Eklat in Bochum - Kruse: „Selten so asoziale Fans erlebt“

Von Von Heinz Büse, dpa

dpa Bochum. Mit dem 1:0 in Bochum kehrt bei Union Berlin die gute Laune zurück. Maßgeblichen Anteil hat Max Kruse. Dabei konnte bei ihm von einer optimalen Vorbereitung nicht die Rede sein.

Eklat in Bochum - Kruse: „Selten so asoziale Fans erlebt“

Union-Profi Max Kruse pflegte seinen Ruf als Enfant terrible. Foto: David Inderlied/dpa

Max Kruse pflegte seinen Ruf als Enfant terrible und machte aus seiner Schadenfreude keinen Hehl. Den Siegtreffer zum 1:0 (1:0) beim VfL Bochum nur zwei Tage seiner von Schlagzeilen begleiteten Hochzeit kommentierte der Profi von Union Berlin auf eigene Weise aus dem Mannschaftsbus.

Den VfL-Fans, die mit Bierbechern auf Union-Profis gezielt hatten, ließ er via Instagram eine höhnische Grußbotschaft zukommen. „Solche Siege wie heute schmecken einfach am besten. Bochum ist immer ein sympathischer Verein gewesen. Ich weiß, 80 bis 90 Prozent der Fans sind auch weiterhin sympathisch. Aber heute war wieder ein Tag, an dem sich alle Ruhrpott-Assis in Bochum versammelt haben.“

Anders als die beiden Trainer Urs Fischer und Thomas Reis, die nach dem Schlusspfiff nicht näher auf die unschönen Vorkommnisse in der hektischen Schlussphase eingehen wollten, legte Kruse verbal nach. „Auf der Tribüne erst ganz groß, dann ganz klein. Ich habe selten so asoziale Fans wie hier erlebt“, kommentierte er beim WDR-Hörfunk. In selbstherrlicher Manier schloss er wenig später seinen Internet-Auftritt ab: „Aber das war wohl nichts, meine Lieben. Gute Nacht euch - und ein Kuss auf die Nuss.“

Kruse war „angefressen“

Dabei hatte der 14-malige Nationalspieler schon zuvor für reichlich Gesprächsstoff gesorgt. Nach seiner Verbannung auf die Ersatzbank beim 0:0 gegen Freiburg am Mittwoch und seiner Hochzeit einen Tag später inmitten einer englischen Woche sorgte der wieder in die Startelf beorderte Routinier für den Coup des Tages. Gleich sein erster Schuss bescherte die Führung. „Natürlich war ich angefressen, dass ich gegen Freiburg nicht auflaufen durfte. Es wurde auch Zeit, dass ich mal ein Tor mache. Zum Glück konnte ich der Mannschaft damit helfen“, sagte er.

Nach der unerwarteten Niederlage beim zuvor sieglosen Tabellenletzten Greuther Fürth (0:1) und der Nullnummer gegen Freiburg sorgte der zweite Saison-Auswärtssieg bei den Berlinern für prächtige Stimmung und ebnete den Sprung auf Rang sechs. „Das waren wichtige drei Punkte, die uns unserem Ziel wieder ein Stück näher bringen. Die Mannschaft ist phasenweise übers Limit hinausgegangen. Es macht mich stolz, dass sie sich für den großen Aufwand belohnt hat“, lobte Trainer Fischer.

Fragen nach seiner Entscheidung für einen Einsatz von Kruse beantwortete der Fußball-Lehrer kühl und sachlich. „Noch am Freitag klang das nach Kritik. Da hieß es, wie kann man einem Spieler zwei Tage vor einem Spiel frei geben, obwohl er Hochzeit hat“, kommentierte er. Mit festem Blick fügte er an: „Aber nach unserem Programm mal einen Tag frei zu bekommen, schadet nicht. Man hat gesehen, wie wichtig er für unser Spiel ist.“

Starke Abwehr

Die Aussagen von Kruse zu den Bochumer Fans wollte der Schweizer nicht dezidiert kommentieren: „Es war eine tolle Stimmung, zum Teil vielleicht über dem Limit. Ich habe gesagt, was im Stadion passiert ist, bleibt im Stadion“, sagte Fischer. „Max hat sich geäußert, er hat eine Meinung, die hat er gesagt.“

Nicht nur Kruse verhalf zum Erfolg. Erneut war auf die gute Abwehr Verlass. Zum bereits sechsten Mal gab es kein Gegentor - kein anderes Bundesliga-Team spielte in dieser Saison öfter zu null. „Wir stehen wieder einmal in Tabellenregionen, wo uns keiner vermutet“, schwärmte Andreas Luthe. Für den Schlussmann war das Spiel an seiner ehemaligen Wirkungsstätte nach eigenem Bekunden ohnehin „ganz speziell“: „Das fühlte sich für mich an wie nach Hause kommen. Ich war immerhin 15 Jahre hier.“

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