Coronavirus: Impfzentrum wird in Velen eingerichtet

Kreis Borken - Viel zentraler geht es kaum: Gut 36 Kilometer sind es von der Bocholter Innenstadt aus, etwas über 40 Kilometer vom Stadtzentrum Gronau bis ins Impfzentrum des Kreises Borken. Das soll im interkommunalen Bauhof des Kreises Borken und der Stadt Gescher in Velen untergebracht werden.

Coronavirus: Impfzentrum wird in Velen eingerichtet

Der Bauhof war bereits beim Neubau 2008/2009 als Krisenzentrum mitgeplant worden – wenn auch für Tierseuchenfälle wie die kurz zuvor grassierende Schweinepest.

Schon Mitte Dezember könnte das Zentrum unweit der Entsorgungsgesellschaft Westmünsterland (EGW) in Gescher-Estern seinen Dienst aufnehmen, um Menschen den langersehnten Impfstoff gegen das Coronavirus verabreichen zu können. Zumindest theoretisch.

„An uns soll‘s nicht scheitern“, sagte Landrat Dr. Kai Zwicker bei der Vorstellung des Standorts und verwies darauf, dass der Kreis schon in wenigen Wochen seine Hausaufgaben zur Vorbereitung des Zentrums erledigen werde. Bei der Pressekonferenz im Kreishaus sagte Zwicker aber auch, dass es noch ein ganze Menge Unwägbarkeiten gebe und derzeit längst nicht alle Fragen zur Arbeit des Impfzentrums von Land und Bund beantwortet werden könnten. So ist – Stand heute – weder klar, wie viel Impfdosen die Bevölkerung im Kreis abbekomme, wann die Impfung gegen Covid-19 starte und wer wann an der Reihe sei.

Nach derzeitigem Stand der Dinge dürften zunächst die Patienten in Krankenhäusern samt Personal an der Reihe sein, dann die Bewohner von Alten- und Pflegeeinrichtungen samt Pflegepersonal. Diese Impfungen würden aber nicht übers Impfzentrum, sondern von Ärzten vor Ort übernommen. Wahrscheinlich über mobile Teams und/oder Hausärzte kämen danach die ambulant betreuten Personen und deren Pfleger an die Reihe, danach die Angehörigen sicherheitsrelevanter Berufe, etwa Polizisten.

Erst die Menschen, die dann an die Reihe kämen, würden im Zentrum am Bauhof geimpft. Dazu erhalte man eine Aufforderung und einen Termin. Rund eine Stunde werde das dauern, hieß es am Donnerstag. Während sich der Kreis um die Sicherheit und das Drumherum kümmert, ist die Kassenärztliche Vereinigung (KVWL) fürs Impfen verantwortlich. Um genügend Personal zu haben, könne man auch auf Ärzte und Fachpersonal im Ruhestand zurückgreifen, sagte dazu Dr. Michael Adam von der KVWL. Rund acht bis zehn Impfstationen soll es im Zentrum geben. Rund 1500 Personen könnten so pro Tag versorgt werden, sagte der Landrat. Hilfe beim Aufbau des Zentrums gebe es von den zahlreichen Hilfsorganisationen.

Zwicker betonte aber, dass derzeit noch unklar sei, wie viele Impfdosen letztlich in den Kreis Borken gelangten. Aktuell sei von rund 1,2 Millionen Dosen für Nordrhein-Westfalen die Rede, wobei jeder Impfwillige zweimal „gepiekst“ werden müsse. Gleichwohl betonte Zwicker, dass die Nachricht, dass Impfstoffe entwickelt würden, den Menschen Hoffnung gebe.

Dass das Impfzentrum auf dem interkommunalen Bauhof seinen Platz finden würde, sei dem Kreis schnell klar gewesen, sagten Zwicker und Ordnungsdezernentin Dr. Elisabeth Schwenzow. Es liege verkehrstechnisch günstig an der B 525. Bis zur A 31 sei es nicht weit. Zudem müsse nicht einmal das Bauhofpersonal das Feld räumen. Und dass es keine Busverbindung dorthin gebe, sei zwar ein Nachteil, aber: „Eine Anbindung per Taxibus sollte relativ einfach möglich sein“, so Schwenzow, die auch fürs Thema Verkehr zuständig ist.