Fußball

Die Wut der Polen - Spanier mit dem Geist des Kapitäns

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Freitag, 18. Juni 2021 - 12:56 Uhr

von Von Jens Marx und Doris Heimann, dpa

dpa Sevilla. Robert Lewandowski hat etwas gut zu machen. Das bedeutet für Spaniens Nationalmannschaft nichts Gutes. Beim Titelmitfavoriten dreht sich auch fast alles um den Sturm. Pfiffe der eigenen Fans soll es nicht wieder geben. Es geht um viel: Ums Weiterkommen bei der EM.

Polens Stürmer Robert Lewandowski setzt zum Torschuss an. Foto: Igor Russak/dpa

Der „Diario de Sevilla“ macht den Spaniern ausgerechnet mit einer Rangliste Mut, die Robert Lewandowski anführt.

Dabei müssen die Torflauten-Iberer den Weltfußballer und Bundesliga-Rekordtorschützenkönig erst recht im womöglich vorentscheidenden Duell ums Weiterkommen in der Gruppe E fürchten.

„Wir haben eine sportliche Wut in uns“, sagte Lewandowskis Nationalmannschaftskollege Karol Linetty, der anders als der Profi des FC Bayern bei der 1:2-Auftaktniederlage von Polen gegen die Slowakei getroffen hatte. „Wir wollen das beste Spiel des Lebens spielen“, betonte Innenverteidiger Jan Bednarek mit Blick auf die Partie am Samstag (21.00 Uhr/ARD und MagentaTV) in Sevilla.

Die Polen um Lewandowski sind wütend, sie wollen und müssen punkten, um die Chancen aufs Achtelfinale zu wahren. Die Spanier sind bemüht und gewillt, die Torflaute des Angriffs um den von den eigenen Fans ausgepfiffenen Alvaro Morata zu beenden. Demonstrativ sollte der Stürmer, der vom spanischen Meister Atlético Madrid auch in der kommenden Saison an Juventus Turin ausgeliehen ist, am Freitagabend bei der Pressekonferenz im Estadio La Cartuja an der Seite von Trainer Luis Enrique Platz nehmen.

Und auch die Mitspieler machten Morata in den Tagen nach den erneuten Unmutsbekundungen der Fans Mut. „Er ist einer der besten Spieler in Europa“, sagte Pablo Sarabia von Paris Saint-Germain. „Er sieht stark aus“, betonte Moratas Sturmrivale Gerard Moreno vom FC Villarreal: „Er genießt das Vertrauen von uns allen.“

Moreno ist wiederum der, den viele lieber in der Startelf sehen würden. Fernsehsender ließen darüber abstimmen und der „Diario de Sevilla“ machte am Tag vor dem Spiel die Story „Unter den Illustren“. Gemeint waren die besten Torjäger in Europa in der vergangenen Saison in Verein und Auswahl. Auf 53 Treffer kommt Lewandowski, in die Top Ten schaffte es Moreno mit 32. 22 sind es bei Morata, zwei waren es im Nationaltrikot. „Wir alle sind dafür verantwortlich, Tore zu machen“, betonte aber Sarabia.

Nach dem Fast-1000-Pässe-Zuspiel-Festival gegen Schweden braucht Spanien allerdings einen gehörigen Effektivitätsschub. Mithelfen, die Zuversicht zu steigern, dürfte auch Kapitän Sergio Busquets. Der 32-Jährige vom FC Barcelona wurde einen Tag vor der Partie nach überstandener Corona-Infektion von der Mannschaft im EM-Camp in Las Rozas de Madrid zurück begrüßt. Spielen wird er sicher nicht, mitkommen nach Sevilla sollte er aber, quasi auch als guter Geist.

Mehr als gegen die äußerst defensiv eingestellten Schweden wird auch die spanische Abwehr gefordert sein. Denn einer hat einiges gutzumachen im Angriff der Polen, sprich ein oder mehr Tore zu erzielen. Und das ist Lewandowski. Das Problem ist aber ein anderes. „Im Spiel gegen die Slowakei konnte man nicht zu ersten Mal, aber besonders deutlich sehen, wie unser Auswahl-Stürmer sich auf dem Platz abmüht und abrackert“, schrieb am Freitag die polnische Sportzeitung „Przeglad Sportowy“.

„Wir alle warten darauf, dass er ein Tor schießen wird, aber diese Tore fallen nicht, weil er keine Bälle bekommt, mit denen er etwas anfangen könnte und sollte.“ Es sind die Leiden des Lewandowski, die dem Autoren zu schaffen machen, weil der Mittelstürmer in so einem schlechten Team spielen müsse. Die Spanier könnten Lewandowski sicher gut gebrauchen.

© dpa-infocom, dpa:210618-99-46953/2

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