Frohes Fest für Frankfurt: Halbjahr endet fulminant

Von Von Patrick Reichardt, dpa

dpa Frankfurt/Main. Im Sommer gab es in Frankfurt einen Trainerwechsel und einen drohenden Rechtsstreit wegen der Zuschauerzulassung. Dann folgte eine schwere Krise. Nun können die Hessen zufrieden Weihnachten feiern.

Frohes Fest für Frankfurt: Halbjahr endet fulminant

Eintracht Frankfurt kann zufrieden in die Winterpause gehen. Foto: Arne Dedert/dpa

Zwischen dem 7. November und dem vierten Advent liegen nur sechs Wochen. Bei Eintracht Frankfurt hat sich in dieser Zeit aber tatsächlich alles geändert.

Saß Sportvorstand Markus Krösche damals noch im Sport1-„Doppelpass“ und musste sich vehement rechtfertigen, warum er nicht längst den Abstiegskampf ausgerufen hat, wirkt diese Debatte heute fast albern. Frankfurts Zwischenbilanz vor Weihnachten lautet: Gruppensieger in der Europa League und nach furiosem Lauf auch in der Bundesliga auf einem internationalen Platz. „Das ist eine außergewöhnliche Ausbeute. Wir sind sehr zufrieden“, sagte der strahlende Krösche nun nach dem 1:0-Sieg gegen den FSV Mainz 05.

Den späten 2:1-Sieg bei Greuther Fürth, der sich am Abend von Krösches Besuch in der TV-Talksendung ereignete, bezeichnete der Nachfolger von Fredi Bobic nun als eine Art Schlüsselspiel für die folgende Erfolgsserie. Sechs von sieben Bundesliga-Spielen hat die Eintracht zuletzt gewonnen. Genauso gut war in diesem Zeitraum nur Meister FC Bayern München.

Team hat sich entwickelt

„Nach der Hinrunde ziehe ich fast ein überragendes Fazit. Nachdem wir zunächst viele Zähler liegengelassen haben, mit 27 Punkten in die Winterpause zu gehen, steht für die Entwicklung der Truppe“, sagte Kapitän Sebastian Rode nach dem verdienten Erfolg im Rhein-Main-Derby. Und Oliver Glasner macht seinen kurzen Abstecher in die Sonne nicht mehr als Wackelkandidat, sondern als gefestigter Chefcoach mit aussichtsreicher Perspektive für 2022.

„Ich gehe mit großer Freude und großem Stolz auf die Spieler in den wohlverdienten Weihnachtsurlaub“, sagte Glasner, der erst in den Süden und dann zu seiner Familie nach Österreich reisen möchte. Am 30. Januar geht es dann am Main weiter. Die Ziele für das nächste Jahr sind klar umrissen: den Europa-Kurs in der Bundesliga wahren und im Lieblingswettbewerb Europa League möglichst einen Lauf hinlegen, der mit dem von 2019 vergleichbar ist, als die Eintracht bis ins Halbfinale kam.

Dass die Eintracht sich in wenigen Wochen von der Abstiegszone in die Europa-Ränge mit nur einem Punkt Rückstand auf die Champions League katapultiert hat, überrascht auch die Verantwortlichen. „Das ist auf jeden Fall schön, aber nur eine Momentaufnahme. Wir müssen als Gruppe weiter sehr gut funktionieren“, sagte Krösche. Große Transfers sind im Winter nicht geplant. Das Hauptaugenmerk dürfte darauf liegen, den begehrten und schwer ersetzbaren Flügelspieler Filip Kostic trotz erneuter Angebote zumindest bis zum Saisonende zu halten.

Krösche euphorisch

Ein Halbjahr, das für die Hessen mit einer desaströsen Pokalpleite bei Waldhof Mannheim und einem drohenden Rechtsstreit über die Zuschauerzulassung begann, endet nun mehr als friedlich. Im Januar und Februar hat Glasner dann auch erstmals mehr Zeit, weil es durch den direkten Achtelfinaleinzug erst im März mit dem Europapokal weitergeht. Gefragt, ob er sich darauf freue, wurde Krösche regelrecht euphorisch: „Natürlich freuen wir uns. Wir haben den geilsten Job der Welt.“ Vor Glasner hatte sich der Funktionär im vergangenen halben Jahr stets gestellt - egal, wie laut die Kritik im Umfeld war.

Bevor die hohen sportlichen Ziele aber wieder in Angriff genommen werden, ermuntert Glasner seine Akteure, in der Weihnachtszeit abzuschalten. „Es ist ein sehr, sehr dichtes Programm. Jetzt sollen sie mal zehn Tage den Fußball Fußball sein lassen. Sie sollen sich über Dinge freuen, die sonst oft zu kurz kommen“, sagte der Österreicher. Das hat Glasner auch selbst vor.

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