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Löw kämpferisch: „Spielen in Spanien nicht auf einen Punkt“

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Sonntag, 15. November 2020 - 07:31 Uhr

von Aufgezeichnet von Klaus Bergmann, dpa

dpa Leipzig. Joachim Löw will die Chance auf den Gruppensieg in Spanien mutig angehen. Nach dem Heimerfolg gegen die Ukraine lobt er Leon Goretzka und zwei Jung-Nationalspieler besonders. Auch zu den Corona-Umständen beim Spiel in Leipzig bezieht der Bundestrainer Stellung.

Blickt der Nations-League-Partie in Spanien kämpferisch entgegen: Bundestrainer Joachim Löw. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Fragen an Bundestrainer Joachim Löw in der Online-Pressekonferenz nach dem 3:1 der Fußball-Nationalmannschaft in der Nations League am Samstagabend in Leipzig gegen die Ukraine.

Frage: Wie fällt Ihr Fazit aus?

Antwort: Es war ein intensives und sehr interessantes Spiel. Wir wussten, dass die Ukraine eine Mannschaft ist, die exzellente und schnelle Konter spielt, unabhängig davon, dass einige Spieler gefehlt haben. Wir haben gerade in der ersten Halbzeit dynamische Aktionen nach vorne gehabt. Die Tore waren sehr gut herausgespielt. Es waren gute Ansätze von uns.

Frage: Sie wollten vor dem Spiel nicht über den Gruppensieg sprechen. Jetzt würde in Spanien schon ein Punkt dafür genügen. Was würde Platz eins für die Entwicklung Ihrer jungen Mannschaft bedeuten?

Antwort: Lassen wir mal den Gruppensieg völlig außen vor. Gegen Spanien haben wir beim 1:1 im Hinspiel in Stuttgart ein sehr schnelles und intensives Spiel abgeliefert. In der letzten Minute haben wir das Gegentor hinnehmen müssen. Unser Anspruch ist es, nach Spanien zu fahren und zu sagen, wir wollen das Spiel gewinnen und nicht irgendetwas verteidigen. Wir spielen in Spanien nicht auf einen Punkt. Meine Maxime in der Vorbereitung auf ein Spiel ist immer, die Dinge so anzupacken, dass man eine Chance auf den Sieg hat.

Frage: Leon Goretzka ist seit Monaten in einer starken Form. Wie sehen Sie seine Entwicklung?

Antwort: Es war ein super Spiel von Leon Goretzka. Er war ein Aktivposten in unserem Spiel, er ist viele Wege nach vorne gegangen. Er ist mit dem Ball immer wieder mit viel Tempo und viel Zug ins Mittelfeld und in die Spitze gestoßen. Er hat das Spiel angetrieben und die Stürmer unterstützt. Er war im gesamten Spiel präsent. Auch in der Defensive hat er gut gearbeitet. Der Leon ist in einer sehr, sehr guten Form. Man merkt ihm die Power und die Kraft an.

Frage: Wie gehen Sie nach den ganzen Umständen im Vorfeld der Partie mit der Corona-Situation um. Macht die Nations League so noch Sinn?

Antwort: Die Nations League hat nicht unmittelbar mit Corona zu tun. Ich kann verstehen, dass die Leute im Moment andere Gedanken und Sorgen haben. Aber wir haben uns in diesem Spiel nicht unsicher gefühlt, weil die Testungen bei den restlichen Spielern der Ukraine zwei Tage hintereinander negativ waren. Es bestand daher für unsere Spieler keine unmittelbare Ansteckungsgefahr auf dem Platz. Es ist eine Zeit, in der viele Dinge passieren. Man bekommt viele negative Nachrichten. Aus meiner Sicht als Trainer war es gut, dass wir gespielt haben. Wir vom DFB haben nicht die Möglichkeit, ein Spiel abzusagen. Das liegt nicht in unserer Gewalt. Wir tun alles, was wir können. Wir verhalten uns sehr diszipliniert. Wir hoffen, dass es bei uns weiterhin keine positiven Fälle geben wird.

Frage: Können Sie sich vorstellen, dass es viel Kritik gibt, dieses Spiel in der aktuellen Situation durchgeführt zu haben? Die Gesundheitsämter und Krankenhäuser sind sehr belastet, auch die Testkapazitäten werden knapp.

Antwort: Grundsätzlich kann ich die Sorgen und Gedanken der Menschen nachvollziehen - absolut. Ich bin eigentlich der falsche Ansprechpartner. Ich habe nicht diese Entscheidungsgewalt, das macht das Gesundheitsamt, die UEFA. In der Bundesliga wird auch gespielt, in den anderen Ligen auch. Wir halten uns an die Vorgaben. Wenn Spiele angesetzt sind, können wir nicht im Hotel bleiben.

Frage: Sie haben Robin Koch vor die Abwehr ins defensive Mittelfeld vorgezogen. Wie haben Sie seine Leistung gesehen?

Antwort: Vom Robin bin ich sehr angetan, man kann auch schon sagen sehr begeistert, seit er bei uns ist. Gegen Tschechien hatte er eine Topleistung als Innenverteidiger gebracht, fehlerlos, saubere Spielauslösung, klare Pässe, sehr zweikampfstark, sehr aufmerksam, kopfballstark. Heute hat er vor der Abwehr gespielt, um Passwege zuzumachen, weil die Ukraine sehr durchs Zentrum spielt. Er hat diese Position schon gespielt. Er ist ein Spieler, der sich schnell an Aufgaben anpasst. Er ist schon ein fester Bestandteil bei uns.

Frage: Philipp Max hat das zweite Mal links überzeugend gespielt. Kann man davon ausgehen, dass man ihn - so wie auch Florian Neuhaus - 2021 wiedersieht?

Antwort: Davon kann man ausgehen. Philipp Max hat uns überzeugt in diesen beiden Spielen. Er hat viel Tempo nach vorne. Er ist ein gefährlicher Außenverteidiger. Ich bin mit ihm absolut zufrieden. Marcel Halstenberg und Robin Gosens sind kurzfristig ausgefallen. Er hat diese Lücke, die wir jetzt hatten, mehr als zufriedenstellend ausgefüllt.

© dpa-infocom, dpa:201115-99-336934/2

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