Nach 50 Jahren als Priester: „Ich würde es wieder wollen“

Feierten gemeinsam den Gottesdienst am Sonntag (v. li.): Bischof Heinrich Johannpötter, Pater Bernhard Wolf sowie die Pfarrer Arndt Thielen und Hans Belting.
Feierten gemeinsam den Gottesdienst am Sonntag (v. li.): Bischof Heinrich Johannpötter, Pater Bernhard Wolf sowie die Pfarrer Arndt Thielen und Hans Belting.


Rhede - In einem Alter, in dem andere längst im Ruhestand sind, wagte Pater Bernhard Wolf noch einmal etwas Neues. Vor acht Jahren - er hatte gerade seinen 70. Geburtstag gefeiert - ging er nach Lissabon und arbeitet dort seitdem in der deutschen Gemeinde. Dort feierte er auch im April sein goldenes Priesterjubiläum. Jetzt feierte er zum zweiten Mal, diesmal in seiner Heimatgemeinde in Rhede.

Auch wenn er die meiste Zeit seines Lebens in der Mission verbrachte, ist Rhede doch stets Anlaufstelle für Pater Wolf geblieben. Hierher kam er im Sommer 1945 als 13-Jähriger mit seiner Familie - vertrieben aus seiner schlesischen Heimat. In Vardingholt fand die Familie mit den acht Kindern ein neues Zuhause. Bald ging Bernhard nach Burlo aufs Gymnasium. „So bin ich zu den Oblaten gekommen und dort geblieben“, erinnert sich Wolf.


Damals sei es selbstverständlich gewesen in einer Großfamilie, dass einer der Söhne Priester wird. „Man wird auf den Weg geschickt - und dann wächst man rein oder raus“, sagte Wolf vor Jahren im BBV-Gespräch. Er wurde auf den Weg geschickt und hat es nicht bereut. „Ich würde es wieder wollen“, sagt Wolf nach 50 Jahren als Priester. Damit meint er das Leben für den Glauben, aber vor allem die Arbeit als Missionar.

Wolf hat ein bewegtes Leben hinter sich. Als junger Priester verbrachte er zwei Jahre in Kanada, als Schiffskaplan und als Kaplan in der deutschsprachigen Gemeinde von Ottawa. Als er aus der Weite Kanadas zurück nach Deutschland kam (als Schülerpräfekt nach Krefeld“) sei das für ihn „wie ein Leben im Gefängnis“ gewesen. Lange blieb er nicht. Pater Wolf ging nach Südafrika, blieb 16 Jahre in Johannesburg. Es folgten fünf Jahre als Afrika-Referent für die englischsprachigen Länder bei Missio in Aachen. Nach der Arbeit bei Missio folgten 16 Jahre in Namibia, wo der Pater der Hünfelder Oblaten lange Zeit als einziger Weißer unter Schwarzen in der Gemeinde Katatura lebte, bevor er für sechs Jahre als Provinzial die Leitung der Oblatenmissionare in Namibia übernahm. Diese Zeit habe ihn geprägt, sagt Wolf, dessen Herz für Afrika schlägt. „Meine Zeit in Afrika war das Mittelstück meines Lebens.“ Als seine zweite Amtszeit als Provinzial endete und die Gesundheit nicht mehr so recht mitmachte, stand Wolf vor der Entscheidung: Rückkehr in die Heimat oder eine neue Aufgabe irgendwo anders in Europa. Die fand er in Lissabon.

Wo Pater Wolf auch arbeitet, seinen Urlaub verbringt er nach Möglichkeit in Rhede. Hier, wo er vor 50 Jahren seine Primiz feierte, feierte er auch sein silbernes und jetzt sein goldenes Priesterjubiläum - und wurde gleich mehrfach überrascht. Für die musikalische Begleitung sorgten Sängerin Elfriede Nienhaus und Organist Klaus Bruns. Mit dabei waren zudem neben Pfarrer Arndt Thielen Heinrich Johannpötter, der als Bischof in Brasilien lebt, und Pastor Hans Belting.

Am 1. September fliegt Wolf zurück nach Lissabon. Bis dahin macht er Urlaub bei seiner Schwester Anna in Rhede, besucht die Geschwister in Rhede und Bocholt, die Schwester in Berlin, will mit einem der Brüder durch Deutschland reisen und das Provinzialhaus in Mainz besuchen. Sein Vertrag in Lissabon läuft erst einmal bis 2012. Bleiben möchte er, „solange ich die Stufen rauf- und runterkomme“.

VON SABINE HECKER

28 · 07 · 10



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