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Kein Notstand nach Kimmich-Ausfall - Flick: Kriegen das hin

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Montag, 9. November 2020 - 11:02 Uhr

von Von Klaus Bergmann und Christian Kunz, dpa

dpa München. Zehn Spiele ohne Kimmich bis Jahresende - diese Mindestausfallzeit des „Mentalitätsmonsters“ dürften die Bayern mit ihrem Luxuskader verkraften können. Der Trainer besitzt einige Überbrückungshilfen.

Beim Sieg der Bayern in Dortmund hat sich Joshua Kimmich verletzt. Für mindestens zehn Spiele wird er ausfallen. Foto: Martin Meissner/Pool AP/dpa

Hansi Flick ist gefordert. Der Trainer wird beim FC Bayern nach dem Ausfall von Joshua Kimmich mindestens bis Weihnachten im Maschinenraum des Münchner Spiels improvisieren müssen.

Aber nach der Operation am rechten Knie des Mittelfeldchefs musste niemand den Notstand beim deutschen Rekordmeister ausrufen. Diese Erleichterung klang deutlich bei den Worten durch, die Hasan Salihamidzic wählte, als die Bayern am Sonntagabend den Eingriff am Außenmeniskus von Kimmichs Knie und die voraussichtliche Ausfallzeit bekanntgaben.

„Wir sind froh, dass Joshua uns voraussichtlich in einigen Wochen wieder zur Verfügung stehen wird“, äußerte Salihamidzic. Die Ärzte und Reha-Trainer gehen davon aus, dass Kimmich „im Januar wieder zur Verfügung stehen wird“. Als der Nationalspieler am Samstagabend mit Schmerzen und Tränen nach dem Zusammenprall mit BVB-Koloss Erling Haaland in Dortmund vom Rasen humpelte, hatten auch die Münchner Bosse um Salihamidzic einen noch schlimmeren Schaden im rechten Knie des Bayern-Profis befürchtet. Es ging aber halbwegs glimpflich aus.

Flick hatte sich gleich nach dem 3:2 im Bundesliga-Topspiel pragmatisch geäußert. „Wir haben es gegen eine starke Dortmunder Mannschaft geschafft, mit dieser Verletzung klarzukommen“, sagte der 55-Jährige. Und man werde das weiterhin „hinbekommen“.

Flick weiß nun, wie lange sein Überbrückungsprogramm ohne Kimmich funktionieren muss. Zehn Pflichtspiele stehen bis Weihnachten noch auf dem Programm, sechs in der Bundesliga, drei in der Champions League sowie zum Abschluss das Pokalspiel beim Zweitligisten Holstein Kiel. „Joshua ist für uns auf der Sechs ein sehr, sehr wichtiger Spieler. Es ist nicht ganz so einfach, ihn zu ersetzen“, gab Flick zu. Der Chefcoach hatte Kimmich schließlich erst vor dem Sportunfall in Dortmund als „Mentalitätsmonster“ im Münchner Team gerühmt.

Die wahre Bedeutung eines Spielers für das Kollektiv wird oftmals erst im Verletzungsfall richtig ersichtlich. Kimmich könnte beim Triple-Sieger spätestens jetzt den Status der Unersetzlichen wie Torwart Manuel Neuer oder Torjäger Robert Lewandowski erreichen.

„Jo ist für uns als Sechser im Mittelfeld enorm wichtig, gegen den Ball, aber auch mit dem Ball. Er ist immer anspielbar, er weiß in allen Situationen, was zu tun ist“, äußerte Flick über Kimmich.

Ein Kimmich-Double gibt es im Münchner Luxuskader nicht. Aber Flick verfügt über einige Überbrückungshilfen auf Zeit. Leon Goretzka, Kimmichs idealer Partner auf der Doppel-Sechs, kommt nun noch mehr Bedeutung zu - als Führungskraft und Leitfigur im Zentrum. Und der einst 41,5 Millionen teure Franzose Corentin Tolisso erfährt auch eine Wertsteigerung. Der Weltmeister hatte viel zu lange mit den Folgen eines Kreuzbandrisses zu kämpfen. Aber in dieser Saison blüht der 26-Jährige auf. „So, wie er jetzt spielt, hat er auch früher in Lyon gespielt“, lobte Flick zuletzt den einstigen Olympique-Profi.

Goretzka und Tolisso sind allerdings keine Mittelfeldstrategen wie Kimmich. Sie ähneln sich stark in der Spielweise. Sie sind sogenannte Box-to-Box-Spieler, die von der Dynamik leben und beide eine große Torgefahr ausstrahlen, wenn sie aus der Tiefe in den gegnerischen Strafraum stürmen. Eine Aufwertung dürfte noch einmal der gute, alte Javi Martínez erfahren. Der 32 Jahre alte Spanier kann immer noch den wuchtigen Abräumer von der Abwehr geben, aber nicht mehr alle drei Trage, eher punktuell. „Man kann sich immer zu hundert Prozent auf Javi verlassen“, sagte Flick über den zweimaligen Triple-Champion, der den Verein beinahe im Oktober verlassen hätte.

Eigentlich müsste jetzt der spanische U21-Europameister Marc Roca mehr in den Fokus rücken. Der 23 Jahre alte Last-Minute-Einkauf gilt als moderner Sechser, der am ehesten ins Kimmich-Profil passt. Das Problem: Der Spanier, der für rund neun Millionen Euro von Espanol Barcelona verpflichtet wurde, muss das Bayern-Spiel erst „noch verinnerlichen“, wie Flick sagte. Roca durfte erst zweimal reinschnuppern, einmal im DFB-Pokal und einmal als Einwechselspieler in der Bundesliga.

Mangels Trainingszeiten muss Roca hauptsächlich als Zuschauer den Münchner Spielstil adaptieren. „Wir haben jedem neuen Spieler unsere Positionsprofile gezeigt, die Idee, wie wir Fußball spielen wollen. Das geht nicht von heute auf morgen“, verdeutlichte Flick. Er bescheinigte Roca gute Anlagen: „Er ist technisch sehr gut, er hat einen guten Pass, eine gute Spielverlagerung. Das sind seine Stärken.“ Flick könnte Rocas Integration jetzt beschleunigen.

Der Trainer könnte auch David Alaba ins defensive Mittelfeld vorziehen. Das ist eh die Lieblingsposition des Österreichers. Aber diese Option ist unwahrscheinlich, der Bayern-Coach bevorzugt den Abwehrchef hinten.

Wer Kimmichs Ehrgeiz kennt, ahnt aber, dass der erstmals in München schwerer verletzte Juniorchef mit großem Eifer und Fleiß für ein ganz zügiges Comeback schuften wird. „Jo hat ein gutes Heilfleisch“, sagte Goretzka in Dortmund. „Wir werden ihn bei seiner Reha bestmöglich unterstützen“, kündigte Sportvorstand Salihamidzic an.

© dpa-infocom, dpa:201109-99-266684/2

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