Namensserie: Eine Hecke löst das Schlebes-Rätsel

Bocholt - Unsere Leserin Irmgard Gramke fragt nach Ursprung und Bedeutung des Familiennamens Schlebes. Der Nachname Schlebes wird von knapp 200 Personen getragen, die weit überwiegend in der Region nördlicher Niederrhein/Westmünsterland ansässig sind.

Namensserie: Eine Hecke löst das Schlebes-Rätsel

Zwei gleichstarke Vorkommen des Namens zeichnen sich in den benachbarten Landkreisen Borken und Wesel ab. Es finden sich keine Schreibvarianten von Schlebes. In den Niederlanden ist der Name nicht nachzuweisen. In einem älteren namenkundlichen Werk zu den Familiennamen von Wesel wird Schlebes als Spott- und Spitzname gedeutet. Zusammen mit dem Namen Schlabes (85 Namensträger, Zentrum Landkreis Wesel) gehe Schlebes auf das Wort slabbas „Schluck“ zurück. Gegen diese Annahme sprechen zwei Gesichtspunkte. Erstens scheint dieses Wort nur ein einziges Mal bezeugt zu sein, wobei auch die Bedeutung nicht sicher bestimmt werden kann. Zum andern bliebe bei einer Entwicklung von Slabbas zu Schlabes zu Schlebes der Vokalwandel von -a- zu -e- in der ersten Silbe unklar. Formal ist eine Rückführung von Schlabes auf Slabbas durchaus möglich, doch für Schlebes kann diese Herleitung nicht zutreffen. Es ist daher nach einer anderen Erklärung zu suchen.

Den Schlüssel zur Enträtselung von Schlebes liefern ähnliche Familiennamen, die in Nordwestdeutschland, vor allem aber in den Niederlanden zu finden sind: Schlebos, Slebos, Sleebos, Slebus und Sleebus sowie Schlebusch, Schlehbusch und Schleebusch. Das Grundwort dieser Namen ist als niederdeutsch/niederländisch Busch, Bosch, älter auch Bus, Bos „Busch, Gebüsch, Gehölz“ zu identifizieren. Das Bestimmungswort ist mittelniederdeutsch slê, slee „Schlehe“.

Bei den angeführten Namen handelt es sich zumeist um Wohnstättennamen. Der jeweils erste Namensträger wurde nach seinem Wohnsitz an einem Schlehengebüsch oder Schlehenwäldchen oder an einer Schlehenhecke benannt. In mindestens zwei Fällen wurde die Bezeichnung „Schlehbusch“ für ein Schlehenwäldchen auch auf eine angrenzende Siedlung übertragen. Dies ist zum einen der Ort Schlebusch am Rhein (heute Ortsteil von Leverkusen), zweitens gab es bei Wetter an der Ruhr (Ennepe-Ruhr-Kreis) eine weitere Siedlung namens Schle(e)busch, die später den Namen für ein Bergbaurevier lieferte. Im Umkreis dieser beiden Orte konnte sich der Familienname Schlebusch auf die Herkunft aus einer der Siedlungen beziehen.

Heute sind die Familiennamen Schlebos, Schlebusch usw. vor allem am nördlichen Niederrhein und in den Niederlanden verbreitet. Aus zahlreichen historischen Belegen geht hervor, dass die Namen früher auch in anderen Regionen vorkamen, dazu einige Beispiele: 1576 „Ahasverus Slebus“ (Antwerpen), 1599 „Anna Schleboss“ (Heinsberg), 1600 „Mathildina Schlebos“ (Heilbronn), 1602 „Wilhelmus Schlebuss“, 1603 „Sybilla Schlebusch“, „Catharina Slebuss“, 1606 „Godefridus Schlebus“ (Köln), 1614 „Thiederich Schlebes“ (Frankfurt am Main), 1622 „Jan Slebes“ (Amsterdam), 1625 „Jacobus Slebus“ (Heinsberg), 1627 „Agnes Schlehbusch“ (Lügde), 1659 „Anna Maria Schlehbusch“ (Metzingen/Württemberg), 1668 „Petrus Schlehbuss“ (Köln), 1672 „Elisabetha Schleebus“ (Heinsberg), 1675 „Cunigundis Schlebes“ (Köln), 1695 „Jan Corssen Sleebes“ (Amsterdam), 1722 „Catharina Schlebos“ (Cuxhaven), 1729 „Anna Gertrueyt Schleeboss“ (Kleve), 1744 „Willemina Sleebos“ (Rotterdam), 1785 „Joanna Slebes“ (Dingden).

Zu erklären ist noch der Vokal -e- der zweiten Silbe von Schlebes. Ein entsprechender Wandel von -us, -os zu -es findet sich bei zahlreichen anderen Namen, so beispielsweise bei Backhus „Backhaus“ zu Backes, Brauhus „Brauhaus“ zu Braues, Debus und Thebus „Matthäus“ zu Debes und Thebes, Mebus „Bartholomäus“ zu Mebes.