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Bocholt

Stimmung bei Hulvershorn „auf dem Tiefpunkt“

170 Mitarbeiter der Bocholter Eisengießerei warten auf Lohn und Urlaubsgeld

Mittwoch, 7. November 2018 - 17:26 Uhr

von Ludwig van der Linde

Bocholt. Es rumort bei der Eisengießerei Hulvershorn – und zwar gewaltig. Die rund 170 Beschäftigen warten auf die Zahlung von zwei Monatsgehältern und außerdem auf das ihnen tariflich zustehende Urlaubsgeld. Das bestätigt der Betriebsratsvorsitzende Wolfgang Baten auf BBV-Anfrage. „Die Stimmung ist auf dem Tiefpunkt“, fügt er hinzu.

Foto: Sven Betz

Wie geht es beim Traditionsunternehmen Hulvershorn, das seinen Firmensitz an der Franzstraße hat, weiter?

Das Ganze gipfelt darin, dass rund 100 Mitarbeiter die Firma verklagt haben. Der Prozess vor dem Arbeitsgericht ist für Donnerstag, 8. November, terminiert.

Die Stimmung sei auch deshalb so schlecht, berichtet Baten weiter, weil die Geschäftsleitung immer wieder Versprechungen mache, was die Zahlung der Löhne anbelange, die aber nicht einhalte. „Die Arbeitnehmer lassen sich nicht länger vertrösten. Sie haben die Nase voll“, sagt Hans-Joachim Hebing, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Bocholt. Sehr viele Hulvershorn-Mitarbeiter sind Mitglied der Gewerkschaft.

Dabei sah die Situation Anfang des Jahres gar nicht so schlecht aus. Da schien es so, als könnten Geschäftsleitung und die IG Metall einen neuen Sanierungstarifvertrag vereinbaren. Dann hätten die Mitarbeiter, wie schon von August 2015 bis Ende Dezember 2017, finanzielle Einbußen in Kauf genommen, um letztendlich in einer kriselnden Branche ihren Arbeitsplatz zu sichern (das BBV berichtete).

Doch schon die Monatsgehälter von Februar bis April wurden nicht pünktlich gezahlt und die Situation wurde in der Folgezeit nicht besser. Eher schlechter, auch was die Arbeitsbedingungen betrifft. Und sie hat mittlerweile fast dramatische Züge angenommen. Denn wie das BBV jetzt erfuhr, wurden die Mitarbeiter am Mittwoch in der vergangenen Woche und vorgestern und gestern nach Hause geschickt, weil kein Material vorhanden war, um Produkte zu fertigen.

Auf BBV-Nachfrage wollte Hulvershorn-Geschäftsführer Christian Gündisch das am Mittwoch so nicht bestätigen, räumte aber ein, dass es in den letzten Tagen zu einer „stoppenden Fertigung“ gekommen sei. Zur finanziellen Situation des Traditionsunternehmens wollte sich Gündisch ebenfalls nicht konkret äußern. Er sagte nur: „Es gab Verzögerungen bei der geplanten Refinanzierung.“ Auch deshalb sei es zu den „verspäteten Lohnzahlungen“ gekommen.

Die treffen viele Mitarbeiter, wie Betriebsratsvorsitzender Wolfgang Baten betont, besonders hart. „Denn sie geraten dadurch unverschuldet selbst in finanzielle Schwierigkeiten. Sie können der Zahlung der Miete und von anderen Verpflichtungen nicht oder nur verspätet nachkommen.“

Baten ist seit 33 Jahren bei Hulvershorn beschäftigt. Der heute 49-Jährige hat dort 1985 seine Ausbildung begonnen. „Ich habe hier schon viel miterlebt. Aber das, was zurzeit geschieht, ist der absolute Tiefpunkt.“

RMB auf Einkaufstour

Seit Juni 2017 hält die Rheinische Mittelstandsbeteiligung (RMB) die Mehrheitsanteile an der Eisengießerei Hulvershorn. Deren Geschäftsführer Rainer Langnickel zeigte sich damals zuversichtlich, innerhalb von drei Jahren das Unternehmen erfolgreich zu restrukturieren.

Zwischenzeitlich ist die RMB weiter auf Einkaufstour gegangen. Im Mai 2018 übernahm sie mit der SHW Casting Technologies aus Königsbronn (Baden-Württemberg) einen der Marktführer für den Guss von großen Papierwalzen.

Am 1. Oktober folgte die Übernahme der Eisengießerei der Kurtz Eisenguss GmbH & Co. KG. in Hasloch (Bayern) und nur wenig später zweier weiterer Unternehmen: der SHW Casting Technologies GmbH & Co. KG Werk in Wasseralfingen (Baden-Württemberg), die unter anderem auf den Guss von Motorengehäusen für Kraftwerke und Kreuzfahrtschiffe spezialisiert ist, und der damit eng verzahnten Machining Technologies GmbH & Co. KG Werk in Königsbronn.

Die beiden letztgenannten Firmen gehörten zur Pluta-Gruppe, von der die RMB auch schon das Schwesterunternehmen SHW Casting Technologie im Mai gekauft hatte. In allen Fällen hieß es in Pressemitteilungen immer nur: Über den Kaufpreis haben die Beteiligten Stillschweigen vereinbart.

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