Fußball

Flicks finaler Masterplan muss aufgehen - PSG „verdammt gut“

Fußball

Freitag, 21. August 2020 - 14:43 Uhr

von Von Klaus Bergmann, dpa

dpa Lissabon. Wer kriegt den Henkelpott, der vorm Finale im roten Sportwagen durch Lissabon rollt? Bayern oder PSG? Flick oder Tuchel? Lewandowski oder Neymar? Entscheidend könnte auch sein, ob Münchens Coach beim allerletzten Triple-Schritt die französische Karte ausspielt.

Will gegen PSG das Triple perfekt machen: Bayern-Coach Hansi Flick. Foto: Franck Fife/pool AFP via AP/dpa

Jetzt muss Hansi Flicks finaler Triple-Masterplan auch noch aufgehen - und das gegen den divenhaften Fußballvirtuosen Neymar, Turbo-Kicker Kylian Mbappé und Landsmann Thomas Tuchel.

Im Krönungsspiel der Champions League mit den vielen großen Namen will der 2020 ungeschlagene FC Bayern das bessere Kollektiv stellen und den Triumphzug in Europa und im coronabedingten Geisterspielbetrieb vollenden. Der Fußballweise Franz Beckenbauer erwartet ein „schönes Finale“ mit einer 50:50-Chance. Der bald 75-Jährige übermittelte am Freitag eine kaiserliche Warnung nach Portugal an seine Bayern, denen er am Sonntag (21.00 Uhr/ZDF, Sky, DAZN) vorm TV die Daumen drückt. „Paris ist eine verdammt gute Mannschaft“, urteilte Beckenbauer.

Die Schlüsselfrage im Vorfeld lautet: Zieht Flick die französische Karte? Am 32. Geburtstag von Torjäger Robert Lewandowski ließ Flick die geheime PSG-Taktik am Freitag auf dem Gelände des portugiesischen Verbandes einstudieren. Um kurz vor 11.00 Uhr Ortszeit fuhren die beiden roten Bayern-Busse begleitet von einer Polizeieskorte durch das streng bewachte Eingangstor der „Cidade do Futebol“.

Was dort geschah, durften weder Reporter noch PSG-Spione beobachten. Flick sucht die Ruhe vorm letzten Triple-Schritt. „Wir alle haben viel gearbeitet, dass wir im Finale stehen“, sagte der 55-Jährige. „Es ist schön, dass wir gegen Lyon durch die Tür gegangen sind. Aber gegen Paris wollen wir nochmal alle Körner reinhauen.“ Und siegen!

Es könnte ein aufregendes Offensiv-Spektakel geben - mit dem Premiumvergleich Lewandowski kontra Neymar. Der brasilianische 222-Millionen-Mann, der mit dem nur geringfügig billigeren Jungstar Kylian Mbappé den rasanten PSG-Sturm anführt, trifft auf die bayerische Torfabrik um Lewandowski (15 Saisontreffer) und Serge Gnabry, der gegen Lyon in bestechender Form auftrumpfte. 24:8 heißt es nach Toren für Lewandowski/Gnabry vorm Finale gegen Neymar/Mbappé.

Flick setzt auf einen großen Tag von Lewandowski, der seine Karriere mit dem wichtigsten Vereinstitel krönen könnte und auch so gerne mal zum FIFA-Weltfußballer gekürt werden würde. Im wichtigsten Spiel des Jahres soll der Pole auch wieder liefern. „Er ist für mich der weltbeste Mittelstürmer. Ich bin gespannt und hoffe, dass er auch gegen Paris trifft“, sagte Flick. Der nächste Bayern-Treffer ist der insgesamt 500. in der Champions League.

Das große Bayern-Thema im Vorfeld kreist aber um das Verteidigen und um Ballkontrolle, denn sonst „knallt's“, wie Oliver Kahn warnte, gegen Neymar und Mbappé oder den nicht zu vergessenden Argentinier Angel di María. „Wir haben zu viele einfache Ballverluste gehabt“, rügte Flick nach dem Lyon-Spiel, „die müssen wir abstellen.“

Baut er darum die Startelf im dritten Turnierspiel doch um? Wagt es Flick, den gerade von einer Fußverletzung erholten Franzosen Benjamin Pavard nach dem Kurz-Comeback gegen Lyon hinten rechts gegen Neymar aufzubieten? Flick nennt Pavard gerne seinen „Mister Zuverlässig“.

Pavard rein hieße Thiago raus. Flick könnte dann nämlich Joshua Kimmich wieder als Stabilisator im Mittelfeld aufbieten. Und auf der linken Außenbahn könnte er den Franzosen Kingsley Coman statt Ivan Perisic aufstellen. Der 24-Jährige entfachte als Joker viel Schwung gegen Lyon. Coman wurde in Paris geboren und spielte von 2004 an in der Jugend von PSG. Mit 16 debütierte er in der ersten Mannschaft. „Es wird ein offenes Match mit vielen Toren“, glaubt Coman.

Am mutigen Spielstil mit einer hohen Abwehrreihe und intensivem Gegner-Pressing wird Flick sicherlich nicht rütteln. „Es ist unsere große Stärke, den Gegner unter Druck zu setzen. Das wird uns auch gegen Paris gelingen“, sagte er zuversichtlich.

Das Vertrauen des Teams in Flicks Strategien ist unerschütterlich. „Egal, gegen wen wir gespielt haben, wir waren top vorbereitet und hatten immer einen Plan. Es kann nur nach einer Philosophie gehen, die gibt der Trainer vor“, sagte Kapitän Manuel Neuer, als Torwart die letzte Münchner Instanz gegen Neymar oder Mbappé. Neuer stellt das Team 2020 sogar noch über den Triple-Jahrgang 2013: „Der Unterschied ist, wir sind jetzt in der Breite besser aufgestellt.“

Flick oder Tuchel? Wer wird ein Jahr nach Jürgen Klopp mit dem FC Liverpool sowie Ottmar Hitzfeld (1997/Dortmund, 2001/Bayern) und Jupp Heynckes (1998/Real Madrid, 2013/Bayern) der vierte deutsche Trainer sein, der die Champions League gewinnt? Der 46-jährige Tuchel würde den Traum der Clubeigner aus Katar erfüllen, die seit 2011 nahezu zwei Milliarden Euro für den über alles gestellten Champions-League-Gewinn in das kritisch beäugte PSG-Projekt gepumpt haben.

„Ich habe eine Mannschaft gesehen, die hungrig ist zu siegen“, sagte Tuchel begeistert nach dem dominanten 3:0 im Halbfinale gegen RB Leipzig. Triumphiert er nach dem Achtelfinal-Erfolg gegen Borussia Dortmund nun auch gegen die dritte, aber auch beste Mannschaft der Bundesliga? Vor vier Jahren trat Tuchel schon mal in einem Endspiel gegen Bayern an und unterlag im Finale um den DFB-Pokal mit Dortmund im Elfmeterschießen. 75.000 Zuschauer waren Augenzeugen in Berlin.

Im Estádio da Luz werden die Fanblöcke leer bleiben. Am Finalort Lissabon herrscht coronabedingt kein Fußballfieber. Auch am Freitag säumten keine Fans von Bayern oder PSG die Straßen, als der silberne Champions-League-Pokal für Werbeaufnahmen ausgestellt auf einem knallroten Sportwagen durch die Innenstadt gefahren wurde. Flick bedauert das unwürdige Ambiente: „Wir alle hätten es gerne gehabt, dass unsere Fans das hier live miterleben können.“ Nun sollen sie wenigstens vor dem Fernseher das zweite Triple bejubeln können.

© dpa-infocom, dpa:200821-99-255422/2

Ihr Kommentar zum Thema

Flicks finaler Masterplan muss aufgehen - PSG „verdammt gut“

Verbleibende Zeichen:

Regeln fürs Kommentieren

Bitte bleiben Sie fair und sachlich. Schreiben Sie keine Kommentare, die Beleidigungen, Verleumdungen oder falsche Tatsachenbehauptungen enthalten. Beiträge, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht (siehe Netiquette).

Bitte beachten Sie, dass Ihr Kommentar unter Ihrem echten Namen veröffentlicht wird!


captcha