Europa-League-Sieg: Eintracht krönt sich in Sevilla

Von Von Patrick Reichardt, Eric Dobias und Jan Mies, d

dpa Sevilla. Eintracht Frankfurt hat 42 Jahre nach dem Gewinn des UEFA-Pokals den zweiten internationalen Titel der Vereinsgeschichte geholt. Der Bundesligist triumphierte im Finale der Europa League in Sevilla mit 5:4 im Elfmeterschießen gegen die Glasgow Rangers.

Europa-League-Sieg: Eintracht krönt sich in Sevilla

Eintracht Frankfurt hat das Finale der Europa League im Elfmeterschießen gewonnen. Foto: Arne Dedert/dpa

Triumph in Sevilla! Die Europa-Spezialisten von Eintracht Frankfurt haben ihre denkwürdige Saison mit dem ersten internationalen Titel seit 42 Jahren gekrönt und spielen erstmals in der Champions League.

In einem elektrisierenden Finale der Europa League gewann das Team von Trainer Oliver Glasner im Nervenspiel Elfmeterschießen mit 5:4 (1:1, 1:1, 0:0) gegen die Glasgow Rangers und sorgte für den ersten deutschen Titel in diesem Wettbewerb seit 1997.

Noch in der regulären Spielzeit hatte Rafael Borré (69.) die Rangers-Führung vor 44.000 Zuschauern durch Joe Aribo (57.) ausgeglichen. In der Entscheidung vom Punkt wurden Torwart Kevin Trapp mit dem gehaltenen Versuch von Aaron Ramsey und der wieder treffsichere Borré zum Helden.

Am Donnerstag soll beim Empfang am Frankfurter Römer die große Siegesparty in der Heimat steigen. Angeführt von Kapitän Sebastian Rode, der nach Kopfverletzung mit blauem Turban spielte, steht das Team nun auf einer Stufe mit den UEFA-Cup-Siegern von 1980 um Karl-Heinz Körbel und den in diesem Jahr gestorbenen Jürgen Grabowski. Unter dem Motto „Mit dem Jürgen, für den Jürgen“ krönten Frankfurts Fußballer nun eine bemerkenswerte Reise mit etlichen Festabenden.

Im Estadio Ramón Sánchez Pizjuán herrschte von Beginn an eine Wahnsinnsstimmung. Die Eintracht-Fans hatten ihr Team mit einer erneut beeindruckenden Choreographie empfangen, in den Gassen und auf den Plätzen der andalusischen Metropole verfolgten Tausende Anhänger beider Clubs das Endspiel ohne Ticket. Während der Partie berichteten spanische Medien von Auseinandersetzungen beider Fangruppen etwa drei Stunden vor dem Anpfiff. In der Arena überwog die Euphorie. „Wir werden der Chef im Stadion sein“, hatte Eintracht-Präsident Peter Fischer angekündigt.

Und die Hessen starteten sehr engagiert in die Partie. Mit viel Risiko und scharfen Pässen spielte sich die Eintracht immer wieder an den Rangers-Strafraum - musste in der fünften Minute aber gleich einen Schockmoment überstehen. Rode blieb nach einem Foul von John Lundstram am Kopf blutend auf dem Rasen liegen und wurde mehrere Minuten behandelt. Der Brite hatte den Eintracht-Profi mit dem Schuhstollen an der Stirn getroffen.

Die erste Halbchance hatte Daichi Kamada, der nach einem kurzen Solo aber nicht zum Abschluss kam. Den anschließenden Schuss von Djibril Sow fing Glasgows 40 Jahre alter Torwart Allan McGregor ohne Mühe (12.). Beim Versuch von Ansgar Knauff mit dem linken Fuß hatte McGegor schon mehr Mühe (20.). Die Eintracht war zumindest in der ersten halben Stunde deutlich näher an der Führung, beim Konter über Filip Kostic schien mehr drin (32.).

Glasner rief im blauen Polohemd immer wieder Anweisungen auf den Platz. Der Österreicher, der vor der Saison aus Wolfsburg gekommen war, musste auf den verletzten Abwehrchef Martin Hinteregger verzichten, Jesper Lindström war dagegen rechtzeitig fit geworden. Der Däne, dessen abgefälschter Schuss zu Beginn der zweiten Halbzeit nur knapp vorbei ging (49.), sorgte im Verbund mit Kamada und Borré für Unruhe in der zunächst aber standhaften Rangers-Abwehr.

Offensiv kam der schottische Vizemeister zwar erst durch Aribo nahe an das Tor des deutschen Nationalkeepers Kevin Trapp, der Schuss des 25-Jährigen ging aber nur knapp vorbei (26.). Beim Kopfball von Lundstram musste sich Trapp strecken, um den Ball über die Latte zu lenken (36.). Fehler durfte sich die Eintracht nicht erlauben - die Rangers, die zunehmend besser wurden, hatten in den Runden zuvor Borussia Dortmund und RB Leipzig ausgeschaltet.

Das dritte internationale Finale der Eintracht nach 1960 und 1980 wurde zunehmend spannender. In der zweiten Halbzeit spielten beide Teams in Richtung der eigenen Fanblöcke. In Frankfurt zitterten über 50.000 Anhänger beim Public Viewing in der Eintracht-Arena mit. Erst recht, als Aribo nach einer Fehlerkette in der Frankfurter Abwehr von Sow und Tuta frei vor Trapp zum Abschluss kam und traf. Tuta verletzte sich dabei, er wurde durch Makoto Hasebe ersetzt.

Die Schlussphase vor Augen kam erst Kamada zur großen Chance zum Ausgleich, der Heber des Japaners ging aber nicht nur über McGregor, sondern auch über das Tor (67.). Borré machte es im Strafraum nach einer scharfen Hereingabe besser - das Spiel war wieder und blieb offen. Der Versuch von Kostic ging knapp vorbei (89.), dann ging es in die kraftraubende Verlängerung, in der Trapp kurz vor Schluss mit zwei starken Paraden das Elfmeterschießen sicherte.

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