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Italien hofft auf „magische“ EM-Nächte - „Ziel ist Wembley“

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Donnerstag, 10. Juni 2021 - 10:44 Uhr

von Von Miriam Schmidt, dpa

dpa Florenz. Dreieinhalb Jahre nach der verpassten WM 2018 gibt Italien sein Comeback auf der großen Fußball-Bühne. Dank Coach Roberto Mancini glaubt die Squadra Azzurra sogar an ihre Titel-Chance.

Hat großen Anteil an der Wiederauferstehung der Squadra Azzurra: Italiens Nationaltrainer Roberto Mancini. Foto: Fabio Ferrari/LaPresse via ZUMA Press/dpa

Italien träumt schon wieder von mehr. Vor dem lang ersehnten Start in die Fußball-EM mit dem Eröffnungsspiel gegen die Türkei am Freitag (21.00 Uhr/ARD und MagentaTV) in Rom ist für die Azzurri das Endspiel im Wembley-Stadion das erklärte Ziel.

„Der Titel könnte eine Wiedergeburt für den Fußball und für das ganze Land sein“, sagte Nationaltrainer Roberto Mancini. „Das Ziel ist es, am 11. Juli in Wembley das Finale zu spielen.“ Dabei wartet auf die Squadra Azzurra gleich im Eröffnungsspiel eine unangenehme Aufgabe.

Unangenehmer Auftakt-Gegner

Der türkische Nationaltrainer Senol Günes hat um Routinier Burak Yilmaz eine eingespielte und defensivstarke Mannschaft geformt, die von einigen sogar als Geheimfavorit auf den Titel genannt wird. In der Gruppe A mit der Schweiz und Wales ist das Weiterkommen auch für die Türken das erklärte Minimalziel. „Es gibt die Top Five, die fünf großen Länder in Europa: Italien, England, Spanien, Frankreich und Deutschland. Wir wollen zu dieser Elite dazugehören“, sagte der 69 Jahre alte Günes, der die Türkei 2002 zum WM-Platz drei geführt hatte, und mahnte: „Für uns hängt sehr viel vom Eröffnungsspiel ab.“

Gleiches gilt für die Italiener, die ihre drei Vorrundenspiele in Rom vor den eigenen Fans bestreiten dürfen. Die Azzurri gehen mit der Super-Serie von 27 ungeschlagenen Partie in Serie in das Turnier. Die letzte Niederlage gab es im September 2018 gegen Portugal. Zuletzt blieb die Squadra Azzurra sogar achtmal in Serie ohne Gegentor. „Wir hoffen, dass wir diesen Trend auch bei der EM fortsetzen können“, sagte Leonardo Bonucci, der mit Kapitän Giorgio Chiellini vor dem jungen Keeper Gianluigi Donnarumma die Defensiv-Zentrale bilden soll.

Wiederauferstehung der Italiener

Einen großen Star haben die Italiener bei dieser EM nicht im Team. Am ehesten könnte Marco Verratti diese Rolle einnehmen, doch der 28 Jahre alte Mittelfeld-Regisseur von Paris Saint-Germain ist nach einer Knieverletzung frühestens im zweiten Spiel gegen die Schweiz wieder eine Option. „Unser Ausnahmespieler ist die Mannschaft“, sagte Bonucci. „Wir haben keine Spieler, die auf internationalem Niveau herausstechen und in einer Sekunde Spiele drehen können. Aber gegen große Mannschaften hat das Team den Unterschied gemacht.“

Den wohl größten Anteil an der Wiederauferstehung der Italiener nach der verpassten WM im November 2017 hat Mancini. Der 56-Jährige brachte dem Team Selbstvertrauen zurück und holte zahlreiche Talente. Erst kurz vor dem Turnier verlängerte der Coach seinen Vertrag bis 2026. „Ich bin froh, dass ich dazu beitragen konnte, dass die Nationalmannschaft wieder den Respekt erhält, den sie verdient“, sagte Mancini, der als Coach bei Manchester City, Galatasaray Istanbul und Zenit St. Petersburg internationale Erfahrung gesammelt hatte.

Für die EM hatte Mancini wieder eine Überraschung parat: Er berief den 21 Jahre alten Giacomo Raspadori in seinen Kader, der zuvor noch die U21-EM mit den Azzurrini gespielt hatte. „Ich hoffe, dass er es so macht wie Paolo Rossi. Er ist die Zukunft der Nationalmannschaft“, lobte Mancini. Rossi war 1982 Italiens WM-Torschützenkönig. Auch mit Stürmer Toto Schillaci, der 1990 als weitgehend Unbekannter bester WM-Torschütze wurde, wird Raspadori in Italien schon verglichen. Der Youngster gilt als Alternative zu Stamm-Mittelstürmer Ciro Immobile.

Rückkehr der Fans

Gegen die Türkei dürfte neben der Offensive aber auch die Defensive gefordert sein. Beim WM-Dritten von 2002 liegen viele Hoffnungen auf dem schon 35 Jahre alten Mittelstürmer Yilmaz. Auch daneben verfügt Günes über starke Individualisten, darunter Ex-Bundesliga-Profi Hakan Calhanoglu und Offensiv-Talent Yusuf Yazicin. Verlassen konnten sich die Türken in der EM-Qualifikation vor allem auf ihre Defensive um den Ex-Freiburger Caglar Söyüncü: In der Gruppe mit Weltmeister Frankreich kassierte das Team in zehn Partien nur drei Gegentore.

Italien geht die Aufgabe selbstbewusst an, Fans und Medien träumen wieder von „magischen Nächten“. Vor allem die Rückkehr von rund 16.000 Fans ins Olympiastadion beflügelt die Titelträume. Italien hat bei einem großen Turnier noch nie ein Spiel in der Arena verloren. „Wir haben die Apokalypse überlebt und träumen jetzt vom Größten“, schrieb die „Gazzetta dello Sport“ mit Blick auf die verpasste WM. „Es werden magische Nächte und die Magie kennt keine Grenzen.“

© dpa-infocom, dpa:210610-99-934632/2

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