Fußball

„Mit großer Vorsicht“: Aber Löw-Team will Kritiker beruhigen

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Samstag, 10. Oktober 2020 - 05:02 Uhr

von Von Jens Mende und Klaus Bergmann, dpa

dpa Kiew. Die jüngste Kritik prallt ab an Joachim Löw. Mit einem Sieg in Kiew will sein Team für öffentliche Beruhigung sorgen. Dafür hat der Bundestrainer erstmals seit elf Monaten wieder die fast volle Belegschaft dabei. Tausende Fans sollen beim Spiel dabei sein.

Bundestrainer Joachim Löw hat erstmals seit elf Monaten wieder die fast volle Belegschaft dabei. Foto: Efrem Lukatsky/AP/dpa

Fast ein Jahr wartet die deutsche Nationalelf auf einen Sieg. Von Hektik aber will Joachim Löw nichts wissen.

Auch die Spiele in der Nations League ordnet der Bundestrainer weiterhin als Vorbereitung auf den Höhepunkt der Fußball-Europameisterschaft 2021 ein. Kritik an seinem Vorgehen interessiert den 60-Jährigen nicht.

Dennoch wissen der Weltmeister-Coach von 2014 und seine Spieler, dass ein Sieg am heutigen Samstagabend (20.45 Uhr) in Kiew gegen die Ukraine für eine öffentliche Beruhigung sorgen würde. „Es wird für uns wichtig sein, dass wir auch wieder ein Spiel gewinnen“, sagte Kapitän Manuel Neuer, der wie andere Stammkräfte erstmals nach dem Corona-Lockdown wieder für die deutsche Nationalmannschaft aufläuft.

Löw freut sich auf die angekündigten bis zu 20 000 Fans, die trotz hoher Infektionszahlen in Kiew im 70 000 Zuschauer fassenden Nationalstadion dabei sein sollen. Nach den beiden 1:1-Spielen zum Auftakt der neuen Nations-League-Runde muss sein Team nun drei Punkte holen, um nicht in echte Abstiegsgefahr zu geraten.

PERSONAL: 20 Feldspieler und drei Torhüter hat Löw mitgenommen. Erstmals seit elf Monaten ist der Kader fast wieder komplett. Der zuletzt noch geschonte Bayern-Block und weitere Stammkräfte kehren zurück, im Vergleich zum 3:3 im Testspiel gegen die Türkei wird eine völlig andere Elf auflaufen. Auch Toni Kroos, Serge Gnabry und Timo Werner meldeten sich rechtzeitig wieder fit.

GEGNER: Das ukrainische Team ist von der Corona-Pandemie stark betroffen. Gleich 14 Spieler können wegen positiver Tests oder Verletzungen nicht mitwirken, drei Torhüter sind betroffen. Die jüngste Testreihe bei Meister Schachtjor Donezk brachte neun positive Ergebnisse bei den Profis und weitere neun im Betreuerstab. Dazu wirkt das jüngste 1:7 im Test gegen Frankreich nach. Es war die höchste Niederlage in der Länderspiel-Geschichte der ehemaligen Sowjetrepublik. Allerdings warnte Löw mit Hinweis auf den jüngsten Heimsieg der Ukraine in der Nationenliga gegen die Schweiz: „Sie haben eine gute Entwicklung genommen.“

HYGIENE-REGELN: Abgeschottet absolviert das Löw-Team die komplette Vorbereitung bis zum Anstoß im Nationalstadion. Alle Maßnahmen werden „mit großer Vorsicht“ abgewickelt, wie DFB-Direktor Oliver Bierhoff sagte. „Wir halten uns an die Auflagen und überwachen auch strengstens, dass sich die Spieler daran halten“, berichtete Löw. Allerdings sieht der DFB-Chefcoach auch nicht mehr Gefahr als anderswo: „Vorsicht ist überall für jeden geboten.“

KRITIK: Für Löw bleibt die EM das Ereignis, an dessen Ergebnis er sich messen lassen will. „Es gibt unterschiedliche Meinungen zu den aktuellen Spielen“, sagte der 60-Jährige zur jüngsten Kritik von Ex-Nationalspielern an seinem Kurs. Die Ergebnisse seien aktuell nicht das wichtigste Kriterium. „Wir haben uns schon ein paar Gedanken gemacht, warum wir das machen“, bemerkte Löw. Er bleibt bei einer überlegten Belastungs-Verteilung: „Klar ist, dass wir in dieser Saison besonders aufpassen müssen. Unsere Spieler sind zu wichtig. Im nächsten Jahr müssen sie in bester Verfassung sein.“ In Kiew darf er wieder fünf Auswechslungen vornehmen, nachdem die UEFA das Wechselkontingent wieder nach oben verändert hat.

© dpa-infocom, dpa:201009-99-892301/2

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