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„Glut löschen“: Bayern-Kapitäne appellieren vor PSG-Spiel

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Sonntag, 11. April 2021 - 11:53 Uhr

von Von Christian Kunz, dpa

dpa München. Vor dem K.o.-Gipfel bei PSG brodelt es gewaltig beim FC Bayern. Manuel Neuer und Thomas Müller appellieren im Kampf gegen das drohende Champions-League-Aus an ihre Chefs.

Bediente Bayern: Trainer Hansi Flick (l) und Vize-Kapitän Thomas Müller nach dem 1:1 gegen Union Berlin. Foto: Andreas Gebert/Reuters-Pool/dpa

Die Bayern-Kapitäne sind alarmiert. Im Kampf gegen den drohenden K.o. in der Champions League und im schwelenden Konflikt zwischen Trainer und Sportvorstand mahnen Manuel Neuer und Thomas Müller eindringlich mehr Ruhe an.

„Die Nebengeräusche sind nicht schön“, bemängelte Kapitän Neuer vor dem Viertelfinal-Rückspiel bei Paris Saint-Germain. „Ein bisschen mehr Ruhe drumherum wäre auf jeden Fall gut für uns.“ Für Vertreter Müller zählte zwar einzig das „Weiterkommen“ am Dienstag, aber alle täten auch gut dran, „ein bisschen die Glut zu löschen“.

Bei einem Aus im Alles-oder-Nichts-Spiel gegen Kylian Mbappé, Neymar & Co., in dem der Titelverteidiger ein 2:3 aus dem Hinspiel drehen will, droht aber ein größerer Brand beim Fußball-Rekordchampion. Gefühlt vergeht derzeit kein Tag ohne Ärger beim FC Bayern.

„Meinen Sie mir macht das Ganze Spaß?“, entgegnete Trainer Hansi Flick genervt, als er auf Neuers Wunsch nach mehr Ruhe angesprochen wurde. Ins Detail ging der 56-Jährige am Wochenende nach dem 1:1 einer Not-Elf gegen Union Berlin nicht. Angesprochen auf seine Zukunft oder Sportvorstand Hasan Salihamidzic leitete er wie angekündigt mit „nächste Frage“ weiter. Salihamidzic gab gar keine Interviews.

Der angespannte Sportvorstand strich sich besorgt durch den Bart, als Kingsley Coman nach rund einer halben Stunde behandelt und zur Pause ausgewechselt wurde. Der Schlag auf dessen Wadenbeinköpfchen endete nach erster Einschätzung von Flick, der am Samstag ohne neun Stars mit Weltfußballer Robert Lewandowski an der Spitze auskommen musste, glimpflich. Ausfälle für das Viertelfinal-Rückspiel befürchtete Flick auch nicht bei Jérôme Boateng (Knieprobleme) und Jamal Musiala (Wadenkrämpfe), der mit fast schon tänzerischer Eleganz für die verdiente Bayern-Führung gesorgt hatte (68.).

Flick hegt zudem die Hoffnung, dass außer diesem Trio auch die gegen Berlin fehlenden Leon Goretzka (muskuläre Probleme) und Lucas Hernández (Prellung) gegen PSG dabei sind. Die Chancen bei Hernández seien trotz der Schmerzen größer, sagte Flick. Bei Goretzkas muskulären Problemen wolle man das „Grüne Licht“ der Ärzte abwarten und dann entscheiden. An der Seite von Leroy Sané joggte Goretza am Sonntag in sonnigen München auf dem Trainingsgelände.

Eine Formation wie gegen Union, als etwa Tiago Dantas (20) sowie die Debütanten Josip Stanisic (21) und Christopher Scott (18) ran durften, wird es in dieser Form wohl nie wieder beim Serienchampion geben. Dass es für die Jungspunde keinen Sieg zu bejubeln gab, lag an Berlins Joker Marcus Ingvartsen (86.). „Man muss wirklich bis zum Ende alles geben und alles reinhauen“, sagte Neuer. Ein Motto, das auch für den Dienstag im Prinzenpark gelten muss. „Da wollen wir das kleine Wunder vielleicht wirklich werden lassen“, sagte Flick.

Zwar schüttelten Ehrenpräsident Uli Hoeneß und Präsident Herbert Hainer oben auf der Tribüne enttäuscht nach dem zweiten nicht gewonnenen Heimspiel nacheinander die Köpfe, aber der von sieben auf fünf Punkte geschrumpfte Vorsprung des Tabellenführers auf RB Leipzig störte nicht großartig. Nach dem Pokal-Aus Anfang des Jahres würde die Bayern ein weiterer K.o. auch in der Königsklasse deutlich härter treffen, der Machtkampf zwischen Flick und Salihamidzic dürfte weiter an Dynamik gewinnen. Und das nur sieben Monate nachdem der mittlerweile mit sechs Titeln in einem Jahr dekorierte FC Bayern durch den Endspielsieg gegen PSG glückselig auf dem Gipfel thronte.

Außer von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, der mit seinem Machtwort an Flick und Salihamidzic noch einmal auf Ruhe pochte, gab es bislang keine klare Aussage, dass Flick (Vertrag bis 2023) auch in der neuen Saison noch Bayern-Trainer ist. Der Weltmeister-Assistenztrainer von 2014 steht im Zentrum der Nachfolge-Diskussion um den Bundestrainerposten von Joachim Löw.

„Ich denke, dass Hansi Flick der richtige Trainer für uns ist. Man hat ja gesehen, wie erfolgreich wir die vergangenen Zeiten verbracht haben. Wir freuen uns, wenn es so weitergeht“, sagte Neuer. Das Thema sei im Team „nicht so groß wie man sich das vorstellen kann“, sagte der 35 Jahre alte Nationaltorwart. „Dennoch sind alle Sachen, die von außen auf uns einprasseln, natürlich nicht von Nöten.“

Spannende Tage und Wochen stehen dem FC Bayern bevor. „Der Trainer hat hier eine klare Handschrift gezeigt. Man sieht, der Trainer kann sehr hart sein, aber auch sehr herzlich. Der passt zu uns wunderbar. Wenn ich die Verantwortung tragen würde, würde ich alles tun, um ihn zu halten“, sagte Hoeneß. Damit meinte er aber nicht etwa Flick - sondern Andrea Trinchieri, den Coach seiner Basketballer.

© dpa-infocom, dpa:210411-99-160128/2

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