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Fußball

Auch Müller braucht einen „Wendepunkt“ - Hält Löws Treue?

Fußball

Dienstag, 26. Juni 2018 - 09:31 Uhr

von Von Klaus Bergmann und Christian Kunz, dpa

dpa Kasan. Thomas Müller gibt Rätsel auf. Wie schon bei der Torlos-EM 2016 findet er in Russland (noch) nicht ins Turnier. Liegt es an einem Rollenwandel? Und wie handelt Bundestrainer Löw gegen Südkorea?

Thomas Müller gibt auch beim Fußballtennis im Training alles. Foto: Christian Charisius

Beim Fußball-Tennis versuchte es Thomas Müller sogar mit einem Fallrückzieher.

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Es ist ja nicht so, dass der Bayern-Star nicht alles probieren würde, um auch in Russland wieder der Müller der WM-Turniere von 2010 und 2014 zu sein, als der Angreifer jeweils fünfmal traf und erfolgreichster deutscher Schütze war.

In Russland hat es weder beim Fehlstart gegen Mexiko (0:1) noch beim Sieg gegen Schweden (2:1) gemüllert. Mehr noch: Der 28-Jährige war zweimal schwach, spielte aber 90 Minuten durch. Mancher Beobachter fragt sich vor dem Südkorea-Spiel in Kasan, ob Müller vielleicht der nächste bisher unantastbare Weltmeister nach Mesut Özil und Sami Khedira sein könnte, den Joachim Löw mal auf die Bank setzt.

„Das kann ein entscheidender Wendepunkt sein“, sagte Müller nach dem so wichtigen Sieg gegen Schweden. Er meinte die Wirkung für das Team - und weniger für sich persönlich. Freistoßschütze Toni Kroos rettete den Weltmeister am Ende der Nachspielzeit. Marco Reus erzielte das wichtige 1:1. Timo Werner setzte Akzente als Vorbereiter. Mario Gomez warf sich vorne im Strafraum ins Getümmel. Und Julian Brandt hätte bei seinem Kurzeinsatz fast als Joker gestochen. Er schoss krachend an den Pfosten. Und Müller? Blieb auch in Sotschi fast wirkungslos.

„Wir haben sehr viel Offensivpotenzial“, sagte Müller vor dem Turnier. Seines galt als spezielles Pfund. Er ist mit 38 Toren der Erfolgreichste in der Abteilung Attacke. Er ist auch der Erfahrenste im 23-Mann-Kader. Gegen die Südkoreaner könnte Müller zum 94. Mal für Deutschland auflaufen. Wie einst bei Bayern-Coach Louis van Gaal gilt bei Bundestrainer Löw seit Jahren der Satz: „Müller spielt immer!“ Selbst dann, wenn es wie in Russland nicht läuft beim Münchner.

Bei der EM 2016 fand Müller auch nicht ins Turnier. Er schoss in sechs Spielen kein Tor. Im Viertelfinale gegen Italien scheiterte der meist sichere Schütze sogar im Elfmeterschießen an Gianluigi Buffon. Trotzdem stand der Bayern-Angreifer die kompletten 570 Turnierminuten auf dem Platz. Löw ließ Müller in Frankreich bis zum Ende nicht fallen. Weil er eben auch torlos einen Wert für die Mannschaft haben kann, als mitreißender Anführer, Kämpfer fürs Team - eben als Figur.

„Typen wie Thomas Müller findet man nicht so leicht“, äußerte Teammanager Oliver Bierhoff hochachtungsvoll über den Münchner. Der Vielredner Müller sei mit den Jahren zu einer Persönlichkeit gereift, betonte Bierhoff. Müller bestätigt einen Rollenwandel. „Ich schaue mehr auf das Globale und Ganze als etwa als Zwanzigjähriger“; damals, bei seinem ersten großen Turnier, der WM in Südafrika. „Das ist ein Reifeprozess. Jetzt mache ich mir mehr Gedanken“, schilderte er.

In der Tat: Müller kümmert sich um alles. Beim Training am Montag in Watutinki war das beim Fußball-Tennis exemplarisch zu beobachten. Müller maß das vorbereitete Spielfeld nochmal ab. Dann sagte er beim Spiel seines Teams mit Toni Kroos und Jérôme Biateng gegen Timo Werner, Julian Draxler und Jonas Hector natürlich den Spielstand an. Er feuerte an („Komm, kämpfen!“). Er redete zwischen den Ballwechseln.

Vielleicht sollte er sich gegen Südkorea mehr auf sich, sein Spiel und auch auf das gegnerische Tor fokussieren - und es müllert dann wieder wie früher so oft im DFB-Team. Deutschland könnte das im Kampf um das Achtelfinalticket dringend brauchen. Ob's Löw auch noch so sieht?

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