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Bocholt

Ein kleiner Wald verschwindet

Infoabend des Nabu zur Erweiterung des Industrieparks

Dienstag, 6. November 2018 - 15:43 Uhr

von Carola Korff

Bocholt - Drei Bauernhöfe und ein 3200 Quadratmeter großer Mischwald werden wegen der geplanten Erweiterung des Industrieparks verschwinden. Der Naturschutzbund Nabu berichtete davon am Montagabend auf einem Infoabend in der Mussumer Mühle. Eigentlich wäre das die Aufgabe der Stadt gewesen, fand Michael Kempkes vom Nabu-Kreisverband. „Es ist eines der größten Bauprojekte der nächsten Jahrzehnte.“

Foto: Sven Betz

Rund 40 Bürger waren gekommen, um die Erläuterungen von Hans-Josef van Hüth zur I-Park-Erweiterung zu hören.

43 Hektar umfasst die erste Ausbaustufe, 25 Hektar davon würden durch Gebäude und Straßen versiegelt, sagte Hans-Josef van Hüth. Er hatte sich die 18 Gutachten, Pläne und Stellungnahmen durchgelesen, die zurzeit öffentlich ausliegen. Die drei Höfe, die am Enkhook abgerissen werden sollen, seien „Biotope“. Einer habe eine große Galerie aus Pappeln – eine Baumart, deren Rinde Raupen von über 100 Schmetterlingsarten als Lebensraum diene. In einer zerfallenen Scheune hätten sich zudem Fledermäuse und Schleiereulen angesiedelt. Auf einem der Höfe habe er sogar Sanddornsträucher entdeckt – „das sieht man in Bocholt sonst nicht“. Auch der Eichen-Mischwald sei biologisch sehr wertvoll. Die Bäume seien teilweise weit über 100 Jahre alt.

Zwar gebe es Ausgleichsflächen für den Verlust an Natur, aber die seien in Barlo und Hemden. „Wissen das die Tiere, die jetzt in Mussum leben?“, fragte Kempkes rhetorisch. Van Hüth machte außerdem darauf aufmerksam, dass die Stadt sich Ausgleichsmaßnahmen anrechnen lasse, die längst abgeschlossen sind. Beispielsweise den Laaker Bach. Der fließt am Rand des Plangebiets vorbei und sei bereits 2013 renaturiert worden. Dafür habe sich die Stadt Ökopunkte gutschreiben lassen und „verwurste“ sie jetzt als Ausgleichsmaßnahme.

Ist das überhaupt zulässig?, fragte jemand aus dem Publikum. Wahrscheinlich habe die Stadt einen Ökoflächenpool, sagte Josef Tumbrinck, der als Landesvorsitzender des Nabu ebenfalls zu dem Infoabend nach Bocholt gekommen war. Wenn sie sich die Maßnahme 2013 habe anrechnen lassen, dürfe sie sie jetzt verwenden.

Dennoch erklärte später CDU-Parteichef Lukas Kwiatkowski, der ebenfalls zur Versammlung gekommen war, bei den Ausgleichsflächen müssten „alle zusammen nochmal ernster hingucken.“ Er erzählte aber auch, seine Frau pendele jeden Tag ins Ruhrgebiet, weil sie hier keinen adäquaten Job gefunden habe – „das produziert auch CO2“.

„Wir brauchen die Industriepark-Erweiterung“, erklärte Wirtschaftsförderer Ludger Dieckhues. Es gehe um Erhalt und Ausbau von Arbeitsplätzen. „Wir haben so viele Anfragen, dass wir mit den vorhandenen Flächen höchstens noch eineinhalb Jahre auskommen.“ Firmen würden dann abwandern, denn die Nachbarstädte hätten auch Gewerbeflächen.

Ob es nicht eine interkommunale Zusammenarbeit geben könne, damit nicht die Natur die Leidtragende im Wettbewerb der Städte um Industrieansiedlungen sei, fragte Kempkes. „Das ist bisher nicht gelungen“, sagte Dieckhues.

Ziel müsse es sein, gemeinsam nach Lösungen zu suchen, die nicht Arbeitsplätze und Naturschutz gegeneinander ausspielen, sagte Nabu-Vorsitzender Rudolf Souilljee. Dialogwille sei ja auf allen Seiten erkennbar, sagte Kempkes. Er plädierte dafür, eine interfraktionelle Arbeitsgemeinschaft Stadtökologie ins Leben zu rufen.

Das weitere Vorgehen

Wirtschaftsförderer Ludger Dieckhues erklärte am Ende der Veranstaltung, er werde mit dem Verwaltungsvorstand sprechen und mitteilen, dass eine städtische Infoveranstaltung zur I-Park-Erweiterung gewünscht sei. Außerdem werde er die Idee der interkommunalen Zusammenarbeit und der interfraktionellen Arbeitsgruppe Stadtökologie weiter verfolgen. Schließlich werde er im Wirtschaftsförderungsausschuss unter Verschiedenes „objektiv“ von der Nabu-Versammlung berichten.

Ingrid Bergmann 07.11.201811:10 Uhr

Muss das sein??? Wenn schon Gewerbegebiet, dann kann man doch viell. auch um das Wäldchen und die ein oder andere Scheune oder Baum herumm planen - im Einklang mit der Natur. So gehen die Behausungen der Tiere nicht verloren, die Luft wird weiterhin mit Sauerstoff angereichert und ein Blick fürs Auge ist es auch. Wir zerstören schon genug Natur und Fläche. Und ich erinnere mich: vor einiger Zeit rief der Kreis Borken zum behutsamen Umgang mit Fläche in Bezug auf Versiegelung auf. Bitte, liebe Politiker, denken Sie einmal darüber nach. Es gibt nicht nur schwarz oder weiß.

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