Rhede
Die Johannes-Glocke von St. Gudula wurde 1492 gegossen / Alle anderen Glocken entstanden nach 1945
03.01.2011

Die Johannes-Glocke von St. Gudula wurde 1492 gegossen

Von Patrick Moebs

rhede. Aus dem Jahr, in dem Christoph Columbus Amerika entdeckte, stammt die älteste Glocke von St. Gudula: 1492. Die Johannes-Glocke – ihr Name kommt von der Inschrift am oberen Rand – wurde von Gerardus de Wou aus Kampen gefertigt, einem der berühmtesten Glockengießer seiner Zeit, wie Josef H. Schröer in seinem Buch „Glocken, Turmuhren, Turmbekrönungen in und um Bocholt“ berichtet.

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Viele Jahrzehnte diente dieses Schmuckstück als Schlagglocke für die Uhr. Dann stand die Johannes-Glocke lange zur Besichtigung unten im Turm. Später wurde sie wieder im Turm aufgehängt und sollte zu bestimmten Anlässen geläutet werden. Es ist die einzige Glocke von St. Gudula, die nicht nach dem Zweiten Weltkrieg gegossen wurde.

Schon im 12. Jahrhundert stand an der Stelle, an der sich heute die neugotische St.-Gudula-Kirche befindet, ein erste steinerne Kirche. 1435 wurde sie erweitert, 1784 kam ein weiterer Anbau hinzu. 1840 begannen die Planungen, eine neue Kirche zu bauen. 1893 wurde zum letzten Mal von der alten Kirche mit der kleinen Glocke geläutet. Sie wurde als letzte in den Glockenturm der hölzernen Notkirche gebracht. Am Ostermorgen 1897 erklang zum ersten Mal das Glockengeläut von der Notkirche.

Im Ersten Weltkrieg wurden zwei Glocken von St. Gudula beschlagnahmt: die Marien-Glocke von 1828 und die Josef-Glocke. 1920 kaufte die Gemeinde wieder zwei Glocken: eine neue Marien-Glocke und eine neue Josef-Glocke.

Wie fast überall musste St. Gudula im März 1942 drei Glocken abliefern. Es waren die Marien-Glocke, die Gudula-Glocke und die Fis-Glocke von 1811. Die Josef-Glocke überstand den Krieg, wurde aber 1951 eingeschmolzen. In dem Jahr kaufte die Gemeinde neue Glocken, die aus Bronze gegossen und aus Spenden finanziert waren. Gefertigt wurden die Marien-Glocke, die (neue) Josef-Glocke, die Gudula-Glocke und die Schutzengel-Glocke von der Glockengießerei Petit und Edelbrock aus Gescher.

Anfang 2006 erwachte der Gedanke, Pfarrer Schüttert nach 40 Jahren Amtszeit und zum 75. Geburtstag den Wunsch zu erfüllen, zwei neue Glocken zu erwerben. Die Glockengießerei Petit und Edelbrock wurde beauftragt, zwei neue Glocken zu gießen. Außerdem sollte die Johannes-Glocke von 1492 in das Geläut einbezogen werden.

Im Dezember 2006 wurden die neuen Glocken – die große Christus-Glocke und die kleinere Ludger-Glocke – geweiht. Heiligabend erklang das zum ersten Mal des gesamte Geläut vom Kirchturm. Da sich aber zeigte, dass die historische Glocke von 1492 nur bedingt zum neuen Geläut passt, wird sie weitestgehend als Einzelglocke verwendet, wie Josef H. Schröer schreibt.

Quelle: Josef H. Schröer: „Glocken, Turmuhren, Turmbekrönungen in und um Bocholt.“

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