Im Gespräch (v.li.): CDU-Landtagsabgeordneter Hendrik Wüst, Minister Laumann und Pastor Arndt Thielen. (HECKER)
Der Platz im Pfarrheim reicht nicht mehr. Deshalb lud die Gemeinde St. Gudula gestern zum Neujahrsempfang in den alten Saal Rössing.
Als Gastredner sprach Karl-Josef Laumann, NRW-Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales.
Interesse gestiegen
Das Interesse am Neujahrsempfang der Gemeinde St. Gudula war stetig gestiegen. Deshalb luden Pfarrer Arndt Thielen, Pfarrgemeinderat und Verwaltungsausschuss diesmal in den Saal der Gaststätte Zum Griechen. Eine gute Entscheidung, wie Pfarrgemeinderatsvorsitzender Michael Rössing gestern feststellte. Denn die Gäste strömten nach dem Festhochamt zahlreich zum Empfang, so dass es auch diesmal eng wurde.
RHEDE Das Jahr hat gerade erst begonnen und gilt schon als Jahr der Krise. „Keiner von uns im Kabinett weiß, was da auf uns zukommt”, sagte Karl-Josef Laumann, Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales, gestern beim Neujahrsempfang der Pfarrgemeinde St. Gudula. Gleichwohl müsse man in die aktuelle Krise mit „einigen Grundsätzen reingehen” und dafür sorgen, „dass der Einzelne nicht unter die Räder kommt”. Vor zahlreichen Gästen im vollbesetzten Saal „Zum Griechen” spracht der Minister über „Soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Vernunft”. Ein „Steckenpferd Laumanns”, wie Pfarrgemeinderatsvorsitzender Michael Rössing zur Begrüßung bemerkte.
Soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Vernunft müssten zusammengehen, befand Laumann. Es gebe keine Freiheit ohne Verantwortung, das zeige sich auch in der aktuellen Krise. Die würde es nicht geben, wenn nicht einige an den Finanzmärkten „herumgepokert hätten”, sagte der Minister und erntete kräftigen Applaus. Der Markt brauche einen Ordnungsrahmen und Wertegebundenheit.
Laumann vertrat die Ansicht, dass der Staat in der aktuellen Krise mit Bürgschaften dafür sorgen müsse, dass nicht „Firmen, obwohl sie gute Produkte haben”, vom Markt verschwinden. Nach Möglichkeit müsse auch verhindert werden, dass Menschen ihre Jobs verlieren und dann von Arbeitslosengeld oder Hartz IV leben. Laumann: „Ich rede nicht so gerne über Hartz IV, ich finde es nicht gut, dass ein Sozialgesetz den Namen eines Vorbestraften trägt.” Laumann will Kurzarbeit für die Unternehmen billiger machen, denn es sei besser, dass Arbeitnehmer nur zwei oder drei Tage die Woche arbeiten, als dass sie die Arbeit verlieren.
Wenn Deutschland seine Wirtschaftskraft auch in Zukunft halten wolle, brauche es „gut ausgebildete Leute”, also auch ein Schulsystem, das allen Kindern gleiche Möglichkeiten biete. Hier sorgte Laumann für Belustigung: „Es ist so, dass unsere Kinder, obwohl sie immer die gleichen Eltern haben (Gelächter) - oder zumindest wir Männer denken, dass sie die gleichen Väter haben - unterschiedlich sind.” Laumann verwies darauf, dass die Eltern von 38 Prozent der in diesem Schuljahr in Nordrhein-Westfalen eingeschulten Kinder nicht in Deutschland die Schule besucht hätten. Bislang habe es die Politik „nicht hingekriegt”, ein Schulsystem -entwickeln, in dem auch diese Kinder ihre Talente entwickeln könnten. Grundlage für eine gute Ausbildung seien gute Deutschkenntnisse. Wer mit sechs Jahren in die Schule komme, müsse Deutsch sprechen, sagte Minister Laumann. Er wisse selbst, wie das sei, wenn man seine Lehrerin nicht verstehe. Als er 1964 in die Schule kam „konnte ich nur Platt”. Er habe Glück gehabt, dass seine Lehrerin auch Platt konnte.
Laumann forderte „ein klares Menschenbild” und „starke Wertegebundenheit”. Das gelte für den Arbeitsmarkt, wo ehrliche Arbeit auch einen ehrlichen Preis wert sein müsse. „Einseitig festgelegte Löhne sind keine gerechten Löhne”. Das gelte auch für das Gesundheitswesen, wo eine Witwe, die im Monat 600 Euro hat, im Krankenhaus die gleiche Behandlung erfahren müsse, wie ein Minister. Das christliche Menschenbild, befand Laumann, sei eine „gute Grundlage, wie man auf dieser Erde miteinander umgehen kann”.