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Chelseas Wochen der Wahrheit: Alles oder nichts für Tuchel?

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Freitag, 14. Mai 2021 - 13:44 Uhr

von Von Philip Dethlefs, dpa

dpa London. Als erster deutscher Trainer steht Thomas Tuchel mit dem FC Chelsea im FA-Cup-Finale. Die Partie ist der Auftakt zu zwei Wochen für Tuchels Londoner, die über die gesamte Saison entscheiden können.

Kann seinen ersten Titel mit dem FC Chelsea einfahren: BVB-Coach Thomas Tuchel. Foto: Andy Rain/PA Wire/dpa

Ausgerechnet vor seinem ersten Endspiel mit dem FC Chelsea und den beiden entscheidenden Wochen der Fußballsaison musste sich Thomas Tuchel über einen Patzer seines zuletzt so formstarken Teams ärgern.

„Das haben wir heute vielleicht verdient“, sagte der Chelsea-Coach nach dem unnötigen 0:1 gegen Arsenal, „das war eine weitere Lektion für uns.“ Die womöglich zur rechten Zeit kam. Denn in den kommenden vier Spielen könnten die Blues eine schwierige Saison zu einer sehr erfolgreichen machen - oder auch alles verspielen.

Am Samstag winkt Tuchel und Chelsea der erste Titel. Im FA-Cup-Finale könnten sich die Londoner drei Jahre nach dem letzten Triumph den neunten Pokal der Vereinsgeschichte sichern. Im Duell mit dem Tabellennachbarn Leicester City gibt es keinen klaren Favoriten. Der Premier-League-Zweite hat zwei Spieltage vor Saisonende zwei Punkte Vorsprung auf den Dritten Chelsea. Beide Teams spielten in den letzten Wochen stark, leisteten sich aber gelegentlich überraschende Aussetzer, so wie Leicester zuletzt beim 2:4 gegen Newcastle United.

Tuchel hatte sich gegen den Lokalrivalen FC Arsenal mit seiner auf mehreren Positionen veränderten Startelf verzockt. Unter anderen schonte er die deutschen Nationalspieler Antonio Rüdiger und Timo Werner mit Blick auf die Partie am Samstag im Wembley-Stadion. „Ich hätte das so nicht machen sollen“, gab sich der 47-Jährige, der 2017 den DFB-Pokal mit Borussia Dortmund und 2020 den Coupe de France mit Paris Saint-Germain gewonnen hatte, nach dem Abpfiff selbstkritisch.

Seinen Torwart Kepa, der in der Liga die Nummer zwei ist, im Pokal aber alle Spiele gemacht hat, nahm Tuchel davon aus. „Er startet im FA-Cup-Finale, und wir dachten, es wäre eine gute Idee, ihm vorher ein bisschen Spielzeit zu geben“, erklärte Tuchel. „Wir vertrauen ihm, und er verdient es. Deshalb haben wir ihn in der Startelf.“

Kepa ist an der Stamford Bridge umstritten. Der 26-Jährige war 2018 für die Rekordsumme von 80 Millionen Euro von Athletic Bilbao gekommen, überzeugte aber nie vollends. Im Ligapokal-Finale 2019 verärgerte der Spanier den damaligen Chelsea-Coach Maurizio Sarri, als er seine Auswechslung verweigerte. Unter dessen Nachfolger und Tuchel-Vorgänger Frank Lampard leistete sich Kepa regelmäßige Aussetzer, bis Chelsea schließlich Édouard Mendy verpflichtete.

Mit einer starken Leistung im FA-Cup-Endspiel könnte sich Kepa, der schon im Pokal-Halbfinale gegen Manchester City (0:1) überzeugte, deutlich rehabilitieren. Dass der Spanier in den drei verbleibenden Spielen danach im Chelsea-Tor steht, ist trotzdem nicht zu erwarten.

Schon am Dienstag spielen die Blues in der Premier League wieder gegen Leicester. Mit einem Erfolg würde die Tuchel-Elf, die am letzten Spieltag bei Aston Villa antritt, einen großen Schritt in Richtung Champions-League-Qualifikation machen. Bei einer Niederlage oder einem Remis könnte der FC Liverpool vorbeiziehen und Chelsea aus der Top vier der Tabelle verdrängen. „Es ist immer ein großer Kampf“, warnte Tuchel. „Wir dürfen nicht naiv sein.“

Der vielleicht größte Kampf steht seinen Blues jedoch am 29. April in Porto gegen Manchester City bevor. Dorthin wurde das ursprünglich in Istanbul geplante Champions-League-Finale wegen der coronabedingten Reisebeschränkungen verlegt, damit englische Fans dabei sein können.

Zweimal - im FA-Cup und in der Liga - hat der FC Chelsea den Meister in den letzten Wochen geschlagen. Sollte das in Porto ein drittes Mal gelingen, würde Tuchel schon in seiner ersten Chelsea-Saison Heldenstatus erlangen. Ausrutscher wie gegen Arsenal sind in den kommenden Wochen verboten, weiß auch Tuchel und hofft auf den Lerneffekt. „Vielleicht war das der letzte Weckruf für uns.“

© dpa-infocom, dpa:210514-99-597568/3

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