Rheder beim Friedensdienst in Mexiko

Seit knapp einem Monat gibt Sebastian Grunden in der Gemeinde Nicolas Flores Englischunterricht, weil ein Lehrer fehlt.
Seit knapp einem Monat gibt Sebastian Grunden in der Gemeinde Nicolas Flores Englischunterricht, weil ein Lehrer fehlt.


RHEDE In der kleinen Pfarrkirche im mexikanischen Bergdorf Nicolas Flores steht ein Adventskranz mit „vier wackeligen Kerzen“. Im Land der Kakteen und Agaven musste Sebastian Grunden lange suchen, bis er ein paar „tannenartige Bäume“ fand, von denen er einige Zweige abschnitt. Daraus bastelte der junge Rheder einen Adventskranz, um zumindest „ein wenig heimischen Adventsbrauch“ ins ferne Mexiko zu holen, wie er in einer E-Mail schreibt. Per Internet hält der Abiturient, der für 14 Monate freiwilligen Friedensdienst leistet, Kontakt in die Heimat.

Inzwischen habe er sich dort gut eingelebt, schreibt Sebastian Grunden. Die Leute seien freundlich zu ihm, einige nennen ihn bereits den neuen „Cuidadano“, den neun Bürger. Aber gerade in der Weihnachtszeit sei es nicht leicht, so weit weg zu sein von der Familie, Freunden und Bekannten.


Adventsbräuche, so wie Sebastian Grunden sie von zu Hause kennt, gibt es in Mexiko nicht. Statt Spekulatius und Lebkuchen backen die Leute Plätzchen aus Maismehl. Weihnachten sei für die Mexikaner dennoch wichtig. Der junge Rheder berichtet von einem Brauch namens „posadas“, den die Menschen in Nicolas Flores pflegen. An den neun Tagen vor dem Fest werde jeden Abend in einem anderen Haus die Herbergssuche von Maria und Josef nachgestellt.

Bevor Sebastian Grunden ins Pfarrhaus nach Nicolas Flores in den Bundesstaat Hidalgo zog, verbrachte er sieben Wochen in Guatemala, wo er einen Sprachkurs machte. Inzwischen ist sein Spanisch so gut, „dass ich mich ohne Probleme mit den Leuten auf der Straße unterhalten kann“.

Schwerpunkt seiner Arbeit in der Gemeinde ist die Jugendarbeit. Sebastian Grunden hat eine Messdienergruppe ins Leben gerufen, die sich einmal die Woche trifft. In der Kirche spielt er mit einer Gitarrengruppe, außerdem kümmert er sich um das „Kino der Werte“, bei dem jede Woche nach der Messe Filme gezeigt werden, „die Werte und Moral vermitteln“, wie Sebastian schreibt. Mitte November hat er angefangen, für die ersten bis sechsten Schulklassen Englischunterricht zu geben, weil ein Lehrer fehlt. Englisch sei für die Menschen wichtig. Denn wegen der hohen Arbeitslosigkeit in der Region wandern viele illegal in die USA ein, um dort als Tellerwäscher, Bauarbeiter oder Haushaltshilfe Geld für die Daheimgebliebenen zu verdienen. Durch illegale Arbeit habe sich auch Pater Alberto Gress das Auto zusammengespart, mit dem die beiden in der weitläufigen Gemeinde unterwegs sind. Da dieses Auto inzwischen alt und klapprig ist, wollen Pater Alberto und sein deutscher Helfer ein neues Auto für die Gemeinde kaufen (siehe Text unten). Geld ist immer knapp. „Wir leben von dem, was in den Klingelbeutel kommt“, schreibt Sebastian Grunden. Und von seinem Taschengeld. Um so mehr freut er sich über Spenden aus Rhede. Davon kaufte er bereits zwei Gitarren und Bastelmaterial für die Kinder.


18 · 12 · 09



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