Bocholt

Baumängel: Anbau der Gesamtschule kann nicht eröffnet werden

Im Anbau wurden Brandschutzmängel festgestellt

Dienstag, 11. August 2020 - 16:57 Uhr

von Stefan Prinz

Bocholt - Schlechte Nachrichten für Schüler und Lehrer der Bocholter Gesamtschule. Der neu errichtete Anbau der Schule kann zum Schuljahresstart nicht eröffnet werden. Das bestätigte Stadtbaurat Daniel Zöhler am Dienstagnachmittag auf Nachfrage unserer Zeitung.

© Sven Betz

Baumängel drohen den Zeitplan der Gesamtschule auf den Kopf zu stellen.

Der Grund: Nach BBV-Informationen sind die 70 Türblätter des Anbaus bisher nicht geliefert worden. Einige von diesen Türen sind als Brandschutztüren eingeplant, sodass ohne diese Türen kein ausreichender Brandschutz sichergestellt werden kann. Außerdem konnten die Fliesenarbeiten nicht fristgerecht fertigstellt werden. Der Bocholter Architekt Kai Roebrock erklärte im Gespräch mit dem BBV, dass sein Büro in den vergangenen Wochen gemeinsam mit der Stadt „Druck“ gegenüber dem Lieferanten der Türen gemacht habe. Zuletzt habe sich diese Firma aber überhaupt nicht mehr gemeldet. Deshalb könne er derzeit nicht sagen, wann mit der Lieferung der Türen zu rechnen sei, sagte Roebrock verärgert.

Aber auch die Fliesenarbeiten im neuen Anbau sind noch nicht fertig. „Es waren nur zwei russische Mitarbeiter vor Ort, die kein Deutsch konnten“, erläutert der Architekt. Man habe die Firma wiederholt darauf hingewiesen, dass mindestens noch ein dritter Arbeiter erforderlich sei, der der deutschen Sprache mächtig sein müsse, um die Kommunikation vor Ort zu ermöglichen und den Zeitplan einzuhalten. Aber darauf habe auch die Fliesenleger-Firma nicht reagiert.

„Die Schüler müssen nicht zurück in die Container“, versicherte Schulleiter Heinemann. Die Schulleitung habe „nach einem kurzen Schock“ innerhalb kürzester Zeit ein Konzept erarbeitet, wie die Jugendlichen vorübergehend in freien Räumen des Altbaus untergebracht werden können. In den nächsten Tagen würden dann provisorische Brandschutztüren installiert, sodass der Neubau am 24. August von den Schülern bezogen werden könne.

Stadtbaurat Zöhler erklärte Dienstagabend, dass die fehlenden Türen nach Aussage des Lieferanten Ende September geliefert werden sollen. „Das ist ein unhaltbarer Zustand“, sagt Zöhler verärgert. Die Schulleitung habe die Situation aber sehr gut gemeistert.

Probleme mit dem Neubau gab es gleich zu Beginn: Bereits im Juni 2018 wurde zunächst von einem „schwierigen Baugrund“ gesprochen. Grundwasser musste abgesenkt werden, um den Boden zu verdichten. Im Juni 2018 wurden dann Schadstoffe im Boden gefunden, der daraufhin ausgetauscht werden musste. Damals war die Stadt aber noch zuversichtlich, dass zum Schuljahr 2019/20 unterrichtet werden könne.

Ab September 2018 wurde der Plan verfolgt, dass zunächst die Oberstufe in den ersten Teil des Neubaus ziehen soll. Im April 2019 war dann aber absehbar, dass auch dieser Plan nicht aufgehen wird und die Oberstufe in Container ziehen muss.

Im Neubau sollen die Oberstufe und die Neunt- und Zehntklässler unterrichtet werden. Die veranschlagten Kosten lagen zuletzt bei 9,6 Millionen Euro.

Das Problem der billigen Angebote

Ein Kommentar von Stefan Prinz

Eine Firma ist nur mit zwei russisch sprechenden Arbeitern vor Ort, eine andere liefert nach zwei Jahren Bauzeit die Türen nicht rechtzeitig. Der Schul-Anbau war von Anfang an von Problemen begleitet: zu hoher Grundwasserpegel, Schadstoffe im Boden und Ärger mit ausführenden Firmen. Die Geschichte dieses Anbaus liest sich wie eine Aneinanderreihung von Pech und Pannen. Einiges davon mag höhere Gewalt gewesen sein, anderes ziemlich sicher verschuldet. Ist es wirklich sinnvoll, Aufträge immer an den billigsten Bieter zu vergeben? Dann muss man eben damit rechnen, dass man zum Einzugstermin ohne Türen und ohne Fliesen dasteht.

Andreas Wienholt 12.08.202020:20 Uhr

Natürlich gibt es auch im öffentlichen vergaberecht die Möglichkeit, Konventionalstrafen zu vereinbaren. Also liegt die Verantwortung bei der Stadt Bocholt

Dennis Giesen antwortete am 12.08.202021:05 Uhr

Die Firmen die diese Aufträge mit ihrer Preispolitik erhalten, sind meist nicht im Stande eine Konventionalstrafe zu bezahlen! Insolvenz und der nächste macht weiter! Leider ist das so...

Andre Rehmann 12.08.202017:15 Uhr

Alles soweit richtig erkannt,Herr Giesen.Da hat der Herr Prinz aber noch nicht von gehört? Zumindest entnehme ich seinem Kommentar keine Information zu dieser Problematik.

Dennis Giesen 11.08.202022:23 Uhr

Probleme über Probleme, aber hier kann die Stadt Bocholt! Es ist öffentlich vorgeschrieben das solche Aufträge europaweit ausgeschrieben werden und der mit billigsten Angebot genommen werden muss! Das ist System Problem nicht nur das Problem der Stadt Bocholt! Wie sagt man so schön: der billigste ist nicht immer der günstigste! Trotzdem muss er per Gesetz beauftragt werden!! Das Problem kennt die gesamte Bauwirtschaft aber es ist nicht zu ändern!!

Dennis Giesen antwortete am 11.08.202022:32 Uhr

Das System ist das Problem!
Mein Gott erst Korrektur lesen dann abschicken! Sorry

Dennis Giesen antwortete am 11.08.202022:24 Uhr

Hier kann die Stadt Bocholt nix dafür!!

Susanne Telaar 11.08.202020:18 Uhr

Verantwortlich ist wie immer niemand, kostet ja nur Steuergeld, also was solls immer weiter so Bocholt. Was ist eigentlich mit unserem Bauamt? arbeiten da eigentlich auch noch Fachleute? Wo bleibt eigentlich das ganze Geld für die Arbeiten ?

tobias leiting 11.08.202019:23 Uhr

Das ist Konsequenz, wenn man europaweit den billigsten nimmt, bzw. nehmen muss. Das Prozedere von der Ausschreibungen, der Auswertung, der intensiveren Betreuung, Nachträgen und fehlender Fertigstellung kostet auch im Rathaus fehlende Arbeitskraft.
Der örtliche Handwerker wäre in Summe deutlich billiger, darf aber wegen der Ausschreibung nicht genommen werden.

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