Rhede

Zeitungspredigt: Zusammenhalt ist Frucht gelebter Beziehungen

Stefan Rosenbaum, Kaplan der Pfarrei St. Gudula in Rhede

Sonntag, 29. Mai 2022 - 06:00 Uhr

von Carola Korff

Rhede - Die heutige Zeitungspredigt schreibt Kaplan Stefan Rosenbaum. Er plädiert dafür, der Begeisterung und Freude wieder mehr Raum zu geben.

Stefan Rosenbaum ist Kaplan in der Pfarrei St. Gudula in Rhede.

„Lasst uns so positiv sein wie noch nie! Lasst uns feiern wie noch nie! Lasst uns so laut sein wie noch nie!“ Mit diesem Aufruf an die Fans machte der neue und alte Trainer vom BVB, Edin Terzic, am Dienstag in den sozialen Netzwerken auf sich aufmerksam. Ein kluger Schachzug, denn der Wunsch der Verantwortlichen liegt auf der Hand. Eine Aufbruchstimmung soll in naher Zukunft eine neue Einheit erzeugen und weitere Titelgewinne sichern.

Neben viel wohlwollender Zustimmung für seinen Appell gab es jedoch auch kritische und distanzierte Stimmen: „Das war drüber“. „Too much“. „Zu emotional“. Diese kritischen Stimmen verkennen dabei grundlegend, dass Terzic mit seinem emotionalen Appell nicht unwesentlich dazu beitragen kann, die zuletzt bröckelnde Einheit im Verein zwischen Fans und Mannschaft zu optimieren. Denn er ist selbst seit Jahren großer Fan und weiß um die zeitweise arg gebeutelte Seele eines Fußballfans.

Eintracht Frankfurt und Schalke 04 haben vor Kurzem gezeigt, wie essenziell die Emotionalität und Einheit zwischen Fans und Mannschaft ist. Sowohl der Sieg in der Euro-League der Frankfurter als auch der Aufstieg in die 1. Bundesliga der Schalker sind nicht zuletzt Frucht der Einheit, der Emotionalität und des Zusammenhalts im ganzen Verein.

Sowohl im Sport als auch im alltäglichen Leben braucht es für eine Aufbruchstimmung gesunde Emotionalität gepaart mit einer Prise Risikobereitschaft. Denn einen neuen Zusammenhalt zwischen den Menschen, ob im Stadion oder in der Pfarrei, kann man nicht bürokratisch am Schreibtisch planen, sondern ist die Frucht gelebter Beziehungen im Alltag.

Diese Erkenntnis ist so fundamental wie zukunftsweisend. Denn sie zeigt einen Ausweg aus den oft lähmenden und langweiligen Diskussionen um Themen, die zu Unrecht einen großen Raum bekommen. Orientierung geben können uns die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die vielmals an Strukturdebatten wenig Interesse zeigen, weil sie dem Konglomerat aus gesunder Emotionalität und eigenen Idealen schlicht mehr Raum geben. Sie machen es vor, wie man die eigene Begeisterungsfähigkeit nährt und gleichzeitig Dinge meidet, die sämtliche Emotionen dauerhaft betäuben wollen.

Und das können wir im Zugehen auf Pfingsten auch tun, damit wir mit einem ganz wichtigen Gefühl beschenkt werden: der Freude. „Lasst uns feiern wie noch nie“ – Beim Abiball, beim Schützenfest, im Stadion oder in der Kirche. Und geben wir unserer Begeisterung und Freude wieder mehr Raum. Denn einer hat gewollt, dass wir genauso Mensch sind: Gott.

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