thema eher abgehakt und in die Zukunft geschaut. Aber mit dem Tour-Start in Düsseldorf und der Deutschland-Tour machen wir jetzt kleine Schritte. Auch Weltmeister Peter Sagan fährt in einem deutschen Team und der Nachwuchs wird wieder mehr gefördert.

Wie oft sitzen Sie heutzutage noch auf dem Rad?

Ullrich Ich fahre im Jahr zwischen 10.000 und 12.000 Kilometer. 80 Tage sind es allein wegen meiner Radcamps. Seit einem halben Jahr wohnen wir jetzt auf Mallorca. Da bietet es sich natürlich an. Ich versuche vier- bis fünfmal die Woche aufs Rad zu gehen.

Warum ist Mallorca für das Radfahren eigentlich so schön?

Ullrich Es ist natürlich das Wetter, aber auch die kurze Entfernung. In eineinhalb Stunden ist man mit dem Flieger in Palma. Die Insel ist seit vielen Jahrzehnten auf Radsport gemünzt, mit vielen Strecken. Auf der einen Seite ist die Insel flach, auf der anderen Seite kann man bis zu zehn Kilometer in die Berge fahren. Und die Hotels sind auch alle auf den Radsport ausgerichtet.

Sie sprachen vorhin die vielen guten deutschen Fahrer an. Wie unterscheidet sich die heutige Generation von Ihrer?

Ullrich Wie ich von aktuellen Profis höre, geht es mehr in die taktische und technische Abteilung. Angefangen von den ganzen Leistungstests. Die Radmessgeräte setzt man täglich ein und bekommt die Trainingspläne per App. Man muss dann am Abend auch wieder zurückschicken, was man wirklich trainiert hat. Heute wird man vom Team mehr gesteuert als früher.

Gibt es weitere Punkte?

Ullrich Heute wird viel mehr weltweit gefahren. Zu meiner Zeit waren 90 Prozent der Rennen in Europa in den typischen Radsportländern. Heute fängt man in Sydney an und es geht über Dubai nach Kalifornien und wieder nach Europa. Heute ist mehr Logistik gefragt. Die Teams sind größer, um gleichzeitig bei mehreren Rennen vertreten sein zu können.

Deutschland hat sehr viele gute Sprinter. Wann bekommen wir wieder einen Fahrer, der um den Tour-Sieg mitfährt?

Ullrich Ich weiß es nicht. Wir haben super Nachwuchstalente, aber ich sehe da noch keinen, der auf den ersten drei Plätzen bei einem großen Rennen fahren kann. Wir brauchen vielleicht noch einmal ein, zwei große deutsche Teams, in denen die jungen Talente gefördert werden. In ausländischen Teams müssen sie natürlich immer zunächst für die Locals fahren. Da ist wieder die Wirtschaft gefragt, mal ein gutes Team aufzubauen.

Wir haben in Bocholt drei Rad-Profis. Der bekannteste ist Marcel Sieberg. Was zeichnet ihn aus?

Ullrich Das ist ein unheimlich mannschaftsdienlicher Fahrer mit einer unglaublichen Übersicht. Er hat das Auge, um immer im rechten Moment zur Stelle zu sein. Er und André Greipel sind ein unheimlich eingespieltes Team. Ich glaube, dass er sein Talent absolut in den Dienst der Mannschaft stellt und er zu jeder Jahreszeit seine Form abrufen kann. Das macht einen guten Fahrer aus. Und er ist ein unheimlich sympathischer Kerl.

In Phil Bauhaus und Jonas Tenbrock haben wir auch zwei junge Talente. Kennen Sie sie?

Ullrich Ich muss gestehen, dass ich sie noch nicht kenne, da ich nur die großen Rennen schaue. Aber ich hoffe, dass ich noch etwas von den Jungs hören werde. Dass drei Profis aus Bocholt kommen, unterstreicht ja, wir radsportbegeistert es hier ist. Wir haben in Deutschland Talente. Und ich hoffe, dass mit dem richtigen Aufbau vielleicht mal wieder einer durchstartet. Aber das braucht auch Zeit.


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