Jährliches Zittern bei Landwirten wegen Rinderseuche

Bocholt - Seit einigen Jahren wird das Bovine Herpesvirus 1 als hochansteckende Rinderseuche in Deutschland negativ gewertet. Somit müssen auf jedem Rindviehbetrieb alle Tiere, die das Alter von zwei Jahren überschritten haben, jährlich auf das Virus getestet werden. Ziel ist es, das durch Tröpfcheninfektion übertragbare Virus bundesweit zu vernichten.

Jährliches Zittern bei Landwirten wegen Rinderseuche

Auf dem Milchviehbetrieb nahe Bocholt ist die Stimmung angespannt. Mit einem mulmigen Gefühl, so der Landwirt, werden die Blutproben vom Hoftierarzt gezogen. Es sei jedes Mal eine ungewisse Situation, da das Ergebnis der Probe für den Betrieb existenziell ist.

In Deutschland wird positiv getesteten Betrieben der Viehhandel untersagt, damit die Seuche nicht an nächste Betriebe weitergegeben wird. Der Virus kann aber auch durch z.B. Rehe übertragen werden. Allerdings nur von Tier zu Tier und nicht von Tier zu Mensch.

Die einzigen Möglichkeiten im Seuchenfall: Schlachtung mit Absprache vom zuständigen Amt (Veterinäramt) oder Export von wertvollen Zuchtherden und Einzelzuchttieren nach England, Irland und in die Niederlande. In diesen Ländern spielt das Virus für die Ver-marktung noch eine untergeordnete Rolle. „Wenn die Ergebnisse positiv sein sollten, kann ich meine Tiere für den normalen Stückpreis ins Ausland verkaufen.“, antwortete der Eigentümer des Betriebes auf die Frage, was seine Vorgehensweise wäre.

Fünf Tage später liegt das negative Ergebnis vor. „Da ist mir ein Stein vom Herzen gefallen, als ich gesehen habe, dass ich erstmal den BHV-1-freien Status für maximal ein Jahr bekommen habe. Allerdings kann sich dieses ändern, da meine Tiere bei jeder Kontrolluntersuchung positiv getestet werden könnten.“

Für den Landwirt entstehen Kosten für jede getestete Blutprobe. Außerdem sind die Tiere aufgrund der ungewohnten Situation extremem Stress ausgesetzt, so der Tierarzt des Hofes.

Rechnet sich all dieser Aufwand?

Der erste Eindruck von einem Familienmitglied, ist kritisch. „Ich finde dieses System vollkommen unsinnig! Das Virus ist für den Menschen gefahrlos. Schlussendlich landet das Fleisch der Tiere, die aufgrund der Seuche geschlachtet wurden, in der Kühltruhe im Supermarkt und wird vom Verbraucher ahnungslos gekauft!“

„Wir haben in den letzten Jahrzehnten deutschlandweit mehrere Hundertmillionen Euro in die BHV1-Sanierung gesteckt. Dieses Geld jetzt wegzuschmeißen, weil man das System unsinnig findet und es abschaffen will, ist Quatsch. Die Landwirte haben schon viel Geld investiert“, sagte der Tierarzt des Milchviehbetriebes. „Es gäbe noch eine andere Möglichkeit, als alle Tiere zu schlachten. Man könne die Tiere in bestimmten Abständen medikamentös behandeln. Nach 6 bis 8 Jahren kann man eine ganze Herde durch Impfen von BHV 1 befreien.“ Doch dafür müsste sich erst die Gesetzeslage ändern. Denn es ist derzeit nicht erlaubt gegen BHV1 zu impfen.

In den Niederlanden ist das Virus ohne Bedeutung. Ein nahe der Grenze wohnender Landwirt berichtet: „Hier in den Niederlanden interessiert das Herpesvirus fast niemanden. Das Veterinäramt hat bei uns noch nicht angeordnet, jährlich auf das Virus zu testen. Dadurch können wir keine Tiere ins Ausland vermarkten.“

„Für mich macht das System Sinn“, sagte ein Berufskollege des Landwirtes. „Ich habe dadurch die Möglichkeit meine Zuchttiere weltweit zu vermarkten. Länder wie z.B. Ägypten oder Marokko setzen die BHV1–Freiheit voraus.“

Anmerkung: Dieser Artikel ist im Rahmen des Projekts „Zeitung in der Schule“ an der Albert-Schweitzer-Rralschule entstanden. Die Artikel wurden von den teilnehmenden Schülern selber recherchiert und geschrieben.