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Bocholt

Faktencheck zum Flugblatt gegen den Nordring

Gegner nennen sieben Argumente gegen den Bau – das BBV hat sie überprüft

Dienstag, 2. Juni 2020 - 21:58 Uhr

von Stefan Prinz

Bocholt - Der Nordring ist das wichtigste Straßenbauprojekt zur Entwicklung der Innenstadt, sagen die Befürworter des Nordrings. Als ein teurer und zerstörerischer Eingriff in die Natur bezeichnen dagegen die Kritiker das Projekt. Wer hat denn nun recht? Das BBV hat die sieben Thesen aus dem jüngsten Flugblatt der Bocholter Bürgerinitiative „Fairkehr statt Nordring" auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft.

© Sven Betz

Die Gegner des Nordrings - hier die Bauarbeiten an der Nordspange zwischen Barloer und Burloer Weg - kritisieren die Naturzerstörung.

These 1: Der Nordring generiert Lkw-Verkehr mitten durch zahlreiche Bocholter Wohngebiete.
Stimmt nicht. Der Duden übersetzt das Wort „generieren“ mit „erzeugen“. Erzeugt also der Nordring zusätzlichen Lastwagen-Verkehr? Nein. Vorhandener Verkehr wird vielmehr umgelenkt. Das ist auch beabsichtigt, um die Innenstadt zu entlasten.

These 2: Der Nordring bringt auf Schulwegen deutlich mehr Gefahren als Entlastung.
Stimmt eher nicht. Diese These ist schwer zu überprüfen, da die Schulwege im Flugblatt nicht konkret benannt werden. Zumindest für das innerstädtische St.-Georg-Gymnasium trifft eher das Gegenteil zu, weil bei einer Sperrung gefährlicher Schleichwege ohne den Bau des Nordrings das Verkehrsaufkommen dort zunehmen würde. Zumindest sagt dies das Verkehrsberechnungsmodell der Verwaltung.

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These 3: Der Nordring erzeugt mit circa 16.000 Fahrzeugen am Tag Lärm, Abgase und Feinstaub in den angrenzenden Wohngebieten.
Stimmt nicht. Denn der Zweck des Nordrings ist es ja gerade, den Verkehr aus den Bereichen mit Wohnbebauung umzuleiten. Besonders davon dürften die Anwohner der Dinxperloer Straße profitieren. Dort würde der Nordring die Zahl von Autos und Lkws deutlich reduzieren.

These 4: Der Nordring kostet mindestens 50 Millionen Euro.
Stimmt nicht. Die Kostenschätzung für den der Nordring – also für das Stück Dinxperloer Straße und Adenauerallee – kostet laut Stadtbaurat Daniel Zöhler rund 16 Millionen Euro. Zieht man davon die Zuschüsse des Landes ab, bleibt für die Stadt ein Eigenanteil von 5,7 Millionen Euro. Die Kosten in Höhe von 50 Millionen Euro beziehen sich wohl eher auf den gesamten Stadtring, also inklusive des noch nicht realisierten Ostrings. In ihrem Flugblatt nennt die Bürgerinitiative aber nur den Nordring.

These 5: Der Nordring versiegelt und zerstört circa 10 Hektar (circa 20 Fußballfelder) ökologisch wertvolle Grünfläche mitten in Bocholt unwiederbringlich.
Stimmt teilweise. Ja, der Bau würde insbesondere im Bereich Holtwick ökologische Grünfläche zerstören. Dort kann sich die Natur derzeit teilweise recht ungestört entfalten. Andere Flächen der Trasse werden dagegen aktuell landwirtschaftlich genutzt und sind deshalb ökologisch nicht so wertvoll. Übrigens: Ein Fußballfeld (90 Meter mal 120 Meter) entspricht 1,080 Hektar. 10 Hektar sind also eher 10 Fußballfelder.

These 6: Der Nordring widerspricht dem Bocholter Weg zur „Klimakommune Bocholt“ und der Notwendigkeit zum Umdenken in der Politik.
Das stimmt – wohlwollend betrachtet. Wobei diese These nur schwer zu überprüfen ist. Geht man davon aus, dass die Verkehrsbelastung in den nächsten Jahren deutlich gesenkt und es somit keine Notwendigkeit mehr gibt, die Innenstadt zu entlasten, dann wäre diese These richtig. Laut Stadtbaurat Daniel Zöhler ist es aber gerade wichtig, die Innenstadt vom Autoverkehr zu entlasten, um noch mehr Menschen aufs Rad zu bekommen. Denn Radfahren ist besonders attraktiv, wenn es schnell und sicher ist.

These 7: Der Nordring zerstört Teile des Friedhofs und die Ruhe wird massiv gestört.
Das stimmt – für den Ostring. Dem Bau der Trasse müssten Teile des Friedhofs weichen. Dort würde die Verkehrsbelastung steigen – und damit auch die Lärmbelastung. Das wäre allerdings nur bei der kompletten Ringschließung der Fall, da der Bereich Friedhof im Teilbereich des Ostrings liegt.

Das Ergebnis der Umfrage

Die Umfrage ist nun beendet. Das offizielle Ergebnis (Stand 5. Juni, 12 Uhr) lautet: 65 Prozent der Teilnehmer sagen: „Nein, Bocholt braucht keinen Nordring.“ und 35 Prozent sagen: „Ja, Bocholt braucht den Nordring.“ Es haben 6444 Personen an der Umfrage teilgenommen.

Damit verhärten sich die Fronten

Ein Kommentar von Stefan Prinz

Die Bocholter Bürgerinitiative gegen den Nordring hält eine wichtige Diskussion lebendig: Braucht Bocholt einen Stadtring? Im Kern geht es dabei um die Frage: Wollen wir ein Stück Natur dem Straßenbau opfern, um Autos umzuleiten und damit die Lebensqualität in unserer Kernstadt zu verbessern?

Es gibt ebenso gute Gründe dafür wie dagegen. Wichtig ist, dass diese Diskussion im Dialog, öffentlich und auf der Basis von Fakten geführt wird. Flugblätter mit Halbwahrheiten tragen dagegen dazu bei, dass sich die Fronten zwischen Befürwortern und Gegnern verhärten. Bocholt braucht beim Thema Nordring eine neue Diskussionskultur.

Gregor Bollwerk 04.06.202011:13 Uhr

Ich hoffe, dass das Ergebnis dieser Umfrage keinen Einfluss (sowohl negativ als auch positiv) auf noch zu treffende Entscheidungen dieser Thematik hat. Meiner Ansicht nach geht es bei diesem Thema lediglich noch darum, mit (fast) allen Mitteln Meinung und Stimmungsmache in Richtung Verantwortliche aus der Politik/Verwaltung zu betreiben. Politik sollte fachlich und weitsichtig begründete gute Entscheidungen für die Kommune und damit für den Großteil der Bevölkerung treffen. Von den Zugehörigen sowohl der Gegner als auch Befürworter des Nordringes scheint keiner in der Lage, überhaupt mal Alternative Lösungen oder Kompromisse zusammenzubringen und somit von "seiner Position" auch nur einen Hauch abzurücken. Und wer mal ehrlich zu sich selbst ist, wird zu dem Schluss kommen, das hier am Ende keiner voll umfänglich für sich in Anspruch nehmen kann, DIE eine Lösung zu haben, sondern eine gute Lösung für alle vllt. nur aus der Kombination der primären Argumente beider Seiten besteht...?

Helga Suhrbier antwortete am 04.06.202016:26 Uhr

Sehr geehrter Herr Bollwerk,
die zahlreichen Kommentare zum „Nordring“ zeigen nüchtern, wie sehr das Thema alle Bürger(innen) beschäftigt, da dieses Projekt u.a. die städtische Struktur nachhaltig verändern würde. Es geht wohl kaum darum, gegen Rat u. Verwaltung „Stimmung zu machen“. Ihre Ansicht zur Aufgabe von Politik ist richtig; es muss aber die (kontroverse) Diskussion gestattet sein, ob Planungen aus den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts nicht generell infrage zu stellen sind. Die städtische Entwicklung hat die Planungen in den Jahrzehnten längst überholt. Immer mehr Straßen haben noch nie Verkehrsprobleme gelöst. Keiner hat DIE Lösung, völlig richtig. Aber über eine andere Verkehrswende als der autogerechten Stadt grundsätzlich nachzudenken (besserer ÖPNV, mehr innerstädtische Radwege, Pendelsysteme, autofreie Innenstadt etc.) setzt voraus, dass pol. Verantwortliche grundsätzlich offen sind für neue Verkehrssysteme und nicht an Konzepten aus dem vorigen Jahrhundert festhalten

Hans-Christoph Meier 04.06.202008:28 Uhr

Bocholt kriegt mal wieder nichts hin!

Andreas Wienholt 03.06.202018:00 Uhr

Es sollte generell erst einmal eine Begriffsklärung vorgenommen werden.
1.) Der Westring entlastet die Dinxperloerstrasse, kaum der Nordring.
2.) Die Nordring-Gegner sprechen hauptsächlich von der Trasse Adenaueralle bis zur Münsterstraße.

Andre Rehmann 03.06.202016:14 Uhr

Ein CDU-Parteiorgan mit Informationsanhang.Das war doch schon immer so...

Elisabeth Nienhaus 03.06.202010:15 Uhr

Man google bitte mal unter `Fairkehr´. Ich sehe hier eine Gruppierung, mit deren Hilfe die Bocholter Bürgerinitiative sich beraten läßt, um derartige Flugblätter zu erstellen. Da kann es nach meiner Meinung nur zu einseitigen Behauptungen kommen. Könnte das den Faktenscheck des BBV erweitern ?

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