Der Tauschring Niederrhein besteht seit zehn Jahren

Manuel Kodrun (v. li.), Tauschring-Mitbegründer Heinz Baumeister und Alice Fleu-Ovens handeln mit Äppeln. Angefangen hat es mit Äppeln und Eiern. Zum Jubiläum gibt es aber auch den Äppeltaler.
Manuel Kodrun (v. li.), Tauschring-Mitbegründer Heinz Baumeister und Alice Fleu-Ovens handeln mit Äppeln. Angefangen hat es mit Äppeln und Eiern. Zum Jubiläum gibt es aber auch den Äppeltaler.
(Foto: Stefan Pingel)


Hamminkeln. Während der Euro sich dank griechischer Staatsverschuldung im Sturzflug befindet, ist der Appel in Hamminkeln krisensicher. Eine Stunde Arbeit, das sind 20 Äppel. Das war vor zehn Jahren nicht anders. Damals gründete sich der Tauschring „Für´n Appel und´n Ei“ in Hamminkeln. Als Kinder der Lokalen Agenda, wie Mitbegründer Heinz Baumeister noch heute stolz sagt. Denn erst diese städtische Schützenhilfe war mitentscheidend dafür, dass der Tauschring wachsen konnte. „Geld ist Vertrauenssache“, weiß Baumeister.

Dank dieses Vertrauens durfte der Tauschring schnell wachsen. Inzwischen zählt er 160 Teilnehmer, die jährlich an die 40000 Äppel umsetzen, in Spitzenjahren sogar 50000 Äppel. Denn das ist das Prinzip des Tauschens: Dienstleistungen und Waren werden in Äppel verrechnet, der Euro spielt keine Rolle. Die Arbeitszeit ist der maßgebende Faktor. Ganz am Euro kommt man aber nicht vorbei. Wer zum Beispiel etwas verkaufen möchte, braucht einen Umrechnungsfaktor. Da sind dann 20 Äppel 10 Euro. Und auch das Finanzamt kann mit der vereinseigenen Währung nichts anfangen. Die jährliche Steuererklärung wird in Euro umgerechnet.


Schon nach fünf Jahren ist der Tauschring über die Grenzen der Stadt hinausgewachsen, hat sich damit auch den griffigeren Namen Tauschring Niederrhein gegeben. Noch überregionaler wird die Vernetzung mit anderen Tauschringen. Baumeister hat dabei schon so ziemlich alles getauscht. Er hat ein gebrauchtes Auto gekauft und ein Motorrad verkauft, er hat Geschäftsreisen mit Äppeln bezahlt und bezieht so auch Lebensmittel. Seine Tochter hat auf Tauschbasis Urlaub in Schweden gemacht. Und auch rund ums Haus ist vieles möglich.

Eine gewerbliche Grauzone gibt es. Gewerbetreibende müssen auf jeden Fall ihre Tätigkeiten versteuern. Ansonsten verbucht Baumeister die Arbeiten als Nachbarschaftshilfe, so wie sie auch der Verband Wohneigentum (früher: Deutscher Siedlerbund) beim Hausbau in einem noch viel größeren Umfang praktiziert.

Das System hat viele Vorteile, lobt Baumeister. Es gibt keine Inflation und keine Spekulation. Es gibt keine Zinsen und damit keine exponentielle Steigerung der Verschuldung. Und es stärkt den regionalen Aspekt. Denn trotz des bundesweiten Netzwerks bleibt der Tauschring doch dem Niederrhein verbunden.


01 · 05 · 10



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