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Fußball

Interview: Maximilian Schröer (25) ist Vorsitzender von Borussia Bocholt

BBV-Interview mit 25-jährigem Vorsitzenden

Mittwoch, 14. März 2018 - 18:01 Uhr

von Björn Brinkmann

Bocholt - Seit rund fünf Monaten führt Maximilian Schröer inzwischen den BV Borussia Bocholt. Dabei ist der Vorsitzende gerade einmal 25 Jahre alt. Björn Brinkmann führte mit Schröer ein Gespräch über die Beweggründe, das Amt zu übernehmen, erste schwierige Entscheidungen und über die künftige Ausrichtung des Vereins.

Foto: Sven Betz

Maximilian Schröer ist seit 1997 Mitglied bei Borussia Bocholt. Der Fachmann für Versicherungen und Finanzen hofft auf einen Kunstrasen und neue Kabinen. Foto: Sven Betz

Herr Schröer, haben Sie sich als Vorsitzender von Borussia Bocholt gut eingearbeitet?

Maximilian Schröer Ja, was aber auch nicht schwer war, weil ich den Verein von der Pike auf kenne. Ich war immer Vereinsmitglied und haben unter Hans Theo Peschkes zuvor ja auch schon als zweiter Vorsitzender mitgearbeitet. Zu ihm habe ich immer noch Kontakt. Wir tauschen uns fast wöchentlich aus.

Andere Personen in Ihrem Alter sind ständig auf Feten oder spielen selbst Fußball. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, mit damals 24 Jahren den Vorsitz zu übernehmen?

Schröer Mir ist es in meinem bisherigen Leben immer recht gut gegangen. Da will ich der Gesellschaft auch etwas zurückgeben. Über die vielen Jahre im Verein sind soziale Kontakte entstanden. Die Vorstandsmitglieder sind alle gut befreundet, sodass wir die Arbeit auch in gewisser Weise mit Freizeitaktivitäten verknüpfen können. Wer dem Vorstand vorsitzt, ist deshalb auch fast egal. Wichtig ist nur, dass alle gut und vernünftig zusammenarbeiten.

Wie lange haben Sie selbst bei der Borussia Fußball gespielt?

Schröer Bis zur A-Jugend. Danach ist eine chronische Verletzung daraus geworden und ich musste aufhören. Ich habe dann einen Job als Jugendtrainer übernommen. Daraus wurde immer mehr. Irgendwann war ich Jugendleiter, dann stellvertretender Vorsitzender und nun schließlich Vorsitzender.

Was ist bei der täglichen Arbeit in diesem Amt am schwierigsten?

Schröer Am schwierigsten ist es, den ganz normalen Ablauf eines Fußballvereins täglich zu koordinieren. Denn wo viele Menschen zusammen sind, da gibt es Streitpunkte. Da muss ich ganz diplomatisch bleiben und versuchen, diese Dinge aus der Welt zu schaffen.

Was liegt Ihnen besonders am Herzen?

Schröer Wichtig ist einfach, dass wir weiterhin vernünftig wirtschaften. Da sind wir auf einem guten Weg. Solange ich Vorsitzender bin, werden wir deshalb auch keine Spielergehälter bezahlen.

Und wenn ein Sponsor kommt und diese übernehmen würde?

Schröer Wo das hinführen kann, haben wir ja 2013 gesehen (Anmerkung: Der Verein stand damals kurz vor der Insolvenz). Natürlich sind Sponsoren willkommen. Wir haben auch drei, vier richtig gute Hauptgeldgeber. Aber die stellen das Geld eher zur freien Verfügung, sodass wir es da nutzen können, wo es angebracht ist. Das macht mehr Sinn.

Für die Damen-Mannschaft musste ein neuer Trainer gesucht werden. Sie haben Marc Bieniek als sportlichen Leiter eingestellt. Von Herren-Trainer Eric Wohlfarth trennte sich der Verein im beiderseitigen Einvernehmen – welcher Einschnitt war der bisher gravierendste in Ihrer Amtszeit?

Schröer Der betrifft die erste Herren-Mannschaft. Mit Abstand am schwierigsten war es, wieder ein Team auf die Beine zu stellen, das fast immer vollständig beim Training ist und sich auf dem Platz vernünftig benimmt. Das ist nun wieder der Fall. Leider hat es in den ersten beiden Spielen unter Interimscoach Marc Bieniek nicht zu Punkten gereicht, weil auch etwas Glück gefehlt hat.

Die Borussia steht nur noch einen Rang über einem Abstiegsplatz.

Schröer Mir ist bewusst, dass die Rückrunde schwer wird und auch im Abstieg enden könnte. Mir ist es aber lieber, dass wir wieder im ruhigen Fahrwasser sind, ohne dass ich mir Gedanken machen muss. Dafür würde ich auch ein oder zwei Jahre eine Klasse tiefer in Kauf nehmen.

Wie sind Sie auf Marc Bieniek als Sportlichen Leiter gekommen?

Schröer Ich habe einfach zum Hörer gegriffen und wir haben vier-, fünfmal lange miteinander telefoniert. Dabei haben wir gemerkt, dass wir ähnliche Ziele haben.

Nämlich welche?

Schröer Wir wollen den Fokus auf den Damenbereich legen. Die Damen spielen seit Jahren unter schwierigsten Bedingungen in der dritthöchsten Klasse. Sie haben es verdient, mal mit dem Bus zum Spiel zu fahren, mal gemeinsam Essen zu gehen und vernünftig ausgerüstet zu werden.

Warum machten Sie Sammy Messalkhi, Trainer der zweiten Damen-Mannschaft, zum Coach der Regionalliga-Damen? Sie hätten auch jemand Externen holen können?

Schröer Wenn man meinen Weg bei der Borussia sieht, dann ist das irgendwie logisch. Sammy Messalkhi hat gute Arbeit für den Verein geleistet, deshalb muss man ihm eine faire Chance geben, bevor jemand von außerhalb kommt. Da war ich mir mit Marc Bieniek und Stefan Gerhards (Anmerkung: Sportlicher Leiter der Mädchen-Abteilung) schnell einig.

Ein Ziel wird sicherlich auch sein, einen Kunstrasenplatz zu bekommen.

Schröer Einen Kunstrasenplatz und auch einen neuen Kabinentrakt. Wenn man die Situation mit anderen Vereinen abgleicht, dann denke ich, dass die Borussia einfach mal dran wäre. Immerhin stellen wir mit den Damen immer noch die am höchsten spielende Fußball-Mannschaft der Stadt.

Wo sehen Sie die Borussia in fünf Jahren?

Schröer Wir werden immer noch viel Wert auf die Jugendarbeit legen und haben hoffentlich das Niveau im Damenbereich gehalten. Im Herrenbereich spielen wir gerne in einer ähnlichen Klasse wie jetzt.

Und wie sieht es in Sachen Infrastruktur aus?

Schröer Es muss sich was tun, ganz klar. Die Kabinensituation ist katastrophal. Fünf, sechs Mannschaften teilen sich teilweise zwei Kabinen. Könnten wir nicht gelegentlich in die Euregiohalle ausweichen, wäre das alles nicht zu schaffen, wobei uns Thomas Boekhorst und Sandra Bengfort von der Stadtverwaltung hier sehr helfen. Aber das löst das Problem nicht. Das ist nur mit der Stadt zu schaffen. Ich erinnere daran, dass auch wir im Osten der Stadt wichtige Arbeit leisten. Wir haben 20 Mannschaften und integrieren viele Flüchtlinge.

Sind Sie in fünf Jahren denn noch Vorsitzender?

Schröer Grundsätzlich schon, wenn die Mitglieder mich auch wählen. Wir wollen im Vorstand einiges bewegen, aber es kann im Privatleben eines jeden Einzelnen auch so viel passieren. Im Moment mache ich mir da aber keine Gedanken drüber.

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