14 000 Kilometer musste Brockschmidts Mannschaft zurücklegen, ehe alle Aufnahmen für den besonderen Kalender im Kasten waren.
Rinkerode - André Brockschmidt und sein Team haben Männerträume auf Papier gebannt - und zwar auf 250 Gramm schweres Hochglanzpapier. Wer jetzt an Bikini-Schönheiten oder sportliche Autos denkt, ist auf dem falschen Dampfer, denn die Männerträume, um die es in dieser Geschichte geht, sind groß, schwer, laut und strotzen nur so vor Kraft. Sie haben schnörkellose Namen wie „CAT 627G“ oder „Liebherr L586“ verbrauchen mehr Treibstoff als so manches Flugzeug und kommen in Mienen, Steinbrüchen oder im Gebirge zum Einsatz. Die Rede ist von Baggern, Radladern und Planierraupen oder kurz - von Baumaschinen.
„Heavy Equipment 2010“ heißt der Fotokalender, der Monat für Monat einen anderen der stählernen Giganten präsentiert - aufgenommen bei der Arbeit und anschließend am Bildschirm aufwändig retuschiert. „Wir haben die größten Maschinen genommen, die wir in Europa kriegen konnten“, sagt Brockschmidt. Fündig wurden er und seine Leute in einer Nickelsulfidmiene im finnischen Talvivaara, einem Steinkohletagebau in der Nähe von Newcastle in England oder in einem Marmorbruch im italienischen Carrara. Insgesamt 14 000 Kilometer musste Brockschmidts Mannschaft zurücklegen, ehe alle Aufnahmen im Kasten waren. „Die Dinger kommen eben nicht zu uns, und in den Kofferraum passen die auch nicht“, schmunzelt der Rinkeroder.
Kaum weniger zeitintensiv war die Nachbearbeitung der Bilder am Computer. Sonnenuntergänge, Bergmassive oder die Skyline einer ganzen Stadt wurden nachträglich in die Fotos montiert. Mindestens 300 Stunden habe das noch einmal gekostet, schätzt Brockschmidt, der überzeugt davon ist, dass sich diese Zeit gelohnt hat. „Die Bilder spiegeln unser ästhetisches Empfinden wieder, wir wollten keine 08/15-Aufnahmen.“
Das zumindest, soviel kann man ohne zu sehr Partei zu ergreifen sagen, ist den Machern gelungen. Jedes einzelne der zwölf Kalenderblätter, die im Format 420 mal 594 Millimeter mit Ringbindung erscheinen, strahlt eine ganz eigene Stimmung und Dramatik aus.
Spätestens an dieser Stelle der Geschichte sollte man dazu sagen, dass André Brockschmidt nicht irgendein hoffnungslos Verrückter ist, der seine Feierabende und Wochenenden mit der Digitalkamera auf Baustellen verbringt, sondern Gründer, Betreiber und Gesellschafter des Internetportals bauforum24.biz. 130 000 „echte“ Besucher allein im vergangenen Monat, rund 1,3 Millionen Seitenabrufe, das ganze offiziell zertifiziert - damit ist Brockschmidt in seiner Branche im deutschsprachigen Bereich ganz weit vorne.2004 hatte er die Idee, auf einer Internetseite Nachrichten, Entwicklungen und ein Forum zu den Themen Bauprojekte und Baumaschinen zu bündeln, „einfach weil es damals nichts vergleichbares gab“. Schon ein Jahr später erforderte das junge Internet-Startup so viel Zeit, dass der damalige Unternehmensberater seinen regulären Job an den Nagel hängte. 2006 kam mit bauforum24.tv eine weitere Plattform hinzu, auf der historische und aktuelle Filme und Videos rund um das Thema Bauen präsentiert werden.
Sechs Mitarbeiter hat Brockschmidt inzwischen eingestellt. Um seine Seite aktuell zu halten, ist ihm kaum ein Aufwand zu hoch. Wenn der Rinkeroder erzählt, fallen in einem Satz ganz nebenbei Städtenamen wie Helsinki, New York oder Shanghai, und während der Zuhörer gedanklich noch in China ist, hat Brockschmidt München schon wieder verlassen. Die Baumaschinenbranche ist international, und wenn irgendwo auf der Welt wichtige Events oder Messen sind, berichtet das Team von „Bauforum24“ mit Videos, Texten und Fotos für die ständig wachsende Internetgemeinde.
Wie ein Kontrastprogramm dazu wirkt der Firmensitz, mitten in einem Rinkeroder Wohngebiet, in der Nähe der evangelischen Friedenskirche. Im November 2007 ist Brockschmidt in das Davertdorf gezogen, und die Firma gleich mit ihm. „Die Verkehrslage ist einfach ideal“, sagt der Internetunternehmer. „Meine Leute kommen alle aus Münster.“
Trotz des professionellen Hintergrundes war das Projekt „Baumaschinen-Kalender“ etwas Besonderes und ein Kraftakt für die ganze Mannschaft des Bauforums, zumal das Tagesgeschäft während der dreimonatigen Produktionszeit weiterlaufen musste. „Alle haben mitgezogen und sich reingehängt, auch als wir wegen einer Terminkollision wie die Pfadfinder in einem Flughafen schlafen mussten“, sagt Brockschmidt. „Irgendwie hat das alles ja auch riesigen Spaß gemacht.“
Nicht nur Fotografie, Retusche und Finanzierung hat die Rinkeroder Firma komplett in Eigenleistung gestemmt, auch den Vertrieb des Baumaschinen-Kalenders organisiert das Bauforum selbst - natürlich über das Internet, wo man das fertige Werk für 29,80 Euro ordern kann.
Die ersten Bestellungen sind vielversprechend angelaufen, und zu Brockschmidts Überraschung zählen auch Frauen zu den Abnehmern. „Die finden den Kalender gut und wollen damit ihren Freunden oder Männern eine Freude machen.“ Und in punkto „Haussegen“ hat der Bagger-Kalender der Bikini-Variante vermutlich einiges voraus.