Rhede
Am 8. Januar vor 1300 Jahren starb die Heilige Gudula
02.01.2012

Leben, um Heilige zu werden: Vor 1300 Jahren starb die Heilige Gudula

Rhede. Sie war eine gebildete Frau des Frühmittelalters, die ein selbstbestimmtes Leben führte: Am 8. Januar, vermutlich um 712, starb die Heilige Gudula, Pfarrpatronin der Rheder Gudulagemeinde. Ihr 1300 Todestag wird am kommenden Sonntag mit einem Patronatsfest begangen.

Dass aus Gudula nicht zufällig eine Heilige wurde, dass lässt sich aus den Forschungen der Historikerin Dr. Edeltraut Balzer aus Münster herauslesen. Sie hat die Gründungsgeschichte der Gudulakirche erforscht.

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Dazu warf Balzer auch einen genaueren Blick auf Gudulas Familie: Diese hat viele Heilige hervorgebracht. So ist Gudulas Mutter die Heilige Amalberga, ihre Cousine und Patentante ist die Heilige Gertrud von Nivelles.

Gudula habe zu einer „aufstrebenden Königssippe“ gehört, die „bemüht war, Heilige wie Gertrud und Gudula hervorzubringen und nach Wundertaten zu verehren, um die Auserwähltheit ihres Geschlechts zu bekräftigen“, schreibt Balzer in einer ihrer Ausarbeitungen. Es ging also um Macht und Herrschaft.

Im BBV-Gespräch erläutert Balzer aber, dass diese Menschen auch „aus tiefer religiöser Motivation“ einem „asketischen Ideal“ folgten: „Heilig zu sein, heiligmäßig zu leben, war ein Lebensideal.“

Frauen wie Gudula oder ihrer Patentante und Erzieherin Gertrud sei in dieser frühen Phase der Christianisierung eine wichtige Rolle zugekommen: Die „Memoria“ (Erinnerung) an verstorbene Familienmitglieder. Junge, noch unverheiratete Frauen und Witwen lebten in Stiften und beteten für die Verstorbenen. Die übrige Familie finanzierte dies mit Spenden.

Ausdrücklich waren diese Stiftsfrauen keinen Nonnen. „Die Mädchen wurden in den Stiften erzogen, damit sie heiraten konnten“, erläutert Balzer. So konnten diese höherstehenden Frauen lesen und schreiben, sie lernten Malen und Handarbeiten.

Auch Gudula hätte heiraten können. „Sie entschied sich aber für ein Einsiedlleben“, sagt Elisabeth Balzer, konkretisiert aber gleich: „Sie hatte natürlich ihre Bediensteten, lebte aber für sich und sehr streng.“ Dies sei für diese Zeit eine „unglaubliche Selbstständigkeit“ gewesen.

Anerkennung als Heilige erlangte man durch Wundergeschichten. Da habe es sicher auch „nachträgliche Fixierungen“ geben, vermutet Balzer. „Es musste etwas außerordentliches geschehen, damit man durch Gott bestätigt war.“ Bei Gudula war dies die Geschichte, dass der Teufel ihr eines Nachts auf dem Weg zur Kirche die Laterne ausblies und ein Engel, ein Bote Gottes, das Licht wieder entzündete.

Wieso diese Geschichte erst ab zirka 1100 erzählt wurde, das sei noch mal ein ganz eigenes Forschungsfeld, sagt Balzer. Sie vermutet aber: „Es gab keine konkrete Heilung vorzuweisen, also musste man ein Bild finden, welches zeigt, dass Gudula eine Heilige war. Und es ist doch ein wunderbares Bild, erleuchtet zu sein.“

Gudulas Familie, die wie Balzer nachweisen konnte, an der Eroberung des hiesigen Gebietes beteiligt war, muss jedenfalls daran gelegen gewesen sein, dass eine Kirche nach eine ihrer eigenen Heiligen benannt wird. Auch dass es außer der Brüssel Gudulakirche und der Kapelle in Morsel keine weiten Gudulakirchen gibt, lässt sich mit Gudulas Familie erklären: „Die Zeit ist über sie hinweggegangen. Andere Heilige wurden wichtiger und auch die Familie war nicht mehr so wichtig.“

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