Rhede
26.11.2011

Neue Forschungsergebnisse zeigen: Gemeinde St. Gudula ist viel älter als gedacht

Rhede. Die Frage beschäftigt Arndt Thielen, seitdem er als Pfarrer nach Rhede kam. Wie alt ist die Gemeinde? Und vor allem: Wieso existiert in Rhede die einzige St.-Gudula-Gemeinde Deutschlands? Jetzt bekommt er Antworten: St. Gudula ist viel älter als gedacht. Die Geschichte der Gemeinde muss umgeschrieben werden.

Nach neuesten Forschungsergebnissen entstand St. Gudula bereits etwa 780 – mehr als 300 Jahre früher als in den Geschichtsbüchern steht. Dass St. Gudula den Namen einer Heiligen aus Brabant (heute Belgien) trägt, führt die münstersche Historikerin Dr. Edeltraud Balzer darauf zurück, dass Verwandte Gudulas an Eroberung und Missionierung beteiligt waren.

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„Da muss viel Geschichte umgeschrieben werden“, sagt Josef Dalhaus, der sich in den vergangenen Jahren intensiv mit dem Thema St. Gudula beschäftigte und auch den Kontakt zu Historikerin Balzer knüpfte. Auf Bitte von Pfarrer Arndt Thielen ging die Historikerin der Gudula-Frage nach. Dabei, so erläutert Dalhaus, verknüpfte sie Lebensdaten der Heiligen mit dem Umfeld der fränkischen Königssippe aus dem 7. und 8. Jahrhundert und sammelte so „eindeutige Indizien“. Balzer komme zu dem Ergebnis, dass unmittelbar nach der „Schlacht bei Bocholt“ (779) die erste „Eigenkirche“ auf dem Areal „rethi“, gegründet wurde – mit dem Namen St. Gudula.

Rhede und Bocholt lagen damals im Grenzraum zwischen Franken und Sachsen. Die heidnischen Sachsen (zu denen auch der Stamm der Westfalen-Germanen zählte), wehrten sich lange, unterlagen dann aber 779 den Franken unter Führung des späteren Kaisers Karls des Großen. Die Christianisierung, fand Balzer heraus, übernahm Bischof Beonrad aus dem Kloster Echternach (heute Luxemburg), der enge Kontakte zur Sippe des fränkischen Hochadels und zum Gebiet Brabant hatte.

Auf diesem Weg gelangten offenbar die Reliquien der Heiligen Gudula nach Rhede. Damals, so Dalhaus, hing die Wahl eines Kirchenpatronats auch davon ab, welche Reliquien gerade verfügbar waren. In ihrer Untersuchung, die demnächst veröffentlich werden soll, schreibt Historikerin Balzer, es „deute nun vieles darauf hin, dass auch die Kirchenpatronin von Rhede, die heilige Gudula, als Beleg für eine weitere frühe Kirchengründung aus dem Umfeld Beonrads angesehen werden könnte“ – und das unmittelbar nach der Schlacht bei Bocholt. Die adeligen Eigenkirchen seien im Übrigen schon vor den Missionskirchen gegründet worden.

Damit steht für Dalhaus und Thielen fest, dass St. Gudula nicht aus der „Urpfarre Bocholt“ hervorgegangen ist, wie bislang stets vermutet, aber nie belegt wurde. Vielmehr sei die Gemeinde offenbar älter. Thielen jedenfalls ist „glücklich“, dass seine Fragen nun beantwortet sind und „dass Rhede durchaus schon eine Bedeutung hatte“.

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