Jugendliche und Alkohol: Expertengespräch im Rathaus

Über kommunale Alkoholverbote wird immer wieder diskutiert: Die Stadt Meppen scheiterte vor Kurzem mit dem Versuch, in ihrer Fußgängerzone den Alkohol zu verbieten, kläglich vor dem Verwaltungsgericht.Foto:
Über kommunale Alkoholverbote wird immer wieder diskutiert: Die Stadt Meppen scheiterte vor Kurzem mit dem Versuch, in ihrer Fußgängerzone den Alkohol zu verbieten, kläglich vor dem Verwaltungsgericht.Foto:
(Röser/Slotwinski)


Münster - Die unglaubliche Nachricht zuerst: Der Alkoholkonsum unter Jugendlichen ist zurückgegangen. Das sagt Prof. Dr. Klaus Boers - und der Satz löst zunächst einmal sprachloses Staunen aus. Wie bitte? Jawohl, seit 1973 werde der Alkoholkonsum junger Leute untersucht, und seit dieser Zeit sei der Trend rückläufig, sagt der Kriminologe an der Uni Münster.

Die schlechte Nachricht gleich hinterher: Was deutlich zugenommen habe, sei der maßlose Konsum. 20 Prozent aller Jugendlichen, so das Ergebnis der Studie, pflege sich einmal im Monat in den Vollrausch zu saufen, und das habe es früher eben nicht gegeben. Das große Problem sei dann - neben dem rein gesundheitlichen Aspekt - die Gewaltbereitschaft. Unter alkoholisierten Jugendlichen gebe es einen Trend zur Gewalttätigkeit, je jünger, desto mehr. Und damit werde der Alkohol auch zum Sicherheitsrisiko.


Das sechste münsterische Sicherheitsgespräch widmet sich also dem Thema: „Ist voll in? Jugendliche und Alkohol.“ Es findet am Donnerstag kommender Woche (18. März) um 19.30 Uhr im Rathaus statt, jedermann darf teilnehmen, es kostet nichts. Die Veranstalter - unter anderem die Stadt, die Uni, die Polizei und die Polizeihochschule - wünschen sich eine rege Beteiligung.

Wobei der soziale und der gesundheitliche Aspekt im Vordergrund stehen. An der Podiumsdiskussion, die von Klaus Boers moderiert wird, nimmt die Ärztin Dr. Claudia Schüngel teil, Expertin für Suchtkrankheiten beim Landschaftsverband. Prof. Dr. Rainer Thomasius ist der ärztliche Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragen in Hamburg, er kennt sich aus mit Jugendkultur und jugendlichem Konsumverhalten. Und schließlich beleuchtet Lothar Dunkel von der schulpsychologischen Beratungsstelle die Situation vor Ort.

Münster ist jedenfalls keine Insel der Seligen. Die Alkoholmissbrauchszahlen seien hier größer als etwa in Duisburg, sagt Boers. Erneut erstaunte Rückfrage: In Duisburg gebe es viele moslemische Jugendliche, und unter Moslems werde Alkoholkonsum nicht so sehr toleriert. Die Frage nach der Akzeptanz in der Gesellschaft kommt demnach auch auf den Tisch. Schließlich wird auch diskutiert, ob kommunale Ordnungsverfügungen oder Landesgesetze probate Mittel gegen den Missbrauch sind.

VON LUKAS SPECKMANN, MÜNSTER

14 · 03 · 10



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