Mit der Nutzung unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Mehr Informationen. Verstanden
Fußball

Konflikt Fans vs. DFB: Konfrontation schon vor einem Dialog

Fußball

Mittwoch, 4. März 2020 - 15:40 Uhr

von Von Ulrike John, Christian Hollmann und Ulli Brüng

dpa Frankfurt/Main. Noch bevor sich Vertreter des DFB und der DFL an einen Tisch setzen wollen, geht es schon um die Deutungshoheit des Treffens. Auf Schalke gingen die Proteste dieses Mal nur gegen den DFB und nicht gegen Dietmar Hopp.

Proteste und Beleidigungen gegen den DFB blieben aber auch in Gelsenkirchen nicht aus. Foto: Oliver Dietze/dpa

Weitere Proteste im Stadion und neue Machtkämpfe zwischen DFB und Ultra-Szene hinter den Kulissen: Vor einem geplanten Krisentreffen sehen sich gewichtige Fanverbände vom Deutschen Fußball-Bund getäuscht.

„Wir lassen uns nicht für dumm verkaufen“, hieß es in einer Erklärung, die am Vorabend von den Organisationen „Unsere Kurve“ und „Queer Football Fanclubs“ als Reaktion auf die Bekanntmachung des DFB zur Einberufung eines runden Tisches veröffentlicht wurde. Die Fans werfen dem Verband vor, Absprachen zur Vertraulichkeit des Sitzungstermins gebrochen zu haben und nicht wie behauptet selbst Initiator des Treffens gewesen zu sein.

Bei der mit Spannung erwarteten DFB-Pokal-Partie FC Schalke 04 gegen FC Bayern München gab es keine neuen Schmähplakate gegen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp, der für manche Fans zum Symbol im Kampf gegen die Kollektivstrafe geworden ist. Proteste und Beleidigungen gegen den DFB blieben aber auch in Gelsenkirchen nicht aus. „Dementer Fußball-Bund - Zusage gegen Kollektivstrafe vergessen - versucht ihr nun uns Fans mit Spielabbrüchen zu erpressen?“, hieß es auf einem Transparent. Und auf einem anderen: „Wenn wir jetzt ein Hurensohn-Plakat zeigen - Hört ihr dann auch auf zu spielen - Und wir schaffen es ins Elfmeterschießen?!“

Eine Spielunterbrechung gab es nach dem turbulenten Wochenende zuvor diesmal nicht. Bei einem Treffen der Clubs mit DFB-Vertretern und Schiedsrichter Tobias Stieler vor der Partie sei eine Strategie festgelegt worden. Es ging nicht darum, „zu schauen, wann können wir die erste, zweite, dritte Stufe zünden. Aber auch nicht zu sagen, wir ignorieren alles“, sagte S04-Mediendirektor Thomas Spiegel. Es ging vor allem um „Deeskalierung und Augenmaß. Das Ziel war zu sagen: Wie können wir ein Fußballspiel durchführen und zur Normalität zurückkehren?“

Am vergangenen Bundesliga-Spieltag führten Schmäh-Attacken von Bayern-Fans gegen Hopp fast zum Abbruch der Partie bei der TSG Hoffenheim. Am Vortag verkündete der DFB, noch in dieser Woche werde es einen runden Tisch der AG Fankulturen geben, in der Vertreter des DFB und der Deutschen Fußball Liga sowie von verschiedenen Fan-Organisationen sitzen.

Eine wichtige dabei ist das Bündnis „Unsere Kurve“. Es erklärte, der Vorstoß dazu sei von den Fanorganisationen gekommen - nicht von den Fußballverbänden. „Wir haben den Dialog eingefordert, um auszuloten, ob und wie die Situation deeskaliert werden kann“, schrieben die Verfasser. Das Treffen diene nicht der Befriedung der Proteste. Der DFB vereinnahme bereits vor der Sitzung die Deutungshoheit. „Über den Dialog und über die Inhalte. Das ist keine gute Grundlage für eine Deeskalation“, hieß es.

Zuvor hatten Bundestrainer Joachim Löw und DFB-Vizepräsident Rainer Koch scharfe Worte in dem Konflikt geäußert. Gegen die Beleidigungen von Hopp müsse „mit aller Gewalt vorgegangen werden“, forderte Löw am Rande der Auslosung zur Nations League in Amsterdam.

Koch will auch künftig nicht auf Kollektivstrafen bei Fan-Vergehen verzichten und sagte: „Da ist eine rote Linie überschritten, und wenn alle anderen Mittel nicht ausreichen, wir nicht zu anderen Lösungen kommen, dann muss man in letzter Konsequenz auch mal bereit sein, deutlich zu machen, unter solchen Rahmenbedingungen können wir nicht Fußball spielen, und dann muss solch ein Block auch mal gänzlich geräumt werden.“

An den Sammelstrafen hatte sich die jüngste Eskalation im Zwist des DFB mit den Fans entzündet. Der Verband hatte diese Form der Sanktion 2017 ausgesetzt. Vor kurzem hatte aber das DFB-Sportgericht Anhänger von Borussia Dortmund unter anderem wegen eines Plakats mit Hopp im Fadenkreuz zu einer Stadionsperre für zwei Jahre in Hoffenheim verurteilt - mit dem Widerruf der Bewährungsstrafe wurde die Kollektivstrafe angewendet.

Ihr Kommentar zum Thema

Konflikt Fans vs. DFB: Konfrontation schon vor einem Dialog

Verbleibende Zeichen:

Regeln fürs Kommentieren

Bitte bleiben Sie fair und sachlich. Schreiben Sie keine Kommentare, die Beleidigungen, Verleumdungen oder falsche Tatsachenbehauptungen enthalten. Beiträge, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht (siehe Netiquette).

Bitte beachten Sie, dass Ihr Kommentar unter Ihrem echten Namen veröffentlicht wird!


captcha