Bocholt

Vier mutmaßliche Boten der „falschen Polizisten“ verhaftet

Ermittlern gelingt in Bocholt und Monheim Schlag gegen Betrügerring

Freitag, 17. Dezember 2021 - 09:11 Uhr

von Renate Rüger

Bocholt - Der Polizei ist ein Schlag gegen Betrüger gelungen, die sich am Telefon als falsche Polizisten ausgeben.

© Betz

Polizei Bocholt

Die Kreispolizei hat acht Bocholter und zwei Monheimer ausfindig gemacht, die monatelang als Boten der „falsche Polizisten“ im Raum Bocholt etliche alte Menschen betrogen und um ihr Geld gebracht haben sollen. Vier Bocholter – zwei Frauen im Alter von 26 und 27 Jahren sowie zwei Männer im Alter von 25 und 47 Jahren – sitzen inzwischen in Untersuchungshaft. Sie sollen Teil des Betrügerringes gewesen sein. Der Haupttäter und vermutliche Kopf der Bande jedoch sitzt in der Türkei, wie Frank Rentmeister, Pressesprecher der Kreispolizei, erklärte. „Er hat bis vor ein paar Jahren in Bocholt gewohnt und nutzte seine familiären und bekanntschaftlichen Verbindungen hierher.“ Die Staatsanwaltschaft prüfe derzeit, wie in der Türkei weiter gegen diesen Verdächtigen und vielleicht weitere Mittäter ermittelt werden könne.

Ab Ende 2020 seien die Betrügereien der falschen Polizisten „massiv geworden“, berichtet Rentmeister. Es sei kaum eine Woche vergangen, in der nicht von Vorfällen berichtet wurde, bei denen sich Betrüger als Polizisten ausgaben, um an das Geld oder andere Wertsachen ihrer meist älteren Opfer zu kommen. Rund 200 Betroffene hätten Anzeige erstattet. Die Schadenshöhe belaufe sich insgesamt auf 275.000 Euro. Monatelang habe eine eigens eingerichtete sechsköpfige Ermittlungskommission der Kreispolizei intensiv recherchiert.

In den letzten Tagen durchsuchte die Polizei dann acht Wohnungen in Bocholt und eine in Monheim, wobei sie zahlreiche Beweismittel sicherstelle, vor allem Schmuck, Bargeld in vierstelliger Höhe und Handys. Ein 25-Jähriger aus Bocholt habe mit seinem Bruder und seinem Vater versucht, die Durchsuchung Anfang der Woche zu verhindern. Er habe einem Polizisten mit der Faust ins Gesicht geschlagen, weshalb gegen ihn nun ein gesondertes Strafverfahren laufe, berichtet Rentmeister.

Die Tatverdächtigen seien teilweise geständig. Den vier verhafteten Bocholtern werde gewerbs- und bandenmäßiger Betrug vorgeworfen – ein Verbrechen, das mit einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr bis zu zehn Jahren geahndet wird. Konkret gehe es hier um 16 Taten mit einem Gesamtschaden von etwa 96.000 Euro. „Doch das ist nur ein Bruchteil der Taten“, sagt Rentmeister. Die Ermittlungen dauerten an, weil der Verdacht bestehe, dass rund 200 Betrügereien und Betrugsversuche auf das Konto dieser Bande gingen. Und das seien nur die Taten, die angezeigt wurden, erklärte Rentmeister.

Die betrügerischen Anrufe seien nach derzeitigem Ermittlungsstand aus einem Callcenter in der Türkei gekommen. Von dort seien „Abholer“ zu den Opfern geschickt worden, sobald diese davon überzeugt worden seien, dass ihre Wertsachen zu Hause nicht mehr sicher sind und dringend angeblichen Polizisten gegeben werden müssten. Manchmal, in ganz wenigen Fällen, habe es sich bei den Abholern um ahnungslose Leute gehandelt, die sich über Internetportale auf eine Stelle als Kurierfahrer beworben hätten, berichtet Rentmeister. „Aber die meisten waren keine Ahnungslosen.“ Sie hätten unmittelbaren Kontakt zum Haupttäter gehabt und nicht nur Geld bei den Senioren abgeholt, sondern sich auch um den „Einsatz erbeuteter EC-Karten an Geldautomaten“ gekümmert, um den Verkauf von Gold und Schmuck sowie um den Geldtransfer in die Türkei.

Als Boten fungierten laut Polizei sechs Männer (18, 20, 25, 32, 44 und 47 Jahre) und drei Frauen (26, 27 und 37) aus Bocholt sowie eine 29-Jährige und ein 33-Jähriger aus Monheim. Vier davon seien wegen Fluchtgefahr und Wiederholungsgefahr verhaftet worden. Schwerpunkt der Taten war der Großraum Bocholt, aber auch das Ruhrgebiet. Die meisten Senioren sind laut Rentmeister nicht auf die Masche hereingefallen. Dabei seien die Täter teilweise „äußerst perfide“ vorgegangen. So sei beispielsweise eine 95-Jährige tagelang unter dem Vorwand unter Druck gesetzt worden, dass in der Nachbarschaft Straftaten verübt würden. Gezielt hätten die Täter sie angewiesen, sich niemandem anzuvertrauen, um die angeblichen Polizeiermittlungen nicht zu gefährden. Diese Zeit nutzten die Täter dann, um das jeweilige EC-Karten-Tageslimit über längere Zeit auszuschöpfen.

Georg Mikut 18.12.202119:47 Uhr

Richtig: Kompliment und Gratulation für die Ermittler zum Schlag gegen den Betrügerring. Hoffentlich werden zur Abschreckung der weiteren Täter die Justiz schnell im Strafverfahren tätig und - noch wichtiger - harte Urteile gesprochen.

Andreas Pferdekemper 17.12.202114:41 Uhr

Gratulation zum wichtigen Erfolg. Es ist absolut lobenswert - und das überregionale Echo zum Gelingen ist zu Recht gegeben.

Michael Jansen 17.12.202113:41 Uhr

Sehr schön, wenn bei einem „falschen Polizisten“ mal ein echter vor der Tür steht. Kompliment für die erfolgreiche Ermittlungsarbeit!

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