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Bocholt

Erster Coronavirus-Fall in Bocholt

Landrat Dr. Kai Zwicker ruft zur Besonnenheit auf

Donnerstag, 5. März 2020 - 20:27 Uhr

von Ludwig van der Linde

Bocholt/Kreis Borken - Seit Donnerstag hat auch der Kreis Borken seinen ersten Coronavirusfall. Eine junge Bocholterin, die mit fünf Freundinnen in Italien Urlaub gemacht hat, hat sich dort mit dem Virus angesteckt. Sie befindet sich zurzeit ebenso in häuslicher Quarantäne wie die anderen Frauen, von denen vier aus Bocholt kommen und eine aus Rhede.

© Marcel Kusch/dpa

Symbolbild

„Von der infizierten Person geht keine Gefahr aus. Sie war ununterbrochen isoliert, sodass wir auch keine großen Umgebungsuntersuchungen machen müssen“, sagte Kreisamtsärztin Annette Scherwinski am Donnerstag während einer Pressekonferenz im Kreishaus in Borken.Dieser Fall komme nicht überraschend, sagte Scherwinski, die auch Leiterin des Kreisgesundheitsamtes Borken ist, „das war zu erwarten“. Der Kreis sei gut vorbereitet gewesen. Allerdings sei dieser Fall auch „ein Glücksfall“, denn die sechs Frauen hätten sich vorbildlich verhalten und sich frühzeitig gemeldet. Dafür sprach Thomas Waschki, Erster Stadtrat der Stadt Bocholt, den Frauen seinen Dank aus. Er betonte: „Der Fall zeigt, wie wichtig ein besonnenes Verhalten der Bevölkerung ist. Das ist das A und O.“ Die infizierte Frau, die nach BBV-Informationem im Jobcenter der Stadt Bocholt arbeitet, habe keinen Kontakt zu anderen Personen gehabt. „Von ihr geht keine Gefahr für die Bevölkerung aus“, betonte Waschki. Es bestehe keine Notwendigkeit, öffentliche Einrichtungen wie Schulen oder Kindergärten zu schließen oder öffentliche Veranstaltungen abzusagen.

© vdl

Bocholts Erster Stadtrat Thomas Waschki (links) und Dr. Klaus Winter, Chefarzt des Bocholter St.-Agnes-Hospitals, gehörten zu den Ansprechpartnern bei der Pressekonferenz im Kreishaus Borken.

Nach Angaben von Scherwinski waren die sechs Frauen gemeinsam mit einem Kleinbus, den sie selbst gefahren haben, für eine Woche nach Italien gefahren. Nach BBV-Informationen machten sie dort Urlaub in Südtirol. Von dort aus hätten sie viele Ausflüge unternommen, unter anderem an den Gardasee und in die Lombardei, berichtete Scherwinski. Auf der Rückreise nach Deutschland hätten sie sich dann einige Stunden vor der Ankunft telefonisch beim St.-Agnes-Hospital in Bocholt gemeldet, weil mehrere Frauen Erkältungssymptome zeigten und sie Angst gehabt hätten, sich infiziert zu haben. Das Krankenhaus habe dann über die Kreisleitstelle das Kreisgesundheitsamt informiert. Das habe den Frauen telefonisch Tipps gegeben, wie sie sich weiter verhalten sollten, zum Beispiel an Raststätten den Kontakt zu anderen Personen zu meiden. Nach der Ankunft seien alle sechs häuslich isoliert worden. „Wir haben sie zu zweit auf drei Wohnungen verteilt, da einige noch bei ihren Eltern wohnten“, sagte Scherwinski.

Am Montag hätten dann die Hausärzte Tests auf das Coronavirus vorgenommen. Die Ergebnisse aus den verschiedenen Laboren seien nach und nach eingegangen. Zwei Frauen, bei denen der Test negativ ausgefallen sei, seien dann am Dienstag wieder arbeiten beziehungsweise zur Uni gegangen, sagte Scherwinski. Doch da es am Mittwoch widersprüchliche Testergebnisse gab, habe der Kreis einen zweiten Test von dem Labor durchführen lassen, mit dem er zusammenarbeitet. Alle Frauen seien zurück in die Quarantäne beordert worden. Das Ergebnis des zweiten Tests fiel bei fünf Frauen negativ aus, bei der Bocholterin positiv. „Sie weist aber lediglich Erkältungssymptome ohne Fieber auf. Es geht ihr gut, wir stehen im ständigen Kontakt“, so die Kreisamtsärztin. Der Fall sei den italienischen Behörden gemeldet worden, um denen bei der Suche nach dem Infektionsherd zu helfen.

Landrat Kai Zwicker hatte nach dem Bekantwerden des Falles den Krisenstab des Kreises einberufen. Er appellierte an die Bürger, besonnen zu bleiben. „Es besteht absolut kein Grund zur Panik und zu Hamsterkäufen.“

Empfehlungen des Krisenstabes

Ausdrücklich bittet der Kreis Borken die Bevölkerung noch einmal, die hygienischen Verhaltensregeln zu beachten:

· niemanden anhusten oder anniesen;

· wenn kein Taschentuch vorhanden, in die Ellenbeuge niesen oder husten (nicht in die Hände!);

· auf das Händeschütteln verzichten;

· Berührung von Augen, Nase oder Mund vermeiden;

· die Nutzung und sichere Entsorgung von Einmal-Taschentüchern;

· intensive Raumlüftung;

· exakte Händehygiene im Alltag, insbesondere gründliches Händewaschen nach Personenkontakten, nach der Benutzung von Sanitäreinrichtungen und vor der Nahrungsaufnahme sowohl nach Kontakt mit Gegenständen oder Materialien in der Öffentlichkeit als auch nach Kontakt mit Erkrankten;

· die Empfehlung für Erkrankte, im eigenen Interesse zu Hause zu bleiben, um weitere Ansteckungen zu verhindern;

· direkten Kontakt zu möglicherweise erkrankten Personen vermeiden;

· gegebenenfalls Großveranstaltungen meiden

Im Verdachtsfall an den Hausarzt wenden

Der Kreis Borken nutzte die Pressekonferenz im Kreishaus Borken auch, um die Bürger darüber zu informieren, wie sie sich bei einem Verdachtsfall richtig verhalten. Die wichtigste Botschaft: Wer glaubt, sich infiziert zu haben, soll auf keinen Fall als Erstes eine medizinische Einrichtung aufsuchen, sondern telefonisch seinen Hausarzt kontaktieren. Am Wochenende soll im Notfall die Telefonnummer 116117 gewählt werden, um Hilfe und Tipps zu erhalten.

Dr. Klaus Winter, Chefarzt des St.-Agnes-Hospitals, betonte, dass das Personal in den Krankenhäusern genauso wenig immun gegen das Virus sei wie alle anderen, „denn einen Impfstoff gibt es noch nicht“. Es wäre aber fatal, wenn das ärztliche Personal infiziert würde und ausfalle, denn dann könnten möglicherweise schwere Fälle gar nicht behandelt werden. „In dieser Hinsicht können wir aus den Fehlern der anderen Länder lernen“, sagte Winter.

Die Telefon-Hotline des Kreisgesundheitsamtes Borken ist montags bis donnerstags von 8 bis 17 Uhr und freitags von 8 bis 14 Uhr freigeschaltet (02861/82-1091). Dort sind Auskünfte zum Thema Coronavirus erhältlich.

Rafael Berger 05.03.202022:24 Uhr

Die Frauen haben sich vorbildlich verhalten, aber die Arbeit der Labore hat mich verunsichert: Je nach Labor gab es unterschiedliche Ergebnisse?

Sonja Koschnick 05.03.202013:49 Uhr

...und natürlich gute Besserung!

Sonja Koschnick 05.03.202013:49 Uhr

Vorbildliches Verhalten der Frauen!

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