Australien-Blog: Vom Pech verfolgt

Bocholt/Australien - Hinter Ex-BBV-Redakteurin Christina Schreur liegt eine harte Woche. Noch ein paar Wochen will sie für ihren Backpacking-Trip in Australien verbringen, doch dafür braucht sie einen Job - und den hat sie nach nicht einmal einer Woche wieder verloren. Und es kommt noch schlimmer: Nach einem Unfall mit dem Fahrrad landet Christina Schreur in der Notaufnahme...

Australien-Blog: Vom Pech verfolgt

Die Skyline der australischen Metropole Brisbane.

„Du hast zwar eine tolle Persönlichkeit, aber wir brauchen Resultate. Gib mir bitte dein T-Shirt.“ Fassungslos schaue ich meine Managerin an. Nach nicht einmal eine Woche als Fundraiserin für die Hilfsorganisation Oxfam werde ich wieder gefeuert. Sie hatte mir das zwar bereits am Morgen angedroht („Wir brauchen heute zumindest einen Sale von dir!“) so ganz ernst genommen hatte ich das jedoch nicht.

„Die haben doch nicht zwei Tage Training in mich investiert nur um mich dann in meiner ersten Woche wieder rauszuwerfen“, dachte ich. Tja, falsch gedacht. Und mir geht es nicht alleine so: Zu viert sind wir gestartet, drei von uns verlieren an diesem Tag ihren Job.

Da stehe ich also wieder – arbeitslos und pleite. Mein Plan, vier oder fünf Wochen in Brisbane zu arbeiten und dann den Rest der Ostküste zu bereisen, ist geplatzt. Richtig traurig bin ich allerdings nicht. Denn schon an meinem ersten Tag ist mir wieder bewusst geworden, wie wenig ich diesen Job eigentlich mag.

Sobald ich mein Oxfam T-Shirt getragen habe, haben mich die meisten Menschen auf der Straße keines Blickes mehr gewürdigt, geschweige denn für Oxfam gespendet. Es reicht also ein Abend mit Bier und Pizza, um über meine erste Kündigung hinwegzukommen. Am nächsten Tag gehe ich die Online-Jobbörsen durch, telefoniere und schreibe E-Mails und verteile meinen Lebenslauf in Kneipen und Restaurants.

Aber besser wird die Woche nicht: Um Geld zu sparen, habe ich mich für die „Stadträder“ in Brisbane angemeldet. Pro Monat zahle ich etwa 3,50 Euro und kann mir für jeweils eine halbe Stunde ein Rad ausleihen. Die Stationen sind in der ganzen Stadt verteilt und das Ausleihen ist simpel.

Als ich mit Moritz am Donnerstag zum Einkaufen im Aldi unterwegs bin, werde ich auf einmal vom Fahrrad geschleudert. Der Fahrer eines parkenden Autos neben mir hatte die Tür geöffnet, ohne vorher zu schauen. Ich falle vom Rad und knalle mit meiner linken Seite auf die Straße. Aus meinem Kopf läuft Blut und mein kleiner Finger lässt sich kaum noch bewegen. Sofort halten Zeugen an und rufen einen Krankenwagen. Eine Stunde später sitze ich mit Moritz in der Notaufnahme.

„Oh ja das Loch ist schon etwas tiefer. Ich glaube das müssen wir kleben“, sagt die Ärztin und ich flippe innerlich aus. „Kleber an meinem Kopf? Bitte nicht!“, denke ich. Sie holt sich einen Kollegen dazu. Er meint: „Ich würde das Tackern.“ Ich gucke Moritz erschrocken an. „Ich nehme den Kleber. Bitte den Kleber“, sage ich.

Nach insgesamt vier Stunden im Krankenhaus sitze ich mit zwei Tackernadeln im Kopf und verbundenem Finger im Taxi nach Hause. Nächste Woche muss ich nochmal zum Arzt, der mir dann die Nadeln wieder raus machen soll.

Einen Tag später liege ich schon wieder am Strand. Dort bekomme ich einen Anruf: eine Einladung zum Vorstellungsgespräch in einem Dönerladen. Ich sage zu. Wenigstens eine gute Nachricht in dieser Woche.

Teil 1: Ex-BBV-Redakteurin berichtet aus „Down Under“

Teil 2: Partys, Sightseeing und Jobsuche

Teil 3: Erfolgreiche Jobsuche

Teil 4: Ein anstrengender Job

Teil 5: „Schatz, bitte kündige!“

Teil 6: Viele Abschiede

Teil 7: Wellen und Sonnenuntergänge

Teil 8: Surfcamp in Byron Bay

Teil 9: Kein Geld, kein Osternest

Teil 10: Zurück nach Brisbane