Das Ende des Kükenschredderns

Bocholt - Schätzungsweise 50 Millionen männliche Küken werden jährlich direkt nach dem Schlüpfen lebendig geschreddert. Die Große Koalition will das Kükenschreddern schon Mitte des Jahres abschaffen. Landwirte wie Herbert Jansen wissen gar nicht, wie sie das so schnell umsetzen wollen.

Das Ende des Kükenschredderns

Zukunft für männliche Küken: Aber Massentierhaltung sehen Landwirte als alternativlos an.

Der Gestank sticht einem in der Nase, und das laute Gackern der Hühner ist ohrenbetäubend. Überall tummeln sich die gefiederten Tiere auf einem Haufen, während Landwirt Herbert Jansen mit einem Eimer durch den Stall läuft. Mehr als 20.000 Hühner befinden sich in der Tierhaltung des 46-Jährigen. Auslauf bekommen sie so gut wie gar nicht, während 3 Kilometer weiter Bio-Landwirt Roland Lübbertsmeier gerade sein Gefieder aus der Voliere ins Freie lässt. Nach dem Willen der Großen Koalition sollen Bio-Landwirte wie Lübbertsmeier in Zukunft gestärkt werden. In der Massentierhaltung soll es hingegen Einschränkungen geben, zum Beispiel soll das Kükenschreddern abgeschafft werden.

Gerade dies ist im letzten Jahr sehr in Verruf geraten: Schätzungsweise 50 Millionen männliche Küken werden jährlich direkt nach dem Schlüpfen lebendig geschreddert. Die Große Koalition will das Kükenschreddern schon Mitte des Jahres abschaffen. Landwirte wie Herbert Jansen wissen gar nicht, wie sie das so schnell umsetzen wollen. Der Verband der Geflügelwirtschaft erprobt Alternativen, nach denen das Geschlecht schon im Ei festgestellt werden kann, aber dies befindet sich noch in der Versuchsphase, so Jasmin Koch, die Pressesprecherin des Verbandes. Jansen ist skeptisch: „Ich denke nicht, dass die Alternativen bis Mitte des Jahres so untersucht sind, dass sie einwandfrei ausgeführt werden können, und was soll ich dann mit den überflüssigen Küken machen? Und wenn die Verfahren doch rechtzeitig auf den Markt kommen, stehen für mich extrem teure Investitionen an.“

Elisabeth Tebrake von PETA ist zufrieden mit dem Verhandlungsergebnis, allerdings weist sie auch darauf hin, dass das Kükenschreddern schon 2017 hätte abgeschafft werden sollen, was allerdings nicht geschah. Nach dem Tierschutzgesetz darf einem Tier nur geschadet werden solange es für die Schlachtung oder Experimente vorgesehen ist, oder ein anderer vernünftiger Grund vorliegt, was es laut PETA-Sprecherin Tebrake nicht tut.

Lübbertsmeier sieht noch kein Ende der Massentierhaltung solange die Leute noch billiges Fleisch kaufen wollen, allerdings spürt er auch ein Umdenken bei den Verbrauchern, weil sich mehr Leute inzwischen dazu entscheiden, Bio-Produkte zu kaufen. „Tiere können nur artgerecht gehalten werden, wenn wir unser Fleischkonsum drastisch reduzieren. Damit schonen wir auch die Umwelt und das Klima, da 18 Prozent aller Treibhausmissionen aus der Nutztierhaltung kommen“, erklärt Roland Lübbertsmeier. Herbert Jansen hingegen denkt, dass man nur mit einer intensiven Tierhaltung genügend Fleisch für alle Menschen produzieren kann. Das Wort Massentierhaltung nimmt Jansen nicht in den Mund. Er spricht von der „intensiven Tierhaltung“. Jansen ist sich sicher: „Wenn man in Deutschland über 82 Millionen Menschen ernähren möchte, kommt man an der intensiven Tierhaltung nicht vorbei.“

Weltweit werden 19 Milliarden Hühner, 1,4 Milliarden Rinder und eine Milliarde Schweine gehalten. Gesetzlich festgelegt ist, dass ein Mastschwein je nach Gewicht 0,5 bis 1 Quadratmeter belegt. In der Biolandwirtschaft bekommt es dabei 0,3 Quadratmeter und eine Außenfläche von etwa 1 Quadratmeter mehr. PETA-Tierschützerin Tebrake denkt, dass diese Zahlen grundlegend verändert werden und die Tiere mehr Fläche bekommen sollten.

Pressesprecherin Jasmin Koch vom Verband der Geflügelwirtschaft beäugt die Aussage kritisch. Sie befürchtet, dass durch eine solche Vergrößerung der Bodenfläche viele Betriebe in den Ruin getrieben werden. Sie müssten dann auch ihre Ställe drastisch vergrößern, was mit großen Kosten verbunden wäre. Auch sie ist sich sicher: Eine moderne Tierhaltung kommt ohne große Tierbestände nicht aus.

Anmerkung: Dieser Artikel ist im Rahmen des Projekts „Zeitung in der Schule“ an der Albert-Schweitzer-Rralschule entstanden. Die Artikel wurden von den teilnehmenden Schülern selber recherchiert und geschrieben.