Fußball

Herthas Last-Minute-Trauma

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Sonntag, 28. November 2021 - 09:47 Uhr

von Von Jens Marx, dpa

dpa Berlin. Spieler rennen zur gegnerischen Eckfahne. Rudelbildung nach einem Zweikampf. Kurze Zeit später kassiert Hertha das 1:1 gegen Augsburg. Trainer Dardai: „Ein Fehler von uns“.

Die Hertha-Spieler diskusstieren nach dem Schlusspfiff mit Schiedsrichter Frank Willenborg. Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Rudelbildung, Gegentor in der siebten Minute der Nachspielzeit und Rote Karte für den Co-Trainer - Hertha-Chefcoach Pal Dardai musste erstmal tief Luft holen für seine Analyse.

Etwas zusammengesunken wirkte der Berliner Trainer beinahe nach dem 1:1 (1:0) im Olympiastadion gegen den FC Augsburg, der ebenso gegen den Abstieg spielt. „Hätten wir das 2:0 gemacht, würden wir jetzt nicht über einen Punktverlust oder zwei reden“, betonte Dardai: „Wir müssen langsam konsequenter damit umgehen, wie wir ein zweites Tor machen.“ Es sei nicht das erste Mal.

Tumult an der Eckfahne

Bei weitem nicht, doch dazu später. Was war passiert, dass die Berliner gegen einen allerdings auch nie aufgebenden FCA doch noch ein Tor kassierten, und das in letzter Sekunde? An der Eckfahne der Augsburger kam es zu einem Zweikampf mit dem eingewechselten Davie Selke. Als dieser sich nicht untheatralisch auf dem Boden wälzte, eilten seine Mannschaftskameraden herbei.

„Es zeigt, dass wir ein Team sind, wenn einer einen in die Eier geschossen bekommt und das Team kommt“, befand Selke. Aufruhr in der finalen Phase der Nachspielzeit. Zu viel Aufruhr für die Hertha. „Das war von uns ein Fehler“, betonte Dardai unmissverständlich: „In der 95., 96. Minute an der Eckfahne, alle rasten aus, das darfst du nicht.“

Die Ordnung ging verloren, Augsburg belohnte sich für einen kämpferischen Auftritt. Nach der Führung der Herthaner durch den einstigen FCA-Profi Marco Richter in der 40. Minute („Dass ich treffen konnte, ist eine geile Sache. Es hätte ein perfekter Tag werden können, aber leider hat das nicht geklappt.“) gelang dem eingewechselten Michael Gregoritsch das Gäste-Tor. „Ich habe lange gewartet und es ist traumhaft, wenn man mit dem Ausgleich in letzter Sekunde beitragen kann“, sagte der FCA-Angreifer, der in dieser Saison in sieben der 13 Partien gar nicht und in den weiteren sechs eher nur kurz zum Einsatz gekommen war.

Remis ein Erfolgserlebnis für Augsburg

Für Bayern-Bezwinger Augsburg war das Remis eine Woche nach dem Überraschungserfolg gegen den Rekordmeister aus München ein weiteres wichtiges Erfolgserlebnis, auch wenn der FCA auf den Relegationsrang abrutschte mit 13 Punkten. Für die Hertha war das Remis ein weiterer Rückschlag eine Woche nach der Pleite im Hauptstadt-Derby.

Schon beim 1:2 im August gegen den VfL Wolfsburg kassierte die Dardai-Mannschaft in der 88. Minute das Gegentor zur Niederlage. Zu Beginn dieses Monats erzielte Bayer Leverkusen in der 90. Minute das 1:1 gegen die Berliner. „Die ganze Mannschaft ist sehr bedient, dass wir wieder in letzter Minute das Spiel hergegeben haben“, sagte Torschütze Richter.

Während Coach Dardai betonte, die ganze Zeit „ruhig gewesen“ und auch im gesamten Spiel nicht viel geschimpft zu haben, bekam Co-Trainer Andreas Neuendorf in der Nachspielzeit die Rote Karte. Und Selke entgegnete verständnislos auf die Frage, ob die Mannschaft die Führung nicht cool über die Zeit retten und sich aus solchen Zankereien hätte raushalten sollen: „Ich weiß nicht, was das mit einem kühlen Kopf zu tun haben soll.“ Mit 14 Punkten nach nun vier Spielen ohne Sieg in der Liga bleiben Selke und die Hertha auf Platz 14.

© dpa-infocom, dpa:211128-99-172604/3

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