ABZOCKE_
Ibbenbürener soll 90 Euro für angeblichen Anruf bezahlen

Dieses Schreiben fand Peter Baumung in seiner Post.
Dieses Schreiben fand Peter Baumung in seiner Post.
(Foto: Beate Vieler)


Ibbenbüren. Als Peter Baumung seine Post öffnet, traut er seinen Augen nicht. In einem Schreiben fordert ihn die Firma „Pepper United S.R.O.“ auf, einen Anruf bei der kostenpflichtigen Serviceleistung „Roxborough Management Inc.“ in Höhe von 90 Euro zu begleichen. Am 27. November 2009 um 13:45:27 Uhr soll er eine der sieben aufgeführten Rufnummern im Schreiben gewählt haben.

„Natürlich habe ich nie so eine Nummer angerufen, aber es ist einfach ärgerlich“, sagt der Brandschutzmechaniker. Er habe schon mehrfach Rechnungen dieser Art in seinem Postkasten gefunden. Bezahlt habe er noch nie. „Bislang habe ich die Firmen immer bei der Polizei angezeigt, aber das wird mir mittlerweile zu zeitaufwendig.“


Trotzdem, im Internet hat Peter Baumung sich über das Unternehmen mit Sitz in Tschechien erkundigt. „Sobald man den Namen eingibt, bekommt man zahlreiche Foren, in denen abgezockte Kunden vor der Firma warnen“, sagt der Ibbenbürener. Er kann nicht verstehen, wieso sich einige auf die angebliche Rechnung einlassen. „Es stimmt ja noch nicht einmal die Nummer des Telefonanschlusses auf der Rechnung. Lediglich die ersten paar Ziffern entsprechen meiner Handynummer“, sagt Peter Baumung.

Margret Esters-Gardeweg, Leiterin der Verbraucherzentrale in Rheine, kennt solche Fälle. Sie hat mehrmals die Woche mit „sogenannter Abzocke“ zu tun. „Das gehört seit Jahren zu unserem Alltagsgeschäft“, sagt die Beraterin. Sie warnt vor Schreiben dieser Art und empfiehlt allen Empfängern rechtzeitig zu handeln. „Viele denken, dass sie auf so einen Brief nicht reagieren müssen, aber das kann richtig Ärger geben.“ Denn auch, wenn es die Ausnahme sei, in manchen Fällen gingen die Firmen bis zu einem gerichtlichen Mahnverfahren. „Und das ist dann rechtskräftig“, sagt die Leiterin der Verbraucherzentrale Rheine. Zwar könne auch dagegen noch vorgegangen werden, jedoch müsse der Empfänger immer auf die Fristen achten. „Lässt er diese verstreichen, wird er am Ende zur Kasse gebeten“, erklärt Margret Esters-Gardeweg.

Der Ibbenbürener Peter Baumung möchte zunächst nichts machen. Er hat lediglich die Polizei in Ibbenbüren verständigt. „Dann wissen die schon mal, dass solche Schreiben wieder im Umlauf sind“, sagt der Familienvater.

Ein Schritt den Jochen Laschke, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde, begrüßt. Zwar kann er zu dem vorliegenden Fall keine Einschätzung vornehmen, generell gelte jedoch: „Jeder sollte genau prüfen, ob es einen realen Hintergrund für eine solche Rechnung geben kann“.

Sei dies nicht der Fall, solle der Betroffene zur Polizei gehen und untersuchen lassen, ob der Verdacht eines Betruges oder einer Straftat vorliege. Das kann Guido Wilke, Kriminalhauptkommissar beim Kommissariat für Vorbeugung in Rheine, nur bestätigen. Er weiß, dass falsche Rechnungen nur eine Möglichkeit der Abzocke sind.

„Es gibt genauso Computersprachanrufe oder Fallen im Internet, bei denen größte Vorsicht geboten ist. Die Abzocker werden da immer trickreicher.“ Trotzdem sei die Polizei immer wieder bemüht, die Hintermänner dieser Firmen aufzuspüren. „Da die aber meistens im Ausland sitzen, ist das sehr, sehr schwierig und die Chance gering“, sagt Guido Wilke.

VON BEATE VIELER, IBBENBÜREN

12 · 03 · 10



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