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„Missão Final“ gestoppt: PSG zu stark für die Leipziger

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Dienstag, 18. August 2020 - 23:02 Uhr

von Von Arne Richter und Jan Mies, dpa

dpa Lissabon. Zu viel Tempo, zu viel Klasse: Im Champions-League-Halbfinale gegen Paris Saint-Germain bekommt RB Leipzig die Grenzen aufgezeigt. Der große Traum vom Finale der Königsklasse ist vorbei. Trainer Julian Nagelsmann kann seinen Kontrahenten Thomas Tuchel nicht austricksen.

Angel Di Maria (M) von Paris Saint-Germain feiert sein Tor zur 2:0-Führung - Leipzigs Lukas Klostermann (r) zeigt sich geknickt. Foto: Manu Fernandez/AP POOL/dpa

RB Leipzigs „Missão Final“ ist kurz vor dem Ziel gestoppt. Der Bundesligist hat gegen das übermächtige Starensemble von Paris Saint-Germain den großen Coup in der Königsklasse verpasst.

Gegen die rasante Fußball-Kunst von Weltmeister Kylian Mbappé und Neymar waren die Sachsen beim 0:3 (0:2) im Halbfinale der Champions League am Dienstagabend im Estádio da Luz von Lissabon überfordert. Das Taktik-Duell der deutschen Trainer entschied PSG-Coach Thomas Tuchel gegen Julian Nagelsmann klar für sich. Ohne die Paraden von Torwart Peter Gulacsi hätte Nagelsmann sogar eine Blamage erlebt.

Nach den Toren von Marquinhos (13. Minute), Angel di Maria (42.) und Juan Bernat (56.) greift Tuchel am Sonntag mit dem französischen Meister gegen den FC Bayern München oder Olympique Lyon nach dem auch von den Geldgebern aus Katar schon lange ersehnten Henkelpott. RB Leipzig muss nach den zunächst verheißungsvollen Tagen in Portugals Hauptstadt ernüchtert die Heimreise antreten.

Von Oktober an kann RB Leipzig einen neuen Anlauf in der Gruppenphase der Königsklasse nehmen. Statt des großen Finales steht aber als nächstes Pflichtspiel erstmal die DFB-Pokalpartie am zweiten September-Wochenende beim Zweitligisten 1. FC Nürnberg an.

Nagelsmann, der seinen früheren Förderer Tuchel seit über einem Jahrzehnt kennt, rief im modischen Anzug mit grauem Sakko wie gewohnt energiegeladen immer wieder neue Anweisungen auf den Rasen. Wohl auch aus Respekt vor der Weltklasse-Offensive der Franzosen um Weltmeister Kylian Mbappé, Di Maria und Neymar verordnete er seinem Team in der Defensive eine Viererkette, die aber schon in den ersten Minuten mehrere brenzlige Situationen überstehen musste.

Neymar traf nach starkem Pass von Mbappé den Außenpfosten (6.). Sekunden später verhinderte nur ein Handspiel des Brasilianers, der zudem einen Freistoß an den Pfosten setzte (35.), die nächste große PSG-Chance. Die beiden Starspieler rochierten viel - und brachten die RB-Abwehr mit hohem Tempo und technischer Finesse immer wieder in Verlegenheit. Marquinhos traf dennoch nach einer Standardsituation. Beim Freistoß von Di Maria stimmte die Zuordnung in der RB-Abwehr nicht. Tuchel, der wegen der dicken Schiene am verletzten Fuß meist auf einer großen Box saß, sprang triumphierend auf.

Der frühere Dortmunder hatte Nagelsmann einst in den Niederungen des Amateurfußballs beim FC Augsburg II trainiert und dann als Scout losgeschickt - beide Taktik-Experten hatten sich im Vorfeld aber große Mühe gegeben, die persönliche Beziehung runterzuspielen. „Das Spiel gewinnen müssen am Ende die Spieler“, hatte Nagelsmann gesagt. Bis auf einen Schuss von Yussuf Poulsen nach gutem Lauf von Konrad Laimer über die rechte Seite (25.) und einige Versuche beim Stand von 0:3 blieben seine Spieler über weite Strecken aber ungefährlich.

Dabei deutete sich immer wieder an, dass auch der Pariser Abwehr mit hoher Geschwindigkeit beizukommen wäre. So hatte auch Atalanta Bergamo das Starensemble im Viertelfinale ganz nah an eine Niederlage gebracht. Den Leipzigern fehlte aber der Zugriff, zu oft halfen nur Fouls, um den Spielaufbau von PSG zu unterbinden. Die Pariser Profis störte das kaum.

Neymar leitete Di Marias Treffer traumhaft mit der Hacke ein, zuvor hatte das aggressive PSG-Pressing Leipzigs oft geforderten Torhüter Gulacsi zu einem bitteren Fehlpass gezwungen. Nagelsmann saß an der Seitenlinie, rieb sich wortwörtlich die Augen und schaute zerknirscht dem PSG-Jubel zu. Kurz vor der Pause fehlten Neymar nur Zentimeter zu seinem ersten Tor des Finalturniers (44.).

Die beiden Leipziger Offensiven Emil Forsberg und Patrik Schick kamen zur zweiten Halbzeit und sollten den Druck erhöhen, was zumindest zehn Minuten lang auch gelang. Gleich die nächste Nachlässigkeit in der Defensive bestrafte der frühere Bayern-Profi Bernat aber schwer. Der Spanier traf per Kopf, nachdem Nordi Mukiele an der eigenen Eckfahne ausgerutscht war, den Ball an Di Maria verlor und dieser ungehindert flanken konnte. Mbappé und Co. hatten im Anschluss weitere Gelegenheiten, bei denen sich Gulacsi mehrfach auszeichnen konnte.

© dpa-infocom, dpa:200818-99-218144/3

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