Fußball

Alles andere als angepasst: Xhaka und die historische Chance

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Samstag, 26. Juni 2021 - 09:05 Uhr

von Von Thomas Eßer, dpa

dpa Rom. Die Schweiz kann bei der EM am Montag etwas schaffen, was der Nationalmannschaft schon seit 1954 nicht mehr gelungen ist. Gegen Frankreich wird es insbesondere auch wieder auf den Kapitän ankommen.

Schweizer Leader und ein echter Typ: Granit Xhaka. Foto: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa

Einen Vorwurf muss sich Granit Xhaka garantiert nicht anhören. Der Kapitän der Schweizer Nationalmanschaft ist nicht zu brav und angepasst.

Seine Aussagen sind kein Produkt der PR-Maschinerie des Profifußballs. Der 28-Jährige ist genau das, was es nach Ansicht einiger Experten in den Fernsehstudios heutzutage zu selten gibt: ein echter Typ, ein Fußballer mit Ecken und Kanten. An diesem Montag kann er im EM-Achtelfinale gegen Frankreich den bisher größten Erfolg seiner Länderspiel-Karriere feiern.

Der Weg in die Runde der besten 16 war nicht nur für die Schweizer Mannschaft, sondern gerade auch für Xhaka hochemotional und von - nicht immer nur sportlichen - Debatten geprägt. Der Besuch eines Tattoo-Studios kurz vor der EM-Reise, als die Nationalspieler Zeit im Familienkreis verbringen sollten, sorgte in der Schweiz für Aufsehen. Es folgten weitere Diskussionen und Themen abseits des Platzes.

Friseur sorgt für Diskussion

Vor dem zweiten Gruppenspiel gegen Italien ließen Xhaka und einige Teamkollegen einen befreundeten Friseur ins Mannschaftsquartier in Rom einfliegen. Eigentlich keine große Sache - zumindest, wenn man gewinnt. Nach der 0:3-Niederlage gegen Italien wurde dem nun blonden Xhaka und seinen Mitspielern dann aber vorgeworfen, abgehoben zu sein. Zudem wurde der Teamspirit der Nati infrage gestellt. „Wir sind ein bisschen Masochisten, dass wir immer wieder solche Geschichten provozieren“, sagte Petkovic im SRF über die Debatten.

Xhaka blieb cool und gab die passende Antwort auf dem Rasen: Beim entscheidenden 3:1 im letzten Gruppenspiel gegen die Türkei ging er mit energischem Einsatz als Vorbild voran und lenkte die Partie mit großer Übersicht. Anschließend wehrte er sich auch verbal mit deutlichen Worten.

„Wir wurden viel kritisiert für Kleinigkeiten, die meiner Meinung nach nicht so wichtig sind“, sagte der frühere Gladbacher, der aktuell beim FC Arsenal unter Vertrag steht und mit der AS Rom in Verbindung gebracht wird. „Wenn die Leute von außen das Gefühl haben, dass jeder einzelne einen Kommentar dazu abgeben muss, dann bitte schön. Aber eines kann ich garantieren: Diese Mannschaft geht an solchen Sachen nicht kaputt.“

„Mannschaft geht davon nicht kaputt“

Xhaka stellte zudem klar: „Wir hatten nie Probleme untereinander. Die Stimmung ist super bei uns. Die Leute versuchen, diese Mannschaft kaputt zu machen, indem sie viel reden und viel schreiben. Aber wie gesagt: Diese Mannschaft geht davon nicht kaputt.“

Sportlich hatte der Kapitän vor dem Turnier ein ambitioniertes Ziel ausgegeben. Xhaka kündigte an, mit den Eidgenossen „Geschichte schreiben“ zu wollen. Der Mittelfeld-Gestalter will mit seiner hochbegabten Fußball-Generation mindestens ins Viertelfinale. Wenn das gegen Weltmeister Frankreich klappen soll, müssen sich Xhaka und seine Kollegen allerdings noch weiter steigern. Ein K.o.-Duell gewannen die Schweizer bei einer Europa- oder Weltmeisterschaft zuletzt 1954.

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