Bocholter Neujahrskonzert mit weltbekannten Melodien

Die Bergischen Symphoniker spielten beim Neujahrskonzert im ausverkauften Stadttheater.
Die Bergischen Symphoniker spielten beim Neujahrskonzert im ausverkauften Stadttheater.
(Foto: Michael Stukowski)


Von Michael Stukowski

Bocholt. Selbst das Tief „Daisy“ konnte sie mit seinem kalten Winterwetter nicht aufhalten: Zu einer beschwingten Musikreise um die Welt luden die Bergischen Symphoniker und ihr Dirigent Peter Kuhn ins ausverkaufte Städtische Bühnenhaus ein. Mit von der Partie war der Violinist Alexander Gilman. Er bestach beim 16. Bocholter Neujahrskonzert durch seine seelenvollen Soli.


Ganz im Stile der Programmmusik begann die Stippvisite in Dänemark. Schön wandelte das Orchester die Tempi des heiteren „Kopenhagener Eisenbahngalopps“ (Hans Christian Lymbye ) ab und sprühte bei dem bilderreichen Vortrag nur so vor Spielfreude. Vom hohen Norden aus ging es nach Spanien.

Dorfschwalben fliegen

Mit seiner „Carmen-Fantasie“ stellt Franz Waxman besonders die Solo-Geige auf eine harte Probe. Ob es vertrackte Doppelgriffe, Oktavwechsel oder fiebrige Obertonreihen waren - Gilman löste die technischen Herausforderungen bravourös. Indes hätte seine Melodieführung ruhig etwas feuriger und temperamentvoller ausfallen können, um den leidenschaftlichen Charakter der Opernmusik besser zu treffen.

Köstlich temperierten die Musiker die „Dorfschwalben aus Österreich, op. 164“ von Johann Strauß Vater und ließen sie anschließend nach China fliegen: Franz Lehárs Suite aus der Operette „Land des Lächelns“ gefiel vor allem wegen der klanglichen Balance, die zwischen schmelzender Anmut und Grandiosität pendelte.Ausgesprochen flott führte die Reise über die „Furiosa Polka, op. 260“ von Johann Strauß schließlich nach Russland. Dort spielt der Film „Dr. Schiwago“, zu dem Maurice Jarre die romantischen Melodien geschrieben hat. Die innigen Wendungen dürften manchen Besucher zum Träumen gebracht haben.

Gelungene Meditation

Die „Meditation“ aus Jules Massenets Oper „Thais“ wiederum schien Gilman wie auf den Leib geschnitten zu sein, denn die zarten Phrasen kamen seiner nach innen gewendeten Spielweise sehr entgegen. Für die gefühlvolle Darbietung erhielt der Solist einen herzlichen Applaus.

John Barrys Filmmusik zu „Jenseits von Afrika“ spielten die Symphoniker schön gleichmäßig und dicht, wenngleich die Musik mit zunehmender Dauer spannungsloser wirkte.

Zu den Höhepunkten des Abends zählte der abwechslungsreiche Trip in die USA. Denn der Querschnitt aus der Suite „Porgy and Bess“ von George Gershwin ging mit seinen fein gesetzten Stimmungsbildern zu Herzen.

Zum Schluss leuchtete das beliebte „Summertime“ in malerischen Farben auf. Auch wenn ihm stärkere Akzente gut getan hätten: Mit Strauß´ prunkvollem „Kaiserwalzer“ krönten die Musiker ein Neujahrsprogramm, das diesmal für (fast) jeden Musikgeschmack etwas parat hielt.


12 · 01 · 10



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