
„Tod lässt sich nicht fälschen“
-Julia Gottschick- Richter Thomas Mattonet hakte gezielt nach. „In dem Schreiben stand: Sie würden Todesfälle vertuschen“, konfrontierte er gestern den Ärztlichen Direktor des Uniklinikums Münster (UKM) mit Vorwürfen, die 2008 in anonymen Schreiben gegen das UKM erhoben worden waren. Wegen dieser Rufmord-Kampagne stehen derzeit die Herzchirurgin Prof. Sabine Däbritz und ihr Lebensgefährte vor dem Landgericht Münster. Wie viele Leute denn mitmachen müssten, um einen Todesfall zu vertuschen? Das wollte der Richter von Prof. Norbert Roeder wissen. Doch der antwortete anders: Der Tod lasse sich nicht fälschen. „Der ist ein Entlassungsgrund, den die Krankenkasse gegenprüft“. Statistische Ausreißer habe es keine gegeben: „Die Todesfälle lagen im grünen Bereich“, resümierte er.
Roeder schilderte laute Streits zwischen Däbritz und Kollegen, in denen sie hochrangige Direktoren diskreditiert und Kollegen als „Stümper“ und „Bypass-Abreißer“ bezeichnet habe.
Auch mit dem früheren Chef der Herz-Thorax-Chirurgie am UKM, Prof. Hans Scheld, ging Mattonet Fall für Fall der in den anonymen Schreiben erwähnten Patienten durch. „Die waren schon schwieriger, waren keine Routine“, räumte Scheld ein. Däbritz´Online-Tagebuch, in dem sie angebliche Annäherungsversuche seinerseits schilderte – Essenseinladungen, Spaziergänge, Blumen und Komplimente –, bezeichnete er als „Unterstellungen“.
Julia Gottschick
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