Fußball

Ein 1:5 in Frankfurt wird zum Bayern-Glücksfall

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Freitag, 23. Oktober 2020 - 12:31 Uhr

von Von Klaus Bergmann, dpa

dpa München. Bayern gegen Frankfurt ist das Spitzenspiel des 5. Spieltags. Und eine Partie mit einer Vorgeschichte, die in München einen Effekt auslöste, „als wenn einer das Licht wieder angeschaltet hätte“.

Münchens Trainer Hansi Flick zeigt beide Daumen nach oben. Foto: Sven Hoppe/dpa

Eigentlich müssten die Bosse des FC Bayern die Kollegen von Eintracht Frankfurt in der Allianz Arena mit einem riesigen Geschenkkorb begrüßen.

Denn das Bundesliga-Spitzenspiel zwischen dem Tabellenzweiten und dem Vierten markiert am Samstag (15.30 Uhr/Sky) quasi den Jahrestag jenes Münchner 1:5-Debakels bei den Hessen, das sich im Nachhinein nicht als großes Unglück, sondern als Wendepunkt für den deutschen Fußball-Rekordmeister entpuppte.

Der 2. November 2019 führte zum abrupten Ende der kurzen, mit dem Double verzierten Amtszeit von Trainer Niko Kovac. Dessen Assistent Hansi Flick übernahm. Und seitdem erleben die Bayern - mal abgesehen von der Corona-Krise - eine wunderbare Zeit mit Siegen am Fließband und gleich fünf Titeln in den ersten zwölf Monaten unter Flick.

Karl-Heinz Rummenigge rühmte das Schaffen des 55-Jährige in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. „Als Hansi als Cheftrainer übernommen hat, war das ein Glücksfall für den FC Bayern“, sagte der Bayern-Chef, der immer ein Kovac-Skeptiker geblieben war: „Es war ein Effekt, als wenn einer das Licht wieder angeschaltet hätte.“

Das Licht strahlte besonders hell beim Triple-Gewinn. Aber nach dem erklärbaren Stotterstart in die neue Spielzeit scheint das Münchner Starensemble vor der neuerlichen Kraftprobe mit den noch unbesiegten Frankfurtern wieder in der Erfolgsspur zu sein. Das machtvolle 4:0 gegen Atlético Madrid zum Auftakt der Champions League belegte diese Einschätzung. Von einem „Ausrufezeichen“ sprach Nationalspieler Leon Goretzka. Pressing, defensive Kompaktheit, gegenseitiges Coaching und die Gier nach Toren waren wieder da. „Wir haben Zeit gebraucht, wieder in den Rhythmus reinzukommen“, meinte Flick. Die Dominanz und die körperliche Präsenz erwartet er nun auch wieder im Liga-Alltag.

Ein Jahr Flick liest sich in Zahlen so: 40 von 44 Pflichtspielen konnten die Bayern gewinnen. Dazu kommen ein Remis und nur drei Niederlagen; zwei davon datieren aus der Anfangsphase 2019. Flicks Ansatz für erfolgreiche Arbeit bleibt auch nach den ersten zwölf Monaten unverändert: „Es geht schon darum, das große Ganze im Blick zu haben. Aber entscheidend ist immer das nächste Spiel.“

Zum großen Ganzen gehört neben einer funktionstüchtige Achse (Neuer - Alaba - Kimmich - Müller - Lewandowski) ein Kader, der beim Last-Minute-Shopping fit für den sehr eng getakteten Spielplan gemacht wurde. „Wir haben in der Breite genau das, was wir haben wollten: Eine Auswahl und mehr Optionen als vorher“, sagte Flick.

Gegen Atlético fielen die Ausfälle der Flügel-Asse Leroy Sané und Serge Gnabry nicht auf. Gegen Frankfurt könnte sich Flick zudem etwas mehr aus dem Arsenal der Neuen bedienen, etwa Rückkehrer Douglas Costa von Anfang an bringen. Der Trainer lobt die Standards, die Flanken und die Schüsse des Brasilianers. „Es ist unser Ziel, dass wir ihn auf hundert Prozent bekommen.“ Spielpraxis würde helfen.

Corentin Tolisso fehlt nach seiner Roten Karten in Bielefeld. Und die Frankfurter? Sie rechnen eher nicht mit Geschenken in München. Trainer Adi Hütter äußerte am Freitag großen Respekt vor der Aufgabe in der zuschauerlosen Allianz Arena: „Die Bayern sind momentan für mich die beste Mannschaft der Welt. Und sie sind sehr gut in Schuss.“

© dpa-infocom, dpa:201023-99-53844/2

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