„Das Geld ist immer knapp”

Ehrenamtliche Helferinnen des Caritas-Kreises St. Gudula betreiben die Kleiderkammer: Fünf von insgesamt 18 sind (v.l.) Anna Rewers, Caritas-Vorsitzende Hanna Schulze-Mengering, Maria Enck, Hedwig Hülzevoort und Maria Böing-Messing.
Ehrenamtliche Helferinnen des Caritas-Kreises St. Gudula betreiben die Kleiderkammer: Fünf von insgesamt 18 sind (v.l.) Anna Rewers, Caritas-Vorsitzende Hanna Schulze-Mengering, Maria Enck, Hedwig Hülzevoort und Maria Böing-Messing.
(DAHLMANN)


In der Kleiderkammer der Caritas können Menschen, die sich neue Kleidung nicht leisten können, gespendete Sachen bekommen.
Rund 40 Menschen nutzen jede Woche das Angebot. Bald zieht die Einrichtung ins ehemalige Pfarrhaus Zur Heiligen Familie.


Öffnungszeiten Die Kleiderkammer des Caritas-Kreises St. Gudula hat immer mittwochs von 15 bis 17 Uhr sowie am ersten Mittwoch im Monat von 9 bis 11 Uhr geöffnet. In dieser Zeit können auch Kleiderspenden abgegeben werden. Das Angebot darf jeder nutzen. Es gibt auch keine Beschränkung wie oft oder wie viel gekauft werden darf. 18 Ehrenamtliche sind für die Kleiderkammer im Einsatz. Die Einnahmen aus dem Verkauf der Kleidung zu symbolischen Preisen wird für die Arbeit Rheder Missionare in der ganzen Welt gespendet.

RHEDE Es nieselt, die Kälte kriecht von unten die Beine hoch, es dauert noch bis um 15 Uhr die Türen der Kleiderkammer öffnen und doch stehen schon drei Frauen wartend vor der Tür. Bis es los geht, wird die Schlange auf rund 20 Menschen angewachsen sein.


Drinnen in den zwei Containern, die früher einmal die Gudula-Bücherei beherbergt haben, machen sich die ehrenamtlichen Helferinnen der Caritas bereit für den Ansturm. „Im Schnitt kommen 40 Personen pro Nachmittag”, sagt Hanna Schulze-Mengering, Vorsitzende des Caritas-Kreises St. Gudula. „Vor allem Migranten, aber auch sozial Schwache.”

In den zwei Räumen der Kleiderkammer liegen sorgfältig gefaltet oder auf Bügeln an Kleiderstangen sortiert Kinderkleidung, Hemden und Blusen, Hosen und Röcke, Pullover, Westen, Anzüge, Winterjacken und Mäntel, aber auch Unterwäsche, Bettwäsche, Schuhe, Hüte und Handtaschen. Fast wie in einem richtigen Geschäft.

Eine Frau gibt noch schnell ein paar Sachen ab, die sie nicht mehr braucht. „Wir freuen uns, wenn wir neue Sachen bekommen”, sagt Hanna Schulze-Mengering. „Nur sauber und heile müssen sie sein.” Und dann geht es los. Die Tür wird aufgeschlossen und die Schlange huscht in die Kleiderkammer. Die meisten Besucher wissen genau, wo sie schauen müssen. Kaum einer, der nicht jede Woche das Angebot prüft. Eine junge Mutter, die ihre zwei Kinder dabei hat, sucht nach Kinderpullovern. „Dann nehmen wir mal den ganzen Stapel raus und schauen”, sagt Helferin Anna Rewers.

Bei den Anzügen sucht ein älterer Mann mit gemütlichem Bauch nach etwas in gedeckten Farben, er entscheidet sich für einen Anzug, zwei weitere Hosen und ein Paar schwarze Slipper. Mit seiner Ausbeute geht er zur Kasse. „Haben Sie ausprobiert, ob alles passt?”, fragt Hanna Schulze-Mengering. Der Mann wiegt lächelnd den Kopf. Wird schon.

Für Februar plant die Kleiderkammer ihren Umzug aus den Containern in der Gudula-Straße ins ehemalige Pfarrhaus Zur Heiligen Familie. „Wir sind froh, dass wir etwas Besseres bekommen, auch wenn wir uns verkleinern”, sagt die Vorsitzende des Caritas-Kreises. „Das Platzangebot hier ist zwar ideal, aber die Fenster sind schlecht und es riecht immer ein bisschen moderig.”

Kostenlos gibt es in der Kleiderkammer nichts. Aber auch wenn die Preise symbolisch sind, viele Kunden müssen trotzdem rechnen und feilschen deshalb auch mal. Eine ältere Frau hat sich einen warmen Wintermantel ausgesucht. „Mach billiger”, sagt sie zu Maria Böing-Messing, die den Mantel für sie einpackt. „Einen Euro, das ist billig genug”, sagt die Helferin und die Frau akzeptiert das. Leise sagt Hanna Schulze-Mengering: „Das Geld ist immer knapp.”


15 · 01 · 09




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