Isselburg

Zeitungspredigt: Zum Erntedankfest dem Bösen das Gute entgegenstellen

Pfarrer Michael Binnenhey

Sonntag, 2. Oktober 2022 - 07:00 Uhr

von BBV Redaktion

Isselburg - Die heutige Zeitungspredigt ist von Michael Binnenhey, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Isselburg.

Pfarrer Michael Binnenhey

„Morgen feiern wir in unseren Gottesdiensten das Erntedankfest. Das wird in diesem Jahr nicht leicht sein. Denn wofür sollen wir danken? Seit Februar herrscht Krieg in der Ukraine. Hitze und Trockenheit haben nicht nur der Landwirtschaft schwer zu schaffen gemacht. Die Preise für Energie steigen und steigen, darum haben viele Menschen Angst vor dem Winter und vor unüberschaubaren Kosten. Ukrainische Flüchtlinge sind alle willkommen, russische Flüchtlinge, die nicht in den Krieg wollen, aber eher suspekt. In Schweden und in Italien haben politisch rechte Lager die Wahlen gewonnen. Und natürlich gibt es noch viele andere, fast vergessene humanitäre Katastrophen auf der Welt, wie etwa den Krieg und den Hunger im Jemen. Wofür sollen wir Gott also danken? Sollten wir nicht vielmehr klagen, ihn sogar anklagen, weil alles so chaotisch und so durcheinander ist?

Der Diabolos ist der Durcheinanderbringer. Das Chaos, das Durcheinander, ist von Anfang an das Böse. Gott aber ist es, der in allen Urmythen der Welt, nicht nur in der christlichen Schöpfungsgeschichte, das Chaos beseitigt, indem er es ordnet. Nein, ich glaube nicht, dass es einen Teufel gibt, der uns gehörnt, uns bocksfüßig bedroht. Aber es gibt das Böse, nicht personifiziert, aber doch tief in uns Menschen angelegt. Und es ist scheinbar stärker als all unser guter Wille. Scheitern wir doch selbst immer wieder an unseren guten Vorsätzen und tun das, was eben nicht gut ist, was vielleicht sogar anderen Menschen oder der Schöpfung schadet.

Gott ist die Urkraft, die das Chaos beseitigt und die aus Bösem Gutes entstehen lassen kann und will. Er ist die Urkraft, die Leben schafft, wo Menschen den Tod fürchten. Darum ist es nicht gut, wenn wir in unserer Gesellschaft und in unserem Leben Gott einfach über Bord werfen. Denn dann sind wir dem Bösen schutzlos ausgeliefert.

Auch wenn es in diesem Jahr schwer ist, Erntedankfest zu feiern: Lasst uns in die Gottesdienste gehen, lasst dem Bösen das Gute entgegenstellen, dem Chaos die Kraft Gottes. Er versorgt uns zwar nicht mit materiellen Dingen, aber er sorgt für uns, indem er uns wissen lässt: Ich bin für euch da. Auch und gerade in der großen Unsicherheit unserer Tage können wir ihm darum am Erntedankfest sagen: Danke, guter Gott, dass du uns zur Seite stehst. Lass’ uns nicht dem Chaos ausgeliefert bleiben, sondern lass’ uns Ruhe finden in deiner Liebe, und in deinem Wort einen guten Weg für die Zukunft dieser Welt, deiner wunderbaren Schöpfung, die du uns anvertraut hast.“

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