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Löw mit Moped-Sturm und Rekordmann Neuer gegen die Ukraine

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Freitag, 13. November 2020 - 16:02 Uhr

von Von Arne Richter und Klaus Bergmann, dpa

dpa Leipzig. Noch ist die Stimmungslage rund um die Fußball-Nationalmannschaft angespannt. Vor dem Nations-League-Spiel gegen die Ukraine vermeidet der Bundestrainer daher den Blick weit nach vorne. Erst soll mit Hilfe des wieder vereinten Turbo-Trios ein wichtiger Sieg gelingen.

Baut gegen die Ukraine auf sein angestammtes Personal: Bundestrainer Joachim Löw. Foto: Federico Gambarini/dpa

Joachim Löw holte tief Luft. Dann bügelte er die Frage nach einem möglichen Gruppensieg in der Nations League als erstem EM-Mutmacher schnell ab.

„Ein Sieg am Samstag, das ist der einzige Schritt, den ich machen will“, sagte der Bundestrainer vor der Partie gegen die Ukraine (20.45 Uhr/ZDF). Mit Rekordmann Manuel Neuer und der Power seines wieder vereinten Turbo-Sturms mit Leroy Sané, Serge Gnabry und Leipzig-Rückkehrer Timo Werner soll der Fußball-Nationalmannschaft nach den schwierigen Wochen vor allem ein Konsolidierungsschritt gelingen. Erst dann will sich Löw dem erhofften Showdown am Dienstag in Sevilla gegen Spanien widmen.

Löw weiß genau, dass ein Ausrutscher gegen die gerne unterschätzten Ukrainer nach dem 1:0 im Test gegen Tschechien die Großwetterlage um das DFB-Team gleich wieder massiv verschlechtern würde. Die von ihm schon sieben Monate vor dem Turnierstart ausgerufene EM-Vorbereitung soll auf keinen Fall mit einem Fehltritt beginnen. „Die Mannschaft muss an die Grenzen gehen, gute Lösungen parat haben, wenn wir das Spiel auf unsere Seite ziehen wollen“, mahnte und forderte Löw.

Als hilfreich wird sich die gute Laune erweisen, die Werner nach vier Tagen bei der Freundin in Dresden am Freitag versprühte. Wie ein zweiter „Sommerurlaub“ habe sich das angefühlt, berichtete der ehemalige RB-Stürmer und jetzige Chelsea-Angreifer bei der ersten Rückkehr nach Leipzig. „Wenn man an einem Wettbewerb teilnimmt, will man gewinnen und Erster werden. Das bringt jedem Einzelnen in der Vita nicht den großen Schritt, aber es ist ein Erfolg, der die Mannschaft zusammenschweißt“, sagte der 24-Jährige.

Erstmals seit zwei Jahren beim 2:2 zum Abschluss der ersten Auflage der Nations League gegen die Niederlande wird Werner wieder beim Anpfiff mit den Münchnern Gnabry und Sané den DFB-Angriff bilden. Im fußballtrüben November 2018 war die Blitz-Formation Löws erster mutiger Schritt zu einem grundlegenden Umbruch nach dem WM-Desaster. „Sie sind alle weit vorne, was Geschwindigkeit betrifft“, sagte Löw. „Wenn sie die richtig einsetzen, sind sie brandgefährlich“, sagte der DFB-Chefcoach über das nach Verletzungen nun wieder vereinte Trio.

Werner findet die Konstellation mit dem Bayern-Duo ideal. Die neuere Ausrichtung auf ein schnelles Umschaltspiel sei eine Taktik, „in die wir drei gut reinpassen“, meinte er. Ob nun Turbo- oder Moped-Sturm der passende Spitzname ist, sei ihm dabei egal. „Ich weiß nicht, ob wir Mopeds sind. Auf jeden Fall sind wir sehr schnell!“

In der Abwehr kann Löw mit seinem Defensiv-Chef Niklas Süle planen. Nach seiner Corona-Quarantäne ist der 25-Jährige wieder fit. „Er hat die hohe Belastung gut überstanden“, berichtete Löw nach Gesprächen mit Vereinscoach Hansi Flick und den Medizinern sowie positiven Trainingseindrücken in München und am Donnerstagabend in Leipzig.

Das schnelle Süle-Comeback ist für den Bundestrainer wichtig. Mit Matthias Ginter und Antonio Rüdiger kann er gegen die Ukraine seine gewünschte Ideal-Formation für eine Dreierkette einem echten EM-Test unterziehen. Alle drei müssen aber Obacht geben: Weitere Gelbe Karten würden eine Sperre gegen Spanien nach sich ziehen.

Torwart Neuer sichert sich in Leipzig einen Eintrag in die DFB-Geschichtsbücher. Mit seinem 95. Länderspiel zieht er mit Rekordmann Sepp Maier gleich. „Rekord-Nationaltorhüter im Torhüterland Deutschland - das ist eine besondere Leistung“, rühmte Löw seinen Kapitän. Auch der eingeholte Maier sieht die besonderen Fähigkeiten seines Nachfolgers. „Manuel Neuer wird bestimmt über 120 Länderspiele bestreiten“, sagte der Weltmeister von 1974.

Auch wenn Löw über den möglichen Gruppensieg in der Nations League noch nicht sprechen will sind die sportlichen Aussichten in dem Wettbewerb im Gegensatz zur Premieren-Veranstaltung vor zwei Jahren bestens. Siege gegen die Ukraine und Spanien brächten in jedem Fall das Ticket für das Final-Four-Turnier im Oktober 2021. Noch führen die Spanier die Gruppe mit sieben Zählern vor Deutschland und der Ukraine (je 6) an. Die Schweiz ist (2) abgeschlagen. „Wir wollen die Gruppe gewinnen und bei der EM so weit kommen wie möglich“, sagte Werner. Löw wird ihn für so viel Optimismus sicher nicht abbügeln.

© dpa-infocom, dpa:201113-99-324671/3

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